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Niesky

Wie junge Leute erwachsen werden

Drei Rituale werden jedes Jahr gefeiert. Ungebrochen ist der Zulauf bei der Jugendweihe. Aber nicht jeder feiert.

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Symbolbild ©  dpa

Wir sind dieses Jahr eine überschaubare Gruppe, sagt Lukas Jäkel. Er gehört mit zu den sechs Konfirmanden, die am 26. Mai in Nieder Seifersdorf bei einem Gottesdienst ihre Konfirmation bekommen. In den anderen Kirchgemeinden sehen die Zahlen nicht viel anders aus. So wurden in der Trinitatisgemeinde in Niesky/See am vergangenen Sonntag sieben Jugendliche eingesegnet. In Horka werden es zehn sein, die die Konfirmation erhalten.

In diesen Wochen werden mehr als 40 Jugendliche der Region ihre Konfirmation feiern, sagt der Nieskyer Pfarrer Janis Kriegel. Dass die Anzahl in diesem Jahr geringer ausfällt, ist den geburtenschwachen Jahrgängen 2004 und 2005 geschuldet.

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Weniger Konfirmanden

Das kann sich im kommenden Jahr wieder ändern, sagt Pfarrer Helmut-Andreas Spengler von der Kirchgemeinde Diehsa-Jänkendorf-Ullersdorf. Seit den 1990er Jahren hat der Jänkendorfer den Konfirmandenunterricht in seinem Bereich übernommen. „In diesem Jahr haben wir nur sechs junge Leute, im nächsten Jahr werden es aber rund 20 sein, die sich konfirmieren lassen wollen“, berichtet er. Wöchentlich haben die Konfirmanden eine Stunde Unterricht bei ihm – und dieser erstreckt sich über drei Jahre. Das erworbene Wissen über Kirche, Evangelium und Bibel wird am Ende als mündliche Prüfung abgefragt.

Anschließend bestätigen die Konfirmanden in einem Gottesdienst die Entscheidung der Taufe und bekommen den Segen Gottes zugesprochen. „Sie erlangen damit in der Evangelischen Kirche die Mündigkeit, können fortan kirchliche Leitungsgremien wählen, das Abendmahl feiern oder das Patenamt bei Taufen übernehmen“, erklärt Pfarrer Kriegel. Das macht auch für Lukas Jäkel den Reiz einer Konfirmation aus. „Anschließend kann man Verantwortung übernehmen“, betont er.

Ein Fest für die Familie

Für die Teilnehmer an der Jugendweihe ist es die Feierstunde, die ihnen wichtig ist. Denn in ihr werden sie in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen. Auch wenn dieser Schritt an keine Rechte und Pflichten gebunden ist – und das Erwachsensein vor dem Gesetz erst mit 18 Jahren möglich wird. Dennoch ist der Zulauf auf die Jugendweihe ungebrochen. Das bestätigt Rolf Liebig vom Regionalbüro Görlitz des Sächsischen Verbandes für Jugendarbeit und Jugendweihen. „In diesem Jahr haben wir wieder über 700 Teilnehmer und richten 22 Jugendweihefeiern im Landkreis Görlitz aus.“ Allein ist dieses Pensum nicht zu schaffen. Deshalb ist Rolf Liebig über die Jugendgruppe froh, die jetzt acht Mitglieder hat. Leiterin ist Celine Schulze. „Ich bin seit 2016 dabei und über die eigene Jugendweihe dazugekommen. Ich finde die Arbeit mit Jugendlichen interessant und sie macht mir Spaß“, erzählt die junge Frau aus Friedersdorf.

In Vorbereitung auf die Feier bietet der Verein, im Herbst beginnend, verschiedene Veranstaltungen für die Teilnehmer an. „Neben Klassikern wie dem Besuch einer Gerichtsverhandlung und dem Knigge-Kurs zum guten Benehmen am Tisch waren in diesem Jugendweihejahr auch die Höhlentour in der Sächsischen Schweiz und die ,Lange Nacht der Projekte‘ beliebt und gut besucht“, berichtet Liebig. Die Teilnehmer konnten aus verschiedensten Veranstaltungen in den Themenbereichen Geschichte kennen, Demokratie erleben, Vorbereitung auf das Leben, Freizeit sinnvoll gestalten und Reisen bildet auswählen.

Die Resonanz auf die Veranstaltungen fällt unterschiedlich aus. Oft ist es eine Frage des Geldes, ob Eltern ihren Schützlingen den Ausflug oder die Fahrt gönnen. Denn neben dem Vermitteln von Wissen und Einblicke in die Politik hat der Spaß genauso seine Berechtigung – zum Beispiel bei einer Fahrt ins Tropical Island.

Bereits jetzt laufen die Anmeldungen für das Jugendweihejahr 2020, berichtet Rolf Liebig. Der Auftakt für alle Teilnehmer wird ein Camp in der Dahlener Heide sein, das zu Pfingsten stattfindet. Ab September wird es die regulären Veranstaltungen bis ins Frühjahr wieder geben.

Kommunion nur aller zwei Jahre

In der Katholische Gemeinde „Sankt Josef“ in Niesky, zu der auch Rothenburg gehört, finden dieses Jahr keine Feiern zur Kommunion statt. Pfarrer Krystian Burczek kennt die Gründe.: „Es sind zu wenige Teilnehmer, um jedes Jahr eine Kommunion durchführen zu können. Deshalb setzen wir immer ein Jahr aus und nehmen im Folgejahr die Jugendlichen aus zwei Jahren zusammen“, erklärt der Pfarrer. Die nächste Kommunion findet demnach im Frühjahr 2020 statt.

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Was macht bei der Kommunion der Unterschied zur Konfirmation aus? Zunächst handelt es sich bei beiden Festen um religiöse Initiationsriten, mit denen Kinder und Jugendliche als vollwertige Christen in die christliche Gemeinschaft aufgenommen werden. Der größte Unterschied ist: Die Kommunion ist das zweite christliche Sakrament nach der Taufe bei den Katholiken, die Konfirmation das Fest zur Einführung in die christliche Erwachsenenwelt bei den Protestanten. Zudem begehen die Kommunion junge Katholiken in der Regel bereits mit neun Jahren. Die Konfirmation dagegen wird in der evangelischen Kirche erst mit 14 Jahren gefeiert. Somit beginnt das religiöse Erwachsensein bei den Katholiken wesentlich früher.

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