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Wie ein Film entsteht

Ein Kooperationsprojekt lädt Ferienkinder in Hoyerswerda dazu ein, einen eigenen Kurzfilm zu produzieren.

Francis und Lara (v. l.) haben mit Unterstützung von Medienpädagoge Johannes Gersten ihren Kurzfilm mit dem Titel „Das magische Einhorn“ in acht Szenen aufgenommen.
Francis und Lara (v. l.) haben mit Unterstützung von Medienpädagoge Johannes Gersten ihren Kurzfilm mit dem Titel „Das magische Einhorn“ in acht Szenen aufgenommen. © Foto: Juliane Mietzsch

Hoyerswerda. Kurz nach zehn Uhr tummeln sich einige Menschen – Erwachsene und Kinder – auf der Freifläche hinter dem sogenannten Hochhaus am Knie in der Bautzener Allee. Ein Zelt wird aufgebaut, Kinder kommen von dem nahegelegenen Spielplatz, Kabeltrommeln und Tische werden aus einem Fenster des Wohnblocks gereicht.

Was hier aufgebaut wird, ist ein Ferienangebot der KulturFabrik Hoyerswerda (KuFa), der Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanäle (SAEK) und dem Internationalen Bund (IB). Eine ähnliche Kooperation hat bereits im letzten Jahr an gleicher Stelle etwas für die Kinder der unmittelbaren Umgebung angeboten. Der Zuspruch hat zu einer Neuauflage geführt.

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Vater, Mutter und Kinder
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Neuer Partner sind die SAEK. Ihre Standorte in Sachsen erreichen vor allem die Ballungszentren und Großstädte. Daher ist es wichtig, dass auch die „weißen Flecken auf der Karte“ Anschluss finden. So erklärt Johannes Gersten das Konzept des „SAEK mobil“. Mit einem Transporter und allerlei Ausrüstung ist er gemeinsam mit einer Kollegin aus Döbeln angereist. So wird der ländliche Raum erschlossen.

Der Medienpädagoge betont, dass es wichtig sei, „Medienbildung an der Basis“ anzubieten. Die Angebote werden gerne von Vereinen, Schulen, Horten und somit von Kindern und Erwachsenen gleichermaßen angenommen. Ein zurückliegendes Filmprojekt in einem Hoyerswerdaer Hort hat ihn zuletzt in die Stadt geführt. Jetzt ist das Angebot „im Block“, wie er sagt.

Unter dem Titel „Hollywood in Hoyerswerda“ sind Kinder und Eltern eingeladen, herauszufinden, wie ein Kurzfilm entsteht. Auch Flyer in den Briefkästen der Umgebung machten im Vorfeld auf das Ferienangebot aufmerksam. Die Sichtbarkeit im WK VI ist auch ganz bewusst gegeben, denn außer den Film- und Audioaufnahmen findet alles im Freien statt. Ortsunabhängig kann das Material an Laptops geschnitten werden.

Wie viel Arbeit in einem Film steckt

Dass zwei bis drei Minuten Film an mehreren Tagen erarbeitet und produziert werden, erfahren gerade auch die Geschwister Elias und Emily. Bereits am Montag haben die beiden in Begleitung ihrer Mutter einige Stunden auf der Wiese verbracht. Zuerst musste ein Thema, eine Geschichte her. Da fiel den Kindern schnell etwas ein, denn im August wird ein Biewer Shih Tzu – ein Welpe – bei der Familie einziehen. Mutter Mandy Redlich erzählt, dass die Kinder bereits seit zwei Jahren diesen Wunsch hegen und er nun endlich in Erfüllung geht.

Der Film soll sich also mit dem Thema Tierpflege beschäftigen. Da gehört allerlei dazu, wie ein Notizzettel verrät: Spielzeug, Transportbox, Schlafplatz, Futterstelle, Fellpflege, Familienregeln, Leine, Halsband und anderes. Damit beschäftigt sich die Familie zurzeit und kann es nun kreativ verarbeiten. Am Montag wurden Figuren für den Film aufgemalt und ausgeschnitten. Emily zeigt die Einzelteile: Neben allen Familienmitgliedern gibt es natürlich auch schon den Hund Lilly und eine Bürste, ein Kissen, einen Futter- und Wassernapf für das neue Familienmitglied.

Dann wurde die Geschichte mithilfe eines Storyboards festgehalten. Da werden Skizzen der Szenen und beschreibende Sätze zusammengebracht: die Vorlage für den Film. Die Kinder werden dabei unter anderem von Ina Züchner, Mitarbeiterin der KuFa im Bereich Kulturelle Kinder- und Jugendbildung, unterstützt und angeleitet. Es freut sie, dass die Kinder auf das Angebot ansprechen und beinahe eine Einzelbetreuung genießen können. „Ich bin froh darüber, dass wir uns so individuell um die Kinder kümmern können.“

Im Hauseingang 83c steht eine ehemalige Hausmeisterwohnung leer, die die Wohnungsgesellschaft für das Ferienangebot zur Verfügung gestellt hat. Dort ist die Kamera aufgebaut. Sie ist auf einen Tisch gerichtet, der mit einem großen Blatt Papier bedeckt ist. Feine Linien teilen die Fläche und zeigen, was für die Kamera sichtbar ist.

Gestern waren hier Lara und Francis zugegen und haben die Szenen gefilmt. Sie haben am Vortag an ihren Figuren und der Geschichte gearbeitet. Angesprochen und für das Projekt begeistert wurden die beiden Mädchen spontan von Nancy Hauke, die zum Regionalteam Hoyerswerda des IB gehört. Eine kurze Rücksprache mit den Eltern – und sie waren dabei.

Gemeinsam zum Ziel

Während Lara für die Audioaufnahmen zuständig ist und die Geschichte einspricht, legt Francis gemeinsam mit Johannes Gersten parallel die Figuren und Kulissen aus. Er betätigt die Kamera. „Action!“ Und es geht los. Nach kurzer Absprache sind die meisten Szenen nach dem ersten Versuch im Kasten.

Karsten Held, der in der KuFa für Film- und Hörfunkprojekte verantwortlich ist, und ein Junge aus der Nachbarschaft kommen dazu und beobachten die Vorgehensweise. Ob er auch einen Film machen kann, fragt er. Wenige Minuten später sitzt er draußen am Tisch, malt erste Figuren.

Familie Redlich schneidet an diesem Tag ihren Film. Die Tonaufnahmen, Musik und Geräusche kommen hinzu. Ein Rohschnitt wird begutachtet. Ein Fehler muss noch ausgemerzt werden, bevor alle zufrieden sind. Hund Lilly wird liebevoll in der Familie aufgenommen. Bis sie wirklich einzieht, können Elias und Emily ihren Großeltern den Film zeigen.

Film-Camp: noch bis 23. Juli ab 10 Uhr
Spiel-Spaß: 27.-30. Juli ab 10 Uhr auf dem Freigelände

Bereits im letzten Jahr haben die Geschwister Elias und Emily an einem Ferienangebot vor ihrer Haustür teilgenommen.
Bereits im letzten Jahr haben die Geschwister Elias und Emily an einem Ferienangebot vor ihrer Haustür teilgenommen. © Foto: Juliane Mietzsch

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