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Leben und Stil

Warum Kalorien nicht alles sind

Ernährungscoach Daniela Stohn entwickelt für die "Brigitte" Abnehmprogramme. Im SZ-Gespräch verrät sie, was dieses Jahr neu dabei ist - Teil 2 der SZ-Diätserie.

Ein Rezept der neuen Brigitte-Diät: Grüne Tagliatelle mit Pistazien-Gremolata - nachzulesen in der neuen Brigitte.
Ein Rezept der neuen Brigitte-Diät: Grüne Tagliatelle mit Pistazien-Gremolata - nachzulesen in der neuen Brigitte. © Brigitte/Thomas Neckermann

Viele Frauen warten bereits auf das neue Abnehm-Programm, das die Zeitschrift Brigitte seit mehr als 50 Jahren in ihrem Januar-Heft veröffentlicht. Denn es gilt als genussvoller Weg, ein paar überflüssige Pfunde loszuwerden. Die Redaktion lässt dabei die neuesten Erkenntnisse der Ernährungswissenschaft einfließen. Seit vorigem Jahr spricht sie nicht mehr von „Diät“, sondern vom „Brigitte-Balance-Konzept“. Was diesmal neu daran ist, wollte die SZ von Brigitte-Redakteurin Daniela Stohn wissen, die das Konzept entwickelt hat.

Wie erklären Sie sich, dass das Abnehmen einer der häufigsten Vorsätze fürs neue Jahr ist, die Deutschen aber trotzdem immer dicker werden?

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Das hat vor allem gesellschaftliche Ursachen. Es gibt heute einfach zu viele ungesunde Fertigprodukte, zu viel Fast Food, zu viele Imbissbuden. Die Versuchung lauert überall. Wir essen permanent – zu fettig, zu süß, zu salzig. Und wir essen oft nicht, weil wir Hunger haben, sondern weil wir uns für irgendetwas belohnen wollen. Dazu kommen Stress, Leistungsdruck und zu wenig Bewegung. Die Kombination aus all diesen Faktoren ist ein großes Problem.

Die Brigitte veröffentlicht jedes Jahr ein neues Abnehm-Programm. Heißt das, dass das alte nicht funktioniert hat?

So neu ist unser Programm gar nicht, vielmehr entwickeln wir es immer weiter. So basiert das Brigitte-Balance-Konzept auch diesmal wieder auf den drei Säulen Ernährung, Bewegung und Meditation. Und es funktioniert, wenn man sich an die Grundregeln hält. Mit Kalorienzählen, das wissen wir heute, ist es nicht getan. Denn eine Kalorie aus einer Walnuss wird anders vom Körper verwertet als eine Kalorie aus Schokolade. Wer sich auf Dauer wohlfühlen und fit bleiben möchte, muss seine Lebensweise auch dauerhaft umstellen, sich regelmäßig bewegen, Stress reduzieren und nicht nur zwei Wochen eine Diät durchziehen. Um die positiven Effekte für Gewicht und Gesundheit zu verstärken, haben wir unser Konzept noch um einen vierten Baustein ergänzt.

Daniela Stohn ist Sportwissenschaftlerin, Ernährungscoach und Yogalehrerin und hat das Balance-Konzept für die Brigitte entwickelt. 
Daniela Stohn ist Sportwissenschaftlerin, Ernährungscoach und Yogalehrerin und hat das Balance-Konzept für die Brigitte entwickelt.  © Brigitte

Und der wäre?

Intervallfasten. Wir hatten ja bislang schon empfohlen, zwischen den Mahlzeiten mindestens vier Stunden nichts zu essen, nicht mal einen Milchkaffee am Nachmittag zu trinken. Denn unser Körper braucht längere Pausen, damit der Stoffwechsel optimal funktionieren kann. Nun werden diese Pausen noch ausgedehnt. Am einfachsten durchzuhalten ist das mit der 16:8-Regel. Das heißt: acht Stunden essen – zwei, maximal drei Mahlzeiten – und 16 Stunden fasten. Dann hat der Körper Zeit, Fett aus den Depots abzubauen.

Aber ist das dann nicht doch eine Diät, die viele auf Dauer nicht durchhalten?

Intervallfasten ist keine Diät, sondern eine Ernährungsweise. In den langen Pausen geht es an das viszerale Fett rund um die Organe, das entzündliche Botenstoffe abgibt und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes erhöht. Die Methode passt sehr gut zu unserem Balance-Konzept, auf gesunde Weise abzunehmen. Es lässt sich im Alltag leicht umsetzen und auf die eigenen Bedürfnisse anpassen. Und ganz wichtig: Man muss nicht täglich fasten, sondern kann es zum Beispiel ein- bis zweimal die Woche tun oder eben auch gar nicht, wenn es nicht zu einem passt. Das Balance-Konzept funktioniert ja wie ein Baukastensystem: Jeder kann sich daraus sein eigenes Programm zusammenbasteln und schauen, was er braucht: ob das jetzt mehr Bewegung, Meditation oder gesunde Rezepte sind.

Rezepte mit wenigen Kilokalorien gibt es bereits viele.

Unsere Rezepte werden von einer Ernährungswissenschaftlerin entwickelt, die dabei immer auch nach neuen Foodtrends schaut und auf Gemüse als Basis setzt. Sie verwendet gesunde Lebensmittel mit niedriger Energiedichte – also einem günstigen Verhältnis von Kilokalorien zur Grammzahl. Auch ein hoher Eiweißgehalt trägt dazu bei, dass die Gerichte lange satt machen. Sie werden bei uns in Hamburg in der Versuchsküche dreimal nachgekocht. Denn sie sollen nicht nur schmecken, sondern auch einfach zuzubereiten sein. Der schönste Moment des Jahres ist für uns in der Redaktion, wenn wir zum Verkosten kommen können.

Und was hat Meditieren mit Abnehmen zu tun?

Mehr als viele glauben. Beim Meditieren kann ich nach innen schauen und ergründen, was mich antreibt, warum ich abnehmen möchte: Ist es, um einem Schönheitsideal zu entsprechen oder um meinem Partner zu gefallen? Oder will ich es selbst, um mich einfach besser zu fühlen? Beim Meditieren lässt sich auch Stress abbauen, der kontraproduktiv fürs Abnehmen ist. Es geht darum, Widerstände zu erkennen und sich selbst zu mögen. Hilfreich kann dabei die Meditations-App Balloon sein. Psychologe Dr. Boris Bornemann hat dort für uns einen Kurs entwickelt, ein positiveres Verhältnis zu sich selbst zu finden. Es gibt auch eine Übung „Fastenhilfe“, wenn der Hunger beim Intervallfasten gar zu groß scheint.

Das Balance Konzept mit allen Rezepten und Tipps in der neuen Zeitschrift Brigitte, die am Donnerstag erschienen ist. Sie gehört wie die SZ zum Verlag Gruner+Jahr.
Das Balance Konzept mit allen Rezepten und Tipps in der neuen Zeitschrift Brigitte, die am Donnerstag erschienen ist. Sie gehört wie die SZ zum Verlag Gruner+Jahr. © Brigitte

Intervallfasten und Sport– wie passt das zusammen?

Sehr gut, wenn man ein paar Regeln beachtet. Ein entspannter Lauf, Yoga oder eine lockere Radrunde gehen problemlos auch nüchtern vor dem Frühstück. Intensives Training dagegen sollte man besser während der Essensphase betreiben. Der Körper braucht nach dem Sport einen Mix aus Kohlenhydraten und Proteinen, um die Speicher wieder aufzufüllen und die Muskelzellen zu reparieren. In unserem Online-Portal Brigitte Fitness finden sich inzwischen mehr als 700 Workout-Videos für Einsteiger und Fortgeschrittene. Neu sind Tipps, wie man noch mehr aus seinem Training herausholen kann.

Zum Beispiel?

Mehr auf die Technik achten. Wenn ich zum Beispiel eine Kniebeuge mache, dabei tiefer runtergehe und die Arme richtig strecke. Das ist gleich viel anstrengender und effektiver.

Haben Sie selbst als berufstätige Frau probiert, wie sich das Balance-Konzept im Alltag umsetzen lässt?

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Ich halte mich an unsere zehn Balance-Regeln, treibe viermal die Woche Sport, meditiere und versuche, einmal am Tag frisch zu kochen – auch wenn es mal nur gedünstetes Gemüse mit Quark ist. Und ich verbiete mir nichts: Wenn ich Hunger auf Schokolade oder Kuchen habe, genieße ich das auch. Mein Motto: 80 Prozent gesund essen ist ein prima Weg.

Beim Brigitte Academy Health Day am 13.6.2020 im Gruner+Jahr-Haus in Hamburg werden das Balance Konzept und Tipps zum gesunden Leben vorgestellt.

Das Gespräch führte Katrin Saft.

In Teil 3 am 9. Januar lesen Sie: Abnehmen mit Extremsport.