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Wie es jetzt am Lennéplatz weitergeht

Nach jahrelangen Streitereien gibt es jetzt Baupläne. Die SZ sprach mit einem der Eigentümer. 

Im Winter wirkt die verwilderte Fläche am Lennéplatz noch trister. Nächstes Jahr könnte an dieser Stelle ein neues Wohnquartier gebaut werden.
Im Winter wirkt die verwilderte Fläche am Lennéplatz noch trister. Nächstes Jahr könnte an dieser Stelle ein neues Wohnquartier gebaut werden. © Marion Doering

Wer früher am Lennéplatz residierte, hatte Geld. In einer der vielen Villen lebte Gustav Adolph Struve, Sohn des Mannes, der es schaffte, Mineralwasser künstlich herzustellen. Tafelwasser gibt es bis heute, der Villen-Charme am Lennéplatz ist inzwischen aber verflogen. Die Häuser wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Garagen, eine Tankstelle und Wildwuchs prägen das Quartier zwischen Lennéplatz, Gellertstraße, Wiener Straße und Gerhart-Hauptmann-Straße. Lange soll es dort aber nicht mehr so aussehen. Das haben die Grundstückeigentümer vor.

Werden in dem Quartier am Großen Garten wieder Villen gebaut?

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Villen nicht, aber Wohnhäuser. Insgesamt sechs Blöcke dürfen auf dem Areal gebaut werden – einer davon teilweise bis zu 50 Meter hoch. Das hat der Stadtrat letzte Woche so beschlossen. Das Hochhaus war lange Zeit umstritten. Denn ursprünglich wollten Stadtplaner und Grundstückseigentümer das Hochhaus direkt an der Ecke zum Lennéplatz bauen lassen, und das auf einer Länge von fast 60 Metern. Dies lehnten aber nicht nur die Denkmalpfleger ab, sondern auch Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Grüne). Sie kritisierten, dass die massive Bebauung zu einer irreparablen Beeinträchtigung des Gartendenkmals Bürgerwiese führen würde. Nachdem sich auch die Linken sträubten, gab es einen Kompromiss: Aus dem 15-Geschosser wird eine Kante herausgebrochen und der dadurch entstehende Turm rückt ein Stück weit in das Wohnquartier hinein, sodass die Sicht von der Bürgerwiese aus weniger gestört wird.

Wem gehören die Grundstücke im Quartier überhaupt?

Das Areal ist in zwölf Grundstücke gegliedert und unter drei Eigentümergemeinschaften aufgeteilt. Sie sind überwiegend Nachkommen der einstigen Eigner. Unter ihnen befindet sich die Familie, des im vergangenen Jahr verstorbenen Mäzens Henry H. Arnhold. Er hatte den Wiederaufbau der Frauenkirche und den Bau der Synagoge unterstützt. Die Einteilung der Flächen geht noch auf die gründerzeitliche Grundstücksbildung zurück.

So stellten sich Wuppertaler Architekten das neue Ensemble am Lennéplatz vor. Das Hochhaus ganz hinten wird zwar realisiert, allerdings werden sich die 15 Etagen nicht mehr über die komplette Länge des Gebäudes ziehen. Die Gestaltung der Häuser ist in die
So stellten sich Wuppertaler Architekten das neue Ensemble am Lennéplatz vor. Das Hochhaus ganz hinten wird zwar realisiert, allerdings werden sich die 15 Etagen nicht mehr über die komplette Länge des Gebäudes ziehen. Die Gestaltung der Häuser ist in die © Visualisierung: team51.5°

Das bedeutet, das Quartier könnte sofort bebaut werden?

Der Stadtrat hat zwar Baurecht geschaffen. Eine Baugenehmigung gibt es aber noch nicht. „In den vergangenen fünf Jahren sind wir mit unseren Überlegungen immer wieder zurückgeworfen worden“, sagt Armin-Matthias Schramm, der eine der Eigentümergemeinschaften vertritt, zu den zahlreichen Einwänden. „Nun haben wir einen Kompromiss, über den man streiten kann, der aber für alle eine tragfähige Lösung darstellt und es uns ermöglicht, zügig zu planen.“ Wie das Quartier genau gestaltet werde, darüber müsse in den nächsten Wochen gesprochen werden. Auf jeden Fall sei man noch nicht soweit, einen Bauantrag einzureichen. Bis dahin dürften mindestens noch zwölf Monate vergehen, schätzt er. So wollen die Eigentümer einen Projektentwickler engagieren, der von Anfang bis Ende alles koordiniert. Außerdem geht Schramm davon aus, dass zur Gestaltung der Häuser noch ein Architektenwettbewerb durchgeführt wird.

Wie viele Wohnungen werden gebaut und was kommt in das Hochhaus?

Mal war in der Vergangenheit von rund 500 Wohnungen die Rede, dann wieder von 400. Tatsächlich steht bislang nicht fest, wie viele es konkret werden. „Vielleicht auch nur 200, das kommt auf den Mix drauf an“, sagt Schramm. Also darauf, wie viele Singlewohnungen beziehungsweise Mehrraumwohnungen entstehen und wie groß diese jeweils sein werden. „Da wollen wir schauen, was auf dem Markt gebraucht wird.“ Ob im Turm Wohnungen oder Büros eingerichtet werden, sei eine Frage, die noch geklärt werden müsse. Jedenfalls seien auch Gewerbeflächen in dem Quartier geplant. Ob es bei dem Gesundheitszentrum bleibt, das früher einmal angedacht war, komme auf die Nachfrage an. „Vorstellen kann ich es mir nach wie vor.“

Warum können nicht wieder Villen am Lennéplatz gebaut werden?

Im Gegensatz zum 19. Jahrhundert sorgen die großen Straßen, die das Areal umfließen, heute für viel Lärm, unter welchem die Bewohner freistehender Villen leiden würden, hatte Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) zuletzt betont. Anders sei das im Siegerentwurf für das Gebiet gelöst worden. Die zu den Straßen zugewandten Seiten der Blöcke dürfen bis zu sechs Geschosse hoch werden, sodass kaum Lärm in die begrünten Innenhöfe dringen sollte.

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Vor allem die Höhe der geplanten Gebäude und deren Architektur hatten jahrelang für Streit gesorgt. Seit Anfang der 1990er-Jahre stand ein mögliches Lennéparkzentrum zur Debatte, das den Grundstücksbesitzern vorschwebte. Für 400 Millionen Mark sollten auf der Brachfläche Hotel, Büros, Wohnungen, Läden und Arbeitsplätze für bis zu 2 500 Menschen entstehen, einen Großteil der Kosten hätte VW übernommen. Doch besonders ein geplanter Büroturm von 90 Meter Höhe stieß auf Protest. Nach mehrfachen Debatten und über 30 Änderungswünschen hatte die Stadt zwar einen Bebauungsplan beschlossen. Inzwischen waren viele der möglichen Nutzer aber abgesprungen. Erst 2013 wagten Stadt und Grundstückseigentümer einen neuen Anlauf und starteten ein Werkstattverfahren, an dem sich mehrere Architekten mit ihren Entwürfen beteiligten. (mit SZ/hoe)