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Ist der Service am Berzdorfer See schlecht?

Ein tschechischer Gastronom ist enttäuscht von dem, was der Berzdorfer See zu bieten hat. Am Kristýna-See sei man da viel weiter. Ein Vergleich von Riese und Zwerg.

© Bernd Gärtner (Archiv)

Stanislav Dlouhý ist von seinem Besuch am Berzdorfer See enttäuscht nach Hause zurückgekehrt. Der Tscheche beteibt die Bar Panorama am Kristýna-See, nicht weit von der Zittauer Grenze entfernt.  Es wollte sich von den deutschen Nachbarn inspirieren lassen. Immerhin ist der See auf der deutschen Seite ein Riese im Vergleich zum tschechischen Pendant unweit von Hradek nad Nisou (Grottau). „Die zwei grundlegenden Dinge – Essen und Toiletten – fungieren nicht richtig“, zieht er nach seinem Besuch persönliche Bilanz und sagt selbstbewusst: "Bei einem Vergleich sind wir vorn."

Was er damit meint, zählt Dlouhý rasch auf: Rings um die Kristýna, wie die Tschechen sagen, befinden sich direkt am Strand drei Restaurants mit reichem Angebot. Die Speisekarte der Gaststätte "Am Süden" hat beispielsweise vier Seiten. Von vegetarischen oder süßen Speisen, über Fische, klassische böhmische Küche bis zum Kindermenü ist alles dabei. Die Preise sind - wie in anderen Restaurants im Nachbarland auch - unschlagbar günstig und liegen zwischen drei und zehn Euro. Gleich am Rande des Strandes sind vier weitere Bars und Imbissstände entstanden - jeweils mit eigener Terrasse. Dort kann man verschiedene Kaffee- oder Biersorten testen oder auch den Hunger schnell befriedigen. Insgesamt könne man am See 20 Biersorten finden, werben die Betreiber stolz.

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Da kann das Angebot am Berzdorfer See flächendeckend bislang kaum mithalten - wobei der Vergleich ohnehin beträchtlich hinkt: Die Rahmenbedingungen sind andere. "Der Berzdorfer See ist in seiner Entwicklung noch lange nicht abgeschlossen, es gibt noch so viele Unklarheiten", ordnet die Seebeauftragte der Europastadt Görlitz/Zgorzelec GmbH, Katharina Poplawski, ein. Allerdings habe man durchaus - mit dem Hotel Insel der Sinne und dem Gut am See in Tauchritz - gehobene Gastronomie vor Ort, betont sie. "Es kommt auch immer auf die landestypische Erwartungshaltung an", betont Frau Poplawski, die mit den Mentalitäten und Wünschen in den beiden Nachbarländern durchaus vertraut ist.

Während am Kristýna-See fast 70 Prozent deutsche Gäste das Bild bestimmen, geht man am Berzdorfer See davon aus, dass die drei Nachbarländer jeweils zu etwa einem Drittel vertreten sind. Dabei fallen tschechische Gäste vor allem dadurch aus, dass sie eher Sport treiben: Sie nutzten gern die mit EU Mitteln ausgebaute Infrastruktur der Lausitzer Seelandschaft. Die Entfernung stört sie dabei nicht. Viele kommen mit dem Rad, mit Paddelbord oder zum Surfen. Bei Polen und Deutschen dominiert neben den sportlichen Interessen die Suche nach Gemütlichkeit und Entspannung.

Die Imbiss-Betreiber versuchen sich auf die trinationalen Wünsche einzustellen. "Wir haben immer das klassische Angebot von Pommes bis Currywurst, dazu aber auch eine Tageskarte", erklärt Annett Schilling, die das kleine Restaurant in der Blauen Lagune leitet. Auf dieser Tageskarte stünden oft mediterrane Gerichte, Kombinationen mit Nudeln beispielsweise. "Das wird gut angenommen", sagt sie. Mit Schnitzel, Kartoffeln und Sauerkraut habe man einen Versuch gewagt, aber das sei einfach nicht gefragt gewesen, bestätigt sie. Auch in Tschechien entspreche das Angebot durchaus der Nachfrage: „Die reicheren Deutschen reisen in Fernländer. Zur Kristýna kommt die Mittelklasse sowie Leute mit Arbeitslosengeld“, schrieb in der Facebook-Diskussion über den Vergleich der Seen Vladimír Radník.

So sieht der Sommer am Kristýna-See bei Hradek nad Nisou aus.
So sieht der Sommer am Kristýna-See bei Hradek nad Nisou aus. © Stanislav Dlouhý

Dass der Kristýna-See einen bedeutenden Vorsprung hat, wird bei einem Blick in die Geschichte klar: Das Erholungsgebiet Kristýna mit dem gleichnamigen See entstand nach dem Abbau von Lignit - also jüngerer, minderwertiger Braunkohle. 1972 wurde die Förderung im Tagebau eingestellt und in den Folgejahren die Grube geflutet. Das Erholungsgebiet mit Stränden, Campingplatz und Restaurants entstand ab Ende der 1970er Jahre, also über 30 Jahre früher als der Berzdorfer See, der im Tourismus in vielem noch in den Anfängen steckt. Die Tschechen haben in den Jahren ein umfangreiches Angebot entwickelt: Es gibt einen Fahrrad- und Roller-, oder Inlineskate-Verleih sowie einen Hochseilgarten. Für Wassersportler steht ein Bootsverleih zur Verfügung – die Neiße kann von Machnín bis nach Ostritz mit dem Kanu befahren werden. Der Radweg führt zum Damm und den Forellenfluss Neiße entlang. Auf ihre Kosten kommen auch Angler, Volleyball- oder Tennis-Fans.

Der Service - beispielsweise die Sanitäranlagen - sind in Tschechien mit den Angeboten mitgewachsen: „Wir haben drei große Sanitärgebäude mit frei zugänglichen und sauberen Toiletten. Beim Görlitzer Strand musste man sich den Schlüssel beim Imbisstand holen und noch dafür zahlen, sogar eine Kaution“, beschrieb Dlouhý seine private Inspektion am "Görlitzer Strand", wie er sagt. So ganz repräsentativ ist dies aber nicht: In der Blauen Lagune stehen die Toiletten tagsüber kostenlos den Gästen offen. Die Toiletten im Hafencafé und auch am Strand bei Hagenwerder funktionierten per Münzeinwurf. Höchstens am Nordstrand könne der Gang aufs Örtchen noch mit dem Holen eines Schlüssels verbunden sein, analysiert Frau Poplawski. Dass eine Kaution für den Schlüssel verlangt werde - vor allem dann, wenn es ausländische Gäste sind - hat die Seebeauftragte so noch nicht gehört, betont sie. "Vielleicht gab es da auch ein Missverständnis", sagt sie.

Klar ist hingegen, dass manche Entwicklungen am Kristýna-See einfacher voranzutreiben waren als am Berzdorfer See: Die Anlage gehört der Stadt Hrádek, die alle Gewinne wieder in das Sommerareal reinvestiert. Am Berzdorfer See ist auch das ungleich komplizierter, weil hier verschiedene Partner vor allem auch in der Vergangenheit nicht immer an einem Strang gezogen haben. Das ist freilich am Kristýna-See mit einer Wasserfläche von ungefähr 14 Hektar und einer Tiefe 28 von Metern eine andere Hausnummer als am Berzdorfer See, der 960 Hektar groß ist und bis zu 72 Metern tief ist.

Für Gastronom Stanislav Dlouhý ist indessen klar, wer der Favorit unter den Seen ist. Momentan zumindest. Interesse seiner Landsleute und auch der polnischen Gäste für den Berzdorfer See ist aber nach wie vor vorhanden. Zudem gebe es auch Nachfragen von Investoren aus den Nachbarländern: "Das Interesse ist da, aber es ist eben noch vieles zu klären", sagt Katharina Poplawski.

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