merken
PLUS

Großenhain

Wie Kirchenglocken

Bei einer Klangmassage im Lotusraum gerät der ganze Körper in Schwingung – eine Selbsterfahrung mit Folgen.

Kerstin Lorbeer gibt hier Leticia eine Klangmassage.
Kerstin Lorbeer gibt hier Leticia eine Klangmassage. ©  Kristin Richter

Großenhain. Der Klangraum in Kerstin Lorbeers Wohlfühlzentrum „Lotusraum“ am Neumarkt ist geschaffen für Entspannung. Große weiße Stoffbahnen verhüllen die Zimmerdecke, unter der die Massage-Liege steht. Ein indischer Teppich hängt an der Wand, die Lampe scheint orientalisch, ein Diffuser versprüht angenehmen Duft. 

Ich will mir eine Klangmassage gönnen – ein neues Angebot des Lotusraum – ohne zu wissen, was mich dabei erwartet. Ich liege bekleidet auf dem Bauch, eine Decke umhüllt mich, als mir Kerstin Lorbeer die erste Klangschale auf die Fußsohlen stellt. Mit einem Fellschlegel schlägt sie die handtellergroße Messingschale an – und schon spüre ich, wie sich der Klang wellenförmig in meinen Beinen ausbreitet. Es ist ein angenehmes Gefühl, den Klang nehme ich als harmonisch wahr. 

Anzeige
Werbekampagne soll Busfahrern helfen

Barrierefreie Bahnsteige, Wendemöglichkeit für Busse und viel Grünfläche am Endhaltepunkt Leutewitz - diese Infos gibt es im neuen DVB Einsteiger.

Nach mehreren Anschlägen stellt Kerstin Lorbeer eine größere Schale auf meinen Rücken. Sie hat einen hörbar tieferen Klang. Wieder breiten sich die Wellen in meinem Körper aus, es beginnt leicht zu kribbeln, die Vibration der Klangschalen versetzt mich in innere Ruhe und Gelassenheit. Mehr und mehr gelingt es mir, meine Gedanken herunterzufahren.

Wellen breiten sich aus

Als neben der tiefen Klangschale auf dem Rücken eine scheinbar kleinere auf meinen Steißbereich gesetzt wird, erlebe ich eine Überraschung: Die Schalen werden im Wechsel angeschlagen, und es ist, als ob Kirchenglocken läuten. Die Klänge erzeugen eine kleine Terz, wie aufeinander abgestimmte Glockenschläge. Dingdong, Dingdong. Ich bin verblüfft und gebe mich den Schwingungen hin. Das wird schon seine Wirkung haben, bin ich mir sicher.

Kerstin Lorbeer hat ihre Klangschalenausbildung bei Peter Hess gemacht. „Er ist der Pionier der Klangmassage“, sagt sie. Hess habe die Wirkung in den 1968er Jahren in Indien entdeckt, als er dort mit Metallschalen als Kochgeschirr in Berührung kam. Der Physiker entwickelte die Methode weiter, die heute auch therapeutisch eingesetzt wird. „In Krankenhäusern, bei Ärzten, Physiotherapeuten, Psychotherapeuten, in Kureinrichtungen haben Klangschalen Einzug gehalten und tragen zur Heilung bei“, weiß Kerstin Lorbeer. In Uebigau arbeitet auch Musiktherapeutin Cindy Thieme damit. Im Lotusraum wird die Klangmassage allerdings nur zur Wellness angewendet. „Ich bin keine Therapeutin“, unterstreicht Kerstin Lorbeer.

Mittlerweile habe ich mich auf den Rücken gedreht, jetzt werden Schalen auf meinem Bauch und Becken angeklungen, danach auch auf meinen Handflächen. Mein Körper reagiert auf die sanften Vibrationen über die Haut, das Gewebe, die Organe, die Körperflüssigkeiten und Körperhohlräume. Ich merke das, indem mein Bauch anfängt zu gluckern. Er ist in Bewegung! Die feinen Schwingungsimpulse sollen sanft muskuläre Verspannungen und Verklebungen im Bindegewebe lösen und die Durchblutung und den Lymphfluss anregen.

Welche Vitalisierung ich in dieser Stunde erlebt habe, erkenne ich staunend bei einem Blick in den Spiegel: Mein Gesicht ist total entspannt, ich wirke selig. Das sollen also auch Kirchenglocken bewirken.

Die Klangmassage kostet 50 Euro, beim zweiten Mal 45 Euro, und ist im Lotusraum auch als Gutschein zu haben – zum Verschenken zum Muttertag zum Beispiel.