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So soll es an Sachsens Schulen weitergehen

Ab dem 6. Mai können noch mehr Schüler in Sachsen wieder zur Schule gehen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Unterricht bis Schuljahresende.

Unter strengen Hygieneregeln können manche Schüler in Sachsen in die Schulen zurückkehren. Eine generelle Maskenpflicht soll es erst einmal nicht geben.
Unter strengen Hygieneregeln können manche Schüler in Sachsen in die Schulen zurückkehren. Eine generelle Maskenpflicht soll es erst einmal nicht geben. © dpa

Dresden. Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) hat die Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr zur Normalität an Schulen gedämpft. „Von einem klassischen Normalbetrieb werden wir bis zu den Sommerferien weit entfernt sein“, sagte er. Am Dienstag hat das sächsische Kabinett beraten, wie es an den Schulen weitergehen soll.

Welche Schüler können wieder in die Schule?

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Ab Mittwoch, dem 6. Mai, dürfen in Sachsen weitere Schüler wieder zurück an die Schule. Das betrifft

  • Vorabschlussklassen, also die 11. Klassen am Gymnasium
  • die 9. bzw. 8. Klassen an Ober- und Förderschulen
  • 4. Klasse an Grund- und Förderschulen.

Auch die Vorabschlussklassen an den Berufsschulen können wieder in die Schule.

Die Lehrer an den Schulen beginnen schon ab Montag mit den Vorbereitungen. Damit setzt Sachsen bundesweite Absprachen der Länder mit der Bundeskanzlerin um. "Wir wollen damit den Schülern, die Chance geben, sich auf ihren Abschluss im kommenden Schuljahr vorzubereiten", sagte Kultusminister Christian Piwarz am Dienstag. Eine entsprechende Allgemeinverfügung wird das Kabinett voraussichtlich am Donnerstag beschließen.

Schon seit der vergangenen Woche können die Abiturienten für Konsultationen und Prüfungen in ihre Schulen gehen. Auch die Abschlussklassen an den Oberschulen dürfen seit 22. April wieder in die Schule. 

Ziel ist es, auch alle anderen Schüler in den kommenden Wochen wieder in den Unterricht zu holen. "Wir denken über eine weitere Öffnung der Schulen nach. In einer dritten Stufe wollen wir für die übrigen Schüler den Unterricht an den Schulen eröffnen", sagte Piwarz am Dienstag. Dafür gebe es aber noch kein konkretes Datum. Das Vorgehen müsse mit den anderen Bundesländern abgesprochen werden. Er nennt als vorsichtigen Ausblick den Montag nach Himmelfahrt, 25.Mai.

Wann öffnen die Kitas wieder?

Tagesmütter dürfen ab Montag wieder arbeiten, da hier nur kleine Gruppen betreut werden. Das betrifft 1.700 Kinder in Sachsen. Die Kindertagesstätten bleiben aber vorerst weiter geschlossen. „Es gibt einen hohen Druck durch die Eltern, die Kitas wieder zu öffnen, was auch nachvollziehbar ist. Aber in Kitas, vor allem in den Krippen, kann man nur schwer Abstandsregeln einhalten“, sagte der Kultusminister.  "Für uns ist es aber keine Option, dass es bis zu den Sommerferien nur eine Notbetreuung gibt." Derzeit werde ein Öffnungsszenario entwickelt, das in den nächsten zwei Wochen vorliegen soll. 

Außerdem soll ab Montag die Notbetreuung "vorsichtig" ausgeweitet werden. Derzeit werden etwa 20 Prozent der Kinder in kleinen, getrennten Gruppen betreut. Damit sei man in einigen Kitas - etwa in der Nähe der Unikliniken - sowohl beim Personal als auch beim Platz an der Kapazitätsgrenze, sagte Piwarz.

Wie soll der Unterricht bis Ende Juli aussehen?

Es wird einen Wechsel aus Präsenzzeiten an der Schule und Lernzeiten zu Hause geben, kündigte Piwarz an. Das ist auch in dem Rahmenkonzept vorgesehen, auf das sich die Kultusministerkonferenz am Dienstag geeinigt hat. "Wir streben an, dass alle Schüler möglichst mindestens einmal in der Woche im Unterricht an der Schule sein können"  Damit soll eine regelmäßige Interaktion zwischen Schülern und ihren Lehrern wieder möglich sein. Die Lernzeiten außerhalb der Schule sollen vor allem zur Übung, Festigung und Vertiefung des Unterrichtstoffes dienen. 

Allerdings müssen dafür zum Infektionsschutz zwingend strenge Hygieneregeln und Abstandsgebote eingehalten werden. Das gilt fürs Klassenzimmer, aber auch für Pausenhof oder zu Essenszeiten. Jede Schule muss einen Hygieneplan haben. Für regelmäßiges Händewaschen müssten genug Möglichkeiten vorhanden sein, ebenso brauche es ausreichend Flüssigseife.

Neben größeren Abständen zwischen den Tischen und verschärften Putzvorgaben werden die Klassen in kleinere Gruppen aufgeteilt und räumlich getrennt. Außerdem ist eine zeitliche Staffelung vorgesehen, damit sich so wenig Schüler wie möglich begegnen. Wie genau sei abhängig von der Größe der Klassenzimmer und des Schulgebäude. Die Schulen können das eigenverantwortlich organisieren. "Präsenzzeiten und Lernzeiten gut aufeinander abzustimmen, ist die Aufgabe, vor der jede einzelne Schule jetzt steht", so der Minister.

Müssen Schüler eine Maske tragen?

Bisher gibt es keine Pflicht. Auch in dem Papier der Kultusministerkonferenz ist eine Pflicht, in den Schulen einen Nase-Mund-Schutz zu tragen, nicht vorgesehen. Sachsens Kultusministerium hat aber eine klare Empfehlung dafür ausgesprochen. Zumindest bei Prüfungen sei das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes aber „unverhältnismäßig“, hieß es. 

In einigen Schulen war das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes in der ersten Woche nach den Schulschließungen allerdings Pflicht.  „Schulleiter können von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und eine Pflicht aussprechen“, sagte Ministeriumssprecherin Susann Meerheim. Allerdings sei es nicht möglich, Schüler ohne Mundschutz vom Unterricht oder von den Prüfungen auszuschließen. "Die Schulpflicht hat Vorrang", sagte Minister Piwarz. 

Der Freistaat wird auch weitere Masken und Desinfektionsmittel für Schüler und Lehrer an die Schulen liefern. In dieser Woche seien die Lehrer in der Notbetreuung an den Grundschulen mit Masken ausgestattet worden. 

Wie sieht der Lehrplan bis Ende des Schuljahres aus?

Das wird kein normales Schuljahr mehr. Es wird auch keinen regulären Unterricht mehr geben, sagte Kultusminister Christian Piwarz. Die Schulen könnten eigenverantwortlich die Präsenzzeiten mit Bezug zur Stundentafel festlegen. Die Umsetzung der Lehrplanziele stehe dabei nicht im Vordergrund. "Die Lehrerinnen und Lehrer entscheiden auf Grund der pädagogischen Situation, welche inhaltlichen Schwerpunkte sie für die in der verbleibenden Unterrichtszeit setzen", sagte Piwarz. Lernstoff, der aktuell nicht behandelt werden konnte, könne im nächsten Schuljahr bearbeitet und vertieft werden. Wenn einzelne Lernbereiche wegen des Infektionsschutzes derzeit nicht durchführbar sind, können aber auch Lerninhalte aus der nächsten Klassenstufe „vorgezogen“ werden, teilt das Ministerium mit. 

Das Kultusministerium setzt auf einen flexiblen Umgang mit den Stundentafeln. Grundschüler brauchen beim Erlernen neuer Kompetenzen die meiste Unterstützung, heißt es vom Kultusministerium. Deshalb soll sich das Bildungsangebot an Grundschulen auf die Kernfächer Deutsch, Mathematik, Sachunterricht und Englisch in Klassenstufe 4 konzentrieren. „Die Sicherung der Grundlagen im Lesen, Schreiben und der Mathematik hat Priorität.“

Die Oberschulen können die Stundentafel eigenverantwortlich anpassen. Ein Schwerpunkt sollte die Absicherung des Unterrichts in den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch sein, eventuell könnten naturwissenschaftliche Fächer unterrichtet werden. Die Wochenstundenzahl in einzelnen Fächern kann auch zeitweise erweitert oder gekürzt werden, heißt es. In den Klassen, die im kommenden Jahr ihre Prüfungen ablegen, sollte der Unterricht vorrangig in den schriftlichen Prüfungsfächern abgesichert werden.

Auch für die Schüler Sekundarstufe 1 an Gymnasien können die Wochenstunden in den Fächern wie an den Oberschulen entsprechend angepasst werden. In der Jahrgangsstufe 11 bzw. 12 an beruflichen Gymnasien findet der Unterricht vorrangig in den Leistungskursen und in den Grundkursfächern statt, die schriftliches Abiturprüfungsfach sein können.

Wie werden Aufgaben bewertet, die in der Lernzeit zu Hause erledigt wurden?

Die Lehrer sollten die Aufgaben zusammen mit dem Schüler auswerten. Die Bewertung soll dabei „wertschätzend und ermutigend sein“ und Hinweise für das weitere Lernen enthalten, so das Kultusministerium. In der dritten und vierten Klasse müssen keine Noten vergeben werden – außer in den Fächern Deutsch, Mathematik, Sachunterricht und Englisch. Im Jahreszeugnis wird dann die Halbjahresnote übernommen. Bei Schülern an Oberschulen und Gymnasien sollen die Lehrer bei der Festlegung der Jahresnote auch den Leistungswillen und den individuellen Lernfortschritt berücksichtigten. Insbesondere in Grenzfällen sei abzuwägen, inwiefern eine "wohlwollende und motivierende" Entscheidung angebracht ist, heißt es.

Was ist die "Günstigkeitsregel"?

Den Schülern sollen durch die Schulschließungen keine Nachteile entstehen. Die Lernzeit zu Hause verläuft für die Schülerinnen und Schülern sehr unterschiedlich, etwa weil die technischen Voraussetzungen fehlen, die Eltern nicht genug Unterstützung leisten können oder die Lehrer zu viele Aufgaben stellen. Das muss von den Lehrern angemessen berücksichtigt werden, wenn es um die Jahresendnoten geht. Die Schüler sollen Möglichkeiten bekommen, ihren Notenspiegel zu verbessern. Verbessert sich ein Schüler durch eine Note nicht oder verschlechtert sich sogar, kann die Zensur aus dem Notenspiegel gestrichen werden. Jeder Lehrer sollte sicherstellen, dass keine Überforderungen und kein Leistungsdruck entstehen, heißt es vom Kultusministerium.

Kann ein Schüler sitzen bleiben?

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Ja, in Sachsen ist das möglich. Die Schulen sollen bei der Benotung aber die aktuelle Lage berücksichtigen und mit den Eltern über das Sitzenbleiben entscheiden. Die Schüler können auch freiwillig eine Klassenstufe wiederholen. In Thüringen sollen Schüler wegen der Corona-Krise automatisch in die nächst höhere Klassenstufe versetzt werden - mit Ausnahme der Klassen neun und zehn. Auch Schüler in Hessen sollen die Schüler in der Regel versetzt werden, weil die Leistungsbewertung in diesem Schulhalbjahr nur eingeschränkt möglich sein wird.  

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