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Eine Stiftung zur Rettung der Dampfer?

Die Flotte braucht finanzielle Unterstützung. Ideen, wie sie sicher in die Zukunft kommt, gibt es schon.

Wer rettet die Dresdner Flotte? Es wird ein Investor mit viel Geld gesucht.
Wer rettet die Dresdner Flotte? Es wird ein Investor mit viel Geld gesucht. © Sven Ellger

Dresden. "Fahren Sie jetzt mit den Schiffen, kommen Sie auf die Schiffe!" Diese Bitte von Karin Hildebrand, Geschäftsführerin der Sächsischen Dampfschiffahrt (SDS), beendete am Freitag den Termin, bei dem die Verantwortlichen der Flotte Klartext geredet haben zur aktuellen Situation. Ihr Kollege Jeffrey Pötzsch hat sie gleich zwei Mal geäußert. Ein Zeichen dafür, wie wichtig es gerade jetzt ist, dass die Schiffe und die Tochterunternehmen der Flotte genug Geld verdienen, um den laufenden Betrieb zu finanzieren. Ohne das Wissen, dass dieses Geld fließt, hat Sanierungsgeschäftsführer Burkhard Jung keine Ruhe für die Suche nach neuen Investoren. Und ohne neue Investoren, die in drei Monaten gefunden sein sollen, droht die Zerschlagung des Unternehmens. Das wird dann dazu führen, dass die Schiffe nicht mehr fahren, vielleicht sogar verkauft werden müssen. 

Jung kann sich das nicht vorstellen. Die denkmalgeschützen Dampfer seien anderswo kaum etwas wert, eine Zulassung für den Rhein hätten sie zum Beispiel nicht, heißt es aus der Chefetage des Unternehmens, vom Sanierungsgeschäftsführer und von Fachleuten, die sich mit den Dampfern auskennen.

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Für viele Dresdner ist ganz und gar undenkbar, dass die Dampfer von der Elbe verschwinden. "Die Weiße Flotte muss weiter fahren, sie ist ein Teil unserer Identität als Dresdner", meint zum Beispiel der Dresdner Sven Drechsler. Dass die Stadt oder der Freistaat die richtigen Unternehmer sind, um die Firma zu führen, bezweifelt er allerdings.

Angelika Gäbel widerspricht. Sie meint, der Freistaat sollte die Dampfschifffahrt komplett übernehmen und - wie von Oberbürgermeister (OB) Dirk Hilbert (FDP) vorgeschlagen - den Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) als Partner ins Boot holen. Als Lösung für die finanzielle Misere schlägt sie einen Vergleich vor, "mit dem beide Seiten gut leben können". Also die aktuellen Eigentümer und Gläubiger der Flotte auf der einen Seite und das Unternehmen selbst samt Mitarbeitern und dem neuen Eigentümer auf der anderen Seite. Einen Verkauf an einen Privatinvestor lehnt sie ab. "Das Wichtigste ist: Es muss ein tragbares Konzept her, wenn die Dampfer bei Niedrigwasser nicht fahren können." Dazu könnten zum Beispiel Gastroangebote auf den Schiffen, Kunstveranstaltungen und Adventsfeiern gehören.

Wie wird in der Staatskanzlei entschieden? Übernimmt der Freistaat die Dampfer ganz? Manche Dresdner hoffen das für die historische Flotte.
Wie wird in der Staatskanzlei entschieden? Übernimmt der Freistaat die Dampfer ganz? Manche Dresdner hoffen das für die historische Flotte. ©  dpa/Robert Michael

Die Lösung mit dem Freistaat als Eigentümer und dem VVO als organisatorisches Dach für den Fahrbetrieb könnte schon bald ein wenig näher rücken. Schließlich kündigte der Erste Bürgermeister Detlef Sittel (CDU) am Donnerstag bei der Stadtratssitzung auf Nachfrage von Jens Genschmar (Freie Wähler) genau dazu ein Gespräch zwischen Stadt und Finanzministerium an. 

Der Landtagsabgeordnete der Grünen Thomas Löser schlägt ein anderes Modell vor. Er bringt eine Stiftung ins Gespräch, die die Firma übernimmt, und begründet diese Idee: "Man muss sich vielleicht von einem gewinnorientierten Geschäftsmodell verabschieden." Schließlich stelle sich grundsätzlich die Frage, ob die Flotte unter den Bedingungen des Klimawandels und häufiger niedriger Pegelstände überhaupt gewinnorientiert zu betreiben sei.

Löser ist mit dieser Ansicht nicht allein. Die Lösungsvorschläge, die unter anderem in den sozialen Medien zu lesen sind, reichen bis hin zu Staustufen an der Elbe, um die Schifffahrt dauerhaft zu ermöglichen. Doch neue Staustufen verbietet das 2017 vom Bund und den Bundesländern verabschiedete "Gesamtkonzept Elbe".

Silvia Tröster aus Laubegast denkt unterdessen an ganz praktische Hilfe für die Flotte. Sie hat sich zusammen mit Bernd Sonntag, dem einstigen Chef des Laubegaster Verlags "Die Fähre", eine Büchergeld-Spende für die Flotte ausgedacht. Rund 700 Exemplare des Buchs "Die älteste und größte Raddampferflotte der Welt" hat Sonntag noch. "Über die ganzen traurigen Sachen steht da nix drin", wirbt Silvia Tröster für das Buch, das 2002 erschienen ist und einst fast 25 Euro gekostet hat. Das war zu viel, ist sie sich mit Bernd Sonntag einig. Nun wollen sie die Bücher für zwei Euro pro Stück an die Flotte abgeben, die sie dann vielleicht für 15 Euro verkaufen könnte. Macht am Ende rund 9.000 Euro Plus für die Dampfschifffahrt, rechnen die Laubegaster.

Auf die Schiffe wollen sie keinesfalls verzichten, sagt die Stadt- und Kunstführerin. Sie habe für ihre Kunden immer auch Plätze gebucht. "Ich habe das Leid der letzten zwei Jahre mitgekriegt, habe Absagen bekommen wegen Niedrigwasser", erinnert sich die Laubegasterin. "Die Gäste haben sich wirklich gekloppt um die wenigen Fahrten." Und sie schließt: "Corona ist da jetzt noch der Hammer."

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