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Keramikgeschäft muss schließen

Kata Hajdu hadert mit der Jauernicker Straße in Görlitz. Die ungünstige Lage und coronabedingte Einbußen zwingen sie nach nur zwei Jahren zur Veränderung.

Kata Hajdu fertigt Keramik und bietet sie in der Jauernicker Straße in Görlitz an. Doch jetzt will sie sich verändern.
Kata Hajdu fertigt Keramik und bietet sie in der Jauernicker Straße in Görlitz an. Doch jetzt will sie sich verändern. © Nikolai Schmidt

Zu fern von den Touristenpfaden der Altstadt, zu abgelegen selbst für Einheimische? In der Jauernicker Straße 33 betreibt Kata Hajdu seit fast zwei Jahren ihr eigenes Geschäft. Die Keramikerin bietet dort Handgetöpfertes an, darunter Garnschalen, Uhren, Schmuck und Dekorationen wie Keramikpilze und Blüten. Im vergangenen Jahr hatte die SZ über das Geschäft als Geheimtipp berichtet. Als solches funktioniert das Atelier aber nicht auf Dauer. Ende August muss Kata Hajdu es schließen. 

Andere Läden bieten Hajdus Waren mit an

Dass es nicht leicht werden würde, hatte die gebürtige Ungarin schon bei der Eröffnung geahnt. Deswegen suchte und fand sie Kooperationen mit anderen Gewerbetreibenden in Görlitz. Karin Bock zum Beispiel verkauft in ihrem Kinderstübchen in der Kunnerwitzer Straße Garnschalen von Kata Hajdu. Bei Steffen Ramonat in dem traditionsreichen Laden in der Luisenstraße gibt es getöpferte Lampen der 43-Jährigen, alles Unikate. Und bei Robert Koch in der Brüderstraße waren neben Bekleidung Kata Hajdus Keramiken zu haben. Doch der Mann schloss im Juni sein Geschäft. Für die SZ war er nicht zu erreichen.

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Wegfall der Märkte trifft sie schwer

Mit dem coronabedingten Lockdown ging es für Kata Hajdu bergab: Geschäfte geschlossen, Märkte auf lange Zeit abgesagt, der Tourismus am Boden. Die Keramikerin bleibt auf ihren Produkten sitzen. "Der Wegfall der Märkte trifft mich schwer", sagt sie. Vor allem in Leipzig verkaufte sie gut, auch über das Internet. Mit Corona begann für sie ein schwere Zeit. "Ohne die staatliche Hilfe hätte ich nicht gewusst, wie ich Miete zahlen und überleben soll", erklärt sie.

Nun überlegt sie mit ihrem Lebenspartner, wie es weitergehen soll. Noch ist nicht klar, ob das Paar Görlitz verlässt oder an einem günstigeren Standort in der Stadt doch noch einen Versuch wagt. "Wir haben verschiedene Städte angeschrieben, ob wir vielleicht dort eine Chance haben", erzählt Kata Hajdu. Annaberg-Buchholz zum Beispiel. Die Antworten stehen noch aus. "Eigentlich wollen wir schon hierbleiben, Görlitz gefällt uns sehr", sagt die Keramikerin. 

Stadt will helfen

Die Naschallee am kommenden Sonnabend will sie nutzen, um  ihre Produkte gut zu verkaufen. "Vielleicht inspiriert mein Stand auf der Naschallee viele Görlitzer, bis Ende August mein Geschäft zu erkunden", sagt sie. Vielleicht gibt es aber noch einen anderen  Silberstreif am Horizont. Die Wirtschaftsförderung der Europastadt Görlitz-Zgorzelec (EGZ) will der Keramikerin behilflich sein. 

Anja Schließ von der EGZ informiert auf SZ-Nachfrage, dass es zwar noch keinen Kontakt zwischen der Gesellschaft und Kata Hajdu gegeben hat, auch bei ihrer Ansiedelung vor zwei Jahren nicht, aber das soll nun passieren. Die SZ regte das an.  Roswitha Hennig von der Wirtschaftsförderung wird am Sonnabend während der Naschallee auf Kata Hajdu zugehen.  Die Keramikerin scheute  bislang davor zurück, sich "amtliche" Hilfe zu holen,  da die gebürtige Ungarin sich zwar sehr gut in Englisch verständigen kann, aber an ihren Deutsch-Kenntnissen weiterhin arbeitet. 

"Da findet sich bestimmt etwas", ist Roswitha Hennig überzeugt.  "Wenn die Gewerberäume bezahlbar sind und eine viel bessere Lage als hier an der Jauernicker Straße haben, dann fällt mir eine Entscheidung für Görlitz bestimmt leichter", sagt sie. Bislang ist aber noch gar nichts entschieden.

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