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Was bei Petkovic jetzt für Dresden spricht

Die Tennisspielerin will nur noch das tun, was ihr Spaß macht. Das klingt nach Bundesliga mit Blasewitz, Büchern und einer Fernseh-Karriere.

Andrea Petkovic will künftig weniger Turniere spielen. Hat der Tennisstar dann noch mehr Zeit für Dresden?
Andrea Petkovic will künftig weniger Turniere spielen. Hat der Tennisstar dann noch mehr Zeit für Dresden? © dpa/Robert Michael

Dresden. Das Versprechen steht. Und das sagt viel über Andrea Petkovic aus - den Menschen und den Profi. Die deutsche Weltklasse-Tennisspielerin erklärte nach dem Klassenerhalt mehr oder weniger deutlich, dass sie im nächsten Jahr wieder gern an Bord wäre. "Ich habe mich in den vier Tagen pudelwohl gefühlt. Was ich in meiner Karriere immer nachhaltig betrieben habe, ist, dass ich Partnerschaften auf lange Sicht aufgebaut habe. Das ist auch hier mein Ziel", sagte sie. Auf ihrem Instagram-Profil veröffentlichte sie drei Fotos von sich aus der sächsischen Landeshauptstadt, versehen mit der schwelgerischen Notiz: "Dresden, du warst einmalig spitze".

Die 31-Jährige befindet sich in einem Karrierestadium, in dem ihr scheinbar andere Dinge wichtiger sind als der eine oder andere Schein mehr im Geldbeutel. Bei den Verhandlungen vor der Saison ist sie den Blasewitzern offenbar deutlich entgegengekommen, wenngleich die Nummer 71 der aktuellen Weltrangliste, die am Montagabend beim Turnier in Palma de Mallorca in der ersten Runde an der Belgierin Elise Mertens mit 2:6 und 2:6 scheiterte, auch so immer noch mit Abstand die teuerste Spielerin im Dresdner Erstligakader gewesen ist. Der unglaubliche Zuspruch, Blasewitz weist mit insgesamt 3500 Heimzuschauern mit Abstand den Liga-Bestwert aus, bestätigt die überraschende Investition.

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Wo sich Petkovic wohl-, willkommen, ja zu Hause fühlt, dorthin kehrt sie gern zurück. "Mir ist es wichtig, jetzt nur noch Sachen zu tun, die mir am meisten Freude machen. Und der Fedcup und die Zeit in der Bundesliga waren die schönsten Momente für mich", erklärte das bekannteste deutsche Tennisgesicht der Gegenwart nach Angelique Kerber. "Auf den weltweiten Turnieren ist es meist so, dass du nach Siegen so einsam bist und niemanden umarmen kannst", betont sie.

Dabei kann es sich die sechsfache WTA-Turniersiegerin inzwischen leisten, mal ihre Eltern oder ihre Schwester mit auf Tour zu nehmen. Gut 6,4 Millionen Euro hat Petkovic in ihrer 13-jährigen Profikarriere allein an Preisgeld eingespielt. Nach der Steuer bleiben davon knapp 60 Prozent. Ein glamouröses Leben führt sie dennoch nicht, sagt Petkovic. Tennis-Profis sind selbstständige Unternehmer. "Ich habe 200000 bis 300000 Euro Ausgaben pro Jahr für Trainer, Physiotherapeut, Flüge, Hotels. Da muss etwas reinkommen. Sind wir verletzt, haben wir keine Einnahmen", sagt Petkovic, und verletzt war sie häufig.

Sie betreibt Yoga und experimentiert mit Meditation

Nun aber fühlt sie sich "körperlich besser denn je in gewisser Hinsicht". Das hat erstens mit einer entspannteren Herangehensweise zu tun. "Früher habe ich hart und viel trainiert - osteuropäische Schule eben", sagt die Tochter des ehemaligen jugoslawischen Tennis-Profis Zoran Petkovic. "Jetzt betreibe ich viel Verletzungsprävention - Entspannungsübungen, Dehnungen, Yoga - und habe nur noch ein, zwei harte Einheiten pro Woche, bei denen ich über das Limit hinausgehe", schildert sie. Zweitens experimentiert Petkovic seit gut einem Jahr mit Meditation. "Damit will ich in diesen Flow kommen, dass ich mehr instinktiv spiele", sagt sie. Dem Instinkt stand häufig der eigene Kopf im Weg. Simpel ausgedrückt: Die kluge, neugierige Frau mit 1,2er-Abitur hat auf dem Platz zu viel nachgedacht. "Dabei spielt man am besten, wenn man gar nicht denkt", sagt Petkovic.

Gedanken macht sie sich jetzt freilich häufig über das Leben nach der Tennis-Karriere. "Das war und ist die große Liebe meines Lebens, die ich weiter mit großer Leidenschaft füllen will." Wie lange noch, lässt sie offen. Olympia 2020 in Tokio wäre ein lohnenswertes Ziel. Aber dann … Zumal es in puncto Leidenschaft eine neue Konkurrenz in Petkovics Leben gibt. Seit Ende 2018 ist der New Yorker Musiker Jesse Kotansky häufig an ihrer Seite, auch in Dresden. Dass die beiden sich lieben, verbergen sie nicht, aber beide führen ein Leben außerhalb von täglichen öffentlichen Selfies. "Ich bin über 30 und kann jetzt erst alles genießen", sagt der Tennisstar und meint damit das Leben und Tennis.

Und ihre anderen Projekte. Ein Casting für eine Sportmoderation beim ZDF hat sie offenbar erfolgreich überstanden - aber erst, nachdem sie sich von den redaktionell vorbereiteten Texten löste. "Das hat sich nicht gut angefühlt. Ich war nicht locker. Mir hat jemand gesagt, wenn ich Texte von anderen vorlese, fange ich an zu blinzeln. Also wenn ich jetzt blinzle, wisst ihr, dass ich entweder lüge oder die Texte nicht von mir sind", sagt sie und lacht herzlich. Petkovic schrieb im Vorjahr wunderbar lebenskluge, selbstironische Kolumnen für die Süddeutsche Zeitung. Daran knüpft sie an. "Ich bastle an einem Buch, das hoffentlich im Herbst 2020 erscheinen wird." Vielleicht taucht da ja eine Episode auf: "Zehn gute Gründe, nach Dresden zu fahren". Petkovic kennt nach der vergangenen Woche sicher noch mehr.

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