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Was ein Australier in Horka sucht

Vor 150 Jahren ging es von hier aus auf den fünften Kontinent. Um die deutschen Wurzeln zu erforschen, gibt es jetzt tatkräftige Hilfe.

Tobias Plagwitz forscht nicht nur zur Vergangenheit seiner eigenen Familie. Der Horkaer steht auch im Kontakt mit Australiern, deren Vorfahren einst von hier auf den fünften Kontinent ausgewandert sind.
Tobias Plagwitz forscht nicht nur zur Vergangenheit seiner eigenen Familie. Der Horkaer steht auch im Kontakt mit Australiern, deren Vorfahren einst von hier auf den fünften Kontinent ausgewandert sind. © André Schulze

Tobias Plagwitz hat den heißen Draht nach Australien, mit Reisen dorthin allerdings nichts am Hut. Würde sowieso nicht funktionieren in der heutigen, corona-gebeutelten Zeit. Vielmehr schickt er E-Mails auf den fünften Kontinent. Auch dort wohnen Horkaer, die eigentlich gar keine mehr sind. Aber große Sehnsucht nach der alten Heimat haben.

Australier hatten zuerst in Niesky angefragt

Der Zufall half kräftig mit, dass Tobias Plagwitz mit Mark Heinrich und seinem Wunsch, Näheres über die Horkaer Vergangenheit seiner Familie zu erfahren, in Verbindung kam. "Ich wollte mir den neuen Internetauftritt unserer Gemeinde anschauen und blätterte dort in das digitale Amtsblatt hinein. Da las ich, dass die Heinrichs wegen ihrer Familiengeschichte an das Wachsmann-Haus in Niesky herangetreten waren. Das interessierte mich."

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Und der 20-Jährige rief bei Claudia Wieltsch im bekanntesten Holzhaus der Stadt an. Von ihr erfuhr er, dass die Australier großes Interesse hätten und auf der Suche nach Anknüpfungspunkten in der Heimat ihrer Vorfahren seien. "Ein bisschen war schon bekannt", erzählt die Chefin des Wachsmann-Hauses. So lebt Mark Heinrich dort bereits in fünfter Generation, nachdem 1849 mit Johann Traugott, Johann Gottlieb und Ernst Friedrich drei Brüder ausgewandert waren. Zwei weitere Geschwister, Johanne Christiane und Friedrich August, blieben zurück.

Vorfahren betrieben einst Horkaer Mühle

Tobias Plagwitz ist durch seinen Onkel zur Ahnenforschung gekommen, hat dann in der 11. und 12. Klasse am Friedrich-Schleiermacher-Gymnasium den Leistungskurs Geschichte belegt und arbeitete sich immer mehr in dieses Hobby ein. Bei den Nachforschungen erfuhr er, dass seiner Familie bis 2015 die 1499 erstmals erwähnte Mühle in Ober-Horka gehörte und dass sein Urgroßvater sowie dessen Vater einst hier Müllermeister waren.

Im Zweiten Weltkrieg brannte das Gebäude ab und wurde schließlich vor ein paar Jahren abgerissen. "Mittlerweile habe ich über 2.700 Personen ausfindig gemacht, die alle einem Stammbaum zugehören", erzählt der junge Mann. Dazu forscht er in allen erreichbaren Kanälen, hat von Horkaer Familienältesten und aus Kirchenbüchern Auskünfte eingeholt, überträgt alte Briefe und Testate in die moderne Sprache.

Buch mit umfangreicher Familiengeschichte

Mit Mark Heinrich, inzwischen selbst im Rentenalter, steht er seit Mitte März jede Woche zwei- bis dreimal im Mailkontakt. Sein Schul-Englisch ist offenbar so gut, dass er von den australischen Horkaern schon ein dickes Lob eingeheimst hat. Von ihnen erfuhr Tobias Plagwitz auch von dem sogenannten Heinrich-Buch, in dem die Auswanderer viel Wissenswertes über ihre Zeit auf dem fünften Kontinent zusammentrugen.

"Sie übersetzten hunderte Briefe und erfassten ihren Stammbaum, soweit er ihnen bekannt war", erzählt der Horkaer Ahnenforscher. Immerhin handeln 36 der insgesamt 192 Seiten auch von den Vorfahren im fernen Deutschland.

Politische Gründe für die Flucht nach Australien

"Ich habe dadurch viel Interessantes auch für meine eigenen Forschungen erfahren", lobt Plagwitz seine "Kollegen" vom anderen Ende der Welt. Die beschreiben, dass offenbar die politische Situation, steigende Lebensmittelpreise, aber auch die deutsche Revolution in den Jahren 1848/49 Gründe dafür waren, dass drei der fünf Heinrich-Geschwister der Heimat adé sagten und das Weite suchten. Zudem brannte 1840 offenbar ihr Wohnhaus in Horka ab.

Hinweise zur Familie Heinrich werden gesucht

Nachfolgende Generationen der Heinrichs sind auf deutscher Seite bis gegen 1900 erfasst. Doch danach wird es schwierig mit eventuellen Verbindungen zur Gegenwart. Tobias Plagwitz sucht nun nach neuen Anknüpfungspunkten: "Wer Parallelen zu seiner eigenen Familiengeschichte feststellt oder Hinweise hat, die ich nachverfolgen kann, der sollte sich bei mir oder im Konrad-Wachsmann-Haus melden." Ahnenforschung sieht der junge Mann für sich auch weiterhin als Hobby an.

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Denn beruflich geht es bei ihm eher handfest zur Sache. Von der Jugendfeuerwehr seines Heimatortes ist er in die aktive Feuerwehr aufgerückt. Inzwischen absolviert er eine Brandmeisterausbildung an der Landesfeuerwehrschule in Nardt bei Hoyerswerda. "Um weiter über meine und der Familie Heinrich Vorfahren zu forschen, bleibt parallel dazu aber immer noch Zeit."

Hinweise nimmt Tobias Plagwitz unter E-Mail [email protected] entgegen. Das Wachsmann-Haus ist unter E-Mail [email protected] zu erreichen.

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