merken
PLUS

Leben und Stil

Wie Sachsens Biggest Loser 100 Kilo verlor

Show-Gewinner Mario Pohl verrät, wie er in kurzer Zeit so viel abnahm und ob er jetzt sein Gewicht hält. Teil 3 der SZ-Diätserie.

Mario Pohl aus Jeßnitz hat in der TV-Show Unglaubliches geschafft. Die Säulen des Abnehm-Programms sind Disziplin, Sport und maßvolle Ernährung.
Mario Pohl aus Jeßnitz hat in der TV-Show Unglaubliches geschafft. Die Säulen des Abnehm-Programms sind Disziplin, Sport und maßvolle Ernährung. © Sat.1/Guido Engels

Mario Pohl aus Jeßnitz in Mittelsachsen hat sich selbst halbiert. Als Gewinner bei der Abnehmshow „The Biggest Loser“ schaffte er die höchste jemals registrierte Gewichtsabnahme: minus 101,4 Kilogramm. Zum Start wog der knapp zwei Meter große Familienvater 196,1 Kilo. Doch nicht genug der Superlative: Auch die beste Wochenbilanz ging auf sein Konto. Innerhalb der ersten sieben Tage verlor er fast 18 Kilogramm. Wie ist das möglich?

„In der ersten Woche habe ich sehr viel Wasser abgebaut. Hinzu kam der Stress des völlig neuen Lebens im Camp. Wir begannen auch sofort mit dem Sport“, sagt Mario Pohl. „Grund für die hohen Gewichtsabnahmen ist in erster Linie die Motivation im Camp. Viele Teilnehmer bezeichneten es selbst als ihre letzte Chance“, sagt Ramin Abtin. Er ist einer der Trainer im Team, ausgebildeter Sportlehrer und Sporttherapeut. „Die Männer und Frauen gefallen sich selbst nicht mehr. Ihre Gesundheit und ihre Psyche haben durch das Übergewicht gelitten.“ Die meisten hätten auch schon Mobbingerfahrungen gemacht. „Das steckt man nicht so einfach weg.“ Ansporn sei auch das harte Auswahlverfahren: Aus Tausenden Bewerbern schaffen es nur 18 in die Show.

Anzeige
Der perfekte Ort für (D)eine Ausbildung!

Das Autohaus Dresden bildet sowohl kaufmännisch als auch handwerklich aus - und kümmert sich im besonderen Maße um seine Schützlinge.

Sechs bis sieben Liter Cola pro Tag

Mario Pohl wurde beim ersten Mal abgelehnt. Als er Anfang 2018 einen sehr guten Freund verlor, habe er es wieder versucht und als Begründung geschrieben, dass er länger leben und seine Kinder noch aufwachsen sehen möchte. Bei seinem damaligen Gewicht war das nämlich nicht so sicher. „Das hat offenbar gewirkt“, sagt er. „Ich habe auch ein kleines Bewerbungsvideo gedreht.“

Bereits im Auswahlcamp in München standen neben Gesprächen auch Kraftsport- und Konditionseinheiten auf dem Plan. „Dabei ging es weniger um Höchstleistung. Die Trainer wollten sehen, ob man bereit ist, sich zu quälen oder ob man gleich wieder aufgibt“, so der „The Biggest Loser“- Gewinner.

Die Teilnehmer wurden umfassend ärztlich untersucht. „Zwar konnten manche Kandidaten nicht mitmachen“, so Trainer Abtin. Doch grundsätzlich sei es nicht gesundheitsschädlich, so viel Gewicht in vergleichsweise kurzer Zeit abzunehmen. „Es ist viel schlimmer, jahrelang ein hohes Übergewicht mit sich herumzuschleppen.“ Nach zwei Wochen Camp hätten viele bereits ihre Blutdruck- und Blutfettmedikamente reduzieren können, nach vier Wochen brauchten die meisten gar nichts mehr davon. „Die drei Säulen, auf denen unser Programm steht, heißen: Disziplin, Sport und maßvolle Ernährung – unspektakulär, aber eben sehr erfolgreich.“ Die Ernährung sei bei den meisten die größte Baustelle. „Nehmen wir nur die Getränke. Manche trinken sechs bis sieben Liter Cola oder Softdrinks am Tag.“ Hinzu kämen die Portionsgrößen. Mancher wüsste gar nicht mehr, welche Mengen normal sind.

Zwischen den beiden Fotos von Mario Pohl aus Jeßnitz liegen sechs Monate und mehr als 100 Kilogramm. 
Zwischen den beiden Fotos von Mario Pohl aus Jeßnitz liegen sechs Monate und mehr als 100 Kilogramm.  © SAT.1/Benedikt Müller/Willi Weber

Auch Mario Pohl hatte dort Schwächen. Mehr als einen Liter süße Getränke habe er früher täglich konsumiert. „Ich war auch der Koch in der Familie. Wenn es geschmeckt hat, wurde der Teller eben noch mal nachgefüllt. Trotzdem hatte ich immer schnell wieder Hunger. Der Körper hat sich einfach an die Mengen gewöhnt.“ Wenn gegrillt wurde, gab es für ihn vier bis fünf handgroße Schweinesteaks. „100 Gramm Schweinefleisch haben 350 Kilokalorien, Geflügel nur 100. Das ist schon ein gewaltiger Unterschied.“ Auch bei Nudeln kannte er früher kein Maß. „Wir haben oft abends Nudeln gegessen, auch gern mit viel Käse. Da blieb es meist nicht bei einer Portion. Ich weiß genau, was ich alles falsch gemacht habe, wusste es eigentlich schon immer. Aber der innere Schweinehund hat mich behindert, etwas zu verändern.“

Im Camp habe er gelernt, nur so viel Nahrung aufzunehmen, wie der Körper zum Funktionieren braucht. Das Essen mussten sie sich selbst zusammenstellen und zubereiten. „Es gab immer eine Auswahl an Früchten, Vollkornbrot, Gemüse und Vollkornnudeln. Getrunken wurde viel Wasser und ungesüßter Tee, denn bei 40 Grad in Andalusien und sechs bis sieben Stunden Training am Tag war der Flüssigkeitsverlust entsprechend hoch.

„Wichtig war, dass die Teilnehmer umdenken. Essen ist nicht Trost oder Beschäftigung, sondern Mittel zum Zweck. Es soll die nötige Energie für das Sportprogramm liefern, mehr nicht“, sagt Ramin Abtin. Ein wichtiger Schritt sei es, zu verstehen, dass man nicht alles essen kann, worauf man gerade Bock hat.

7.000 Kalorien sind ein Kilo Fett

Der Tag im Camp begann und endete mit Sport – kurze intensive Einheiten oder längere Trainings mit geringerer Intensität. „An Drehtagen war immer Stress. Dazwischen gab es morgens und abends ein angeleitetes Training, zwischendurch haben wir selbstständig Sport gemacht, entweder allein oder im Team.“ Für Mario Pohl war auch entscheidend, dass er sich nur auf sich konzentrieren konnte. Zu Hause wäre dieses Programm für den selbstständigen Montageunternehmer unmöglich gewesen. „Doch der fehlende Kontakt zur Familie und zu Freunden zu Hause war schon sehr schwer. Es gab kein Handy, kein Tablet, nichts.“

Als die Kilos bei Mario Pohl purzelten, war er regelrecht besessen. „Ich hatte eine Pulsuhr, mit der ich die durch Sport verbrauchten Kalorien messen konnte. So habe ich versucht, pro Tag 5.000 bis 6.000 Kilokalorien zu verbrennen und nur wenig zuzuführen. 7.000 Kalorien sind ein Kilo Fett.“ Zum Schluss habe er dann nur noch wenige Kilokalorien pro Tag gegessen und beinahe gefastet. Grüne Gurke sei sein Magenfüller gewesen. Außerdem aß er viel Sauerkraut, um die Verdauung auf Trab zu halten. „Die Gewichtsabnahme war dann auch nur noch Wettkampf“, sagt er. Zum Finale habe er sich schlapp und wie eine Trockenpflaume gefühlt. „Ich wusste, dass das nicht so bleiben kann.“

Schweinefleisch ist tabu

Zu Hause habe er begonnen, sich langsam wieder ordentlich zu ernähren. „In einer Woche nahm ich wieder zehn Kilo zu.“ Mit seinen 110 bis 120 Kilogramm fühlt er sich jetzt sehr leistungsfähig und gesund. Schweinefleisch und Softdrinks sind tabu. „Ich habe gelernt, wie gut Grillgemüse schmeckt. Als Familienkoch habe ich schon viele verschiedene Varianten ausprobiert“, so Mario Pohl. Fleisch gebe es in Form von Geflügel, auch mal anderthalb Kartoffeln zum Mittag. „Ich gönne mir auch mal ein Stück Kuchen, brauche dann am Abend aber nur noch einen kleinen Salat.“ 

Mit seiner Frau geht er nun mehrmals pro Woche laufen, zusätzlich ins Fitnessstudio. „Doch ich weiß, dass die Gefahr des Rückfalls in alte Muster wie bei trockenen Alkoholikern besteht. Eiserne Disziplin wird also auch mein weiteres Leben bestimmen.“ Heute, fast ein Jahr später, trifft er sich immer noch mit einigen Mitstreitern vom Camp. Sie seien alle genauso gut drauf und hätten eine gute Gewichtsbilanz.

„Wir stellen bei den Teilnehmern am Ende der Challenge eine richtige Wesensveränderung fest. Sie sind selbstbewusster und willensstark“, sagt Ramin Abtin. „Es ist sehr schön, zu sehen, wie sie sich verändern und in ein neues Leben starten. Eine große Belohnung für den Coach.“

Die neue Staffel der Show „The Biggest Loser“ ist am 5. Januar auf SAT.1 gestartet. Von insgesamt 3.500 Bewerbern kämpfen 18 wie Mario Pohl auf der griechischen Insel Naxos darum, wer am meisten Gewicht verliert. Sendetermin ist immer sonntags 17.30 Uhr.

Die nächsten Teile der Serie:

  • Teil 4, 11. Januar:
    Sind die Hormone schuld am Übergewicht? Eine Ernährungsprofessorin klärt auf.

  • Teil 5, 15. Januar:
    Wie die Industrie uns zum maßlosen Essen verführt. Neues über Zusatzstoffe in der Nahrung.

  • Teil 6, 18. Januar:
    40 Kilo weniger – ohne Brot und Milch. Eine Chemnitzerin über ihr Erfolgsrezept.

  • Teil 7, 21. Januar:
    Wie das richtige Muskeltraining schlank macht. Ein Sportwissenschaftler aus Zwickau hat es erforscht.

  • Teil 8, 25. Januar:
    Was taugt die Hirschhausen-App zum Intervallfasten? Ein Selbsttest.

  • Teil 9, 29. Januar:
    Wie kann ich mein Gewicht auf Dauer halten? 

Bisher erschienene Teile:

Weiterführende Artikel

Symbolbild verwandter Artikel

„Ich bin mehr als eine Kleidergröße“

Jeder vierte fühlt sich wegen seines Körpers diskriminiert. Auch Tanja Marfo, Kleidergröße 54. Wie sie anderen zu einem positiven Selbstbild verhelfen will.

Symbolbild verwandter Artikel

Abnehmkönig hält die Figur

Mario Pohl ist auch nach seinem Erfolg bei „The Biggest Loser“ er selbst geblieben. Seit Kurzem hat er eine neue Aufgabe.

Symbolbild verwandter Artikel

Der Mann, der sich selbst halbierte 

Nur Socken und Schuhe passen noch: Mario Pohl hat bei einer TV-Abnehmshow sein Gewicht nahezu halbiert. Das Wichtigste ist für ihn nicht das Preisgeld.