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Wie weiter mit der Lausitzhalle?

Frage an die fünf OB-Kandidaten: Ist die Lausitzhalle als zentraler Veranstaltungsort zu erhalten und wenn ja, wie?

Im Januar 2018 wurde für „Wiedersehen macht Freude“ geworben. Welchen Weg soll die Lausitzhalle künftig beschreiten?
Im Januar 2018 wurde für „Wiedersehen macht Freude“ geworben. Welchen Weg soll die Lausitzhalle künftig beschreiten? © Archivfoto: Uwe Schulz

Hoyerswerda. Geschenk an die Stadt, Prachtstück, Last, Verpflichtung, Chance, Alleinstellungsmerkmal, stadtbildprägend – die Lausitzhalle, als Haus der Berg- und Energiearbeiter vor 36 Jahren eingeweiht, ist so vieles. Doch seit Monaten steht der Koloss ungenutzt in der Stadt. Coronabedingt, also unverschuldet geschlossen wie so viele Veranstaltungsstätten in diesem Land, ja weltweit. Die Oper in Sydney hat genauso geschlossen wie der Dresdener Kulturpalast oder die Carnegie Hall in New York. 

Der Vorteil hierzulande ist: Es gibt Kurzarbeitergeld. Doch während einige international renommierte Häuser als auch die kleinere Kulturfabrik in Hoyerswerda in irgendeiner Form die kulturelle Fahne hochhalten, ist es um die Lausitzhalle totenstill geworden. Eine Buchvorstellung, Abschlussfeiern, eine Gesprächsrunde zur Landesgartenschau – alles Initiale von außen.

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Morgen will die Geschäftsführung in einem Pressegespräch darstellen, wie es jetzt weitergeht. Immerhin werden gerade die noch original von 1984 stammenden Künstlersanitärräume runderneuert. Doch es nehmen die Diskussionen zu, was denn insgesamt mit der Lausitzhalle werden soll, mit ihrer in Vor-Corona-Zeiten schwierigen Größe mit über 800 Sitzplätzen. Für viele (teure) Künstler zu klein, für andere einfach zu groß. Dazu die schwindende Einwohnerzahl. Nicht nur in der Stadt, sondern auch in der Region. Dass so ein Haus keine schwarzen Zahlen schreiben kann, ist klar. Also hatte es die Stadt vor etlichen Jahren in die Städtischen Wirtschaftsbetriebe (SWH) integriert, war der große Bürotrakt zum Domizil von Volkshochschule und Musikschule geworden. Geschäftsführer Sven Tietze hatte vor sieben, acht Jahren versucht, die Lausitzhalle überregional zu platzieren, gar das Seenlandfestival organisiert. Es wurde ein finanzielles Fiasko. Die folgende Geschäftsführung unter Dirk Rolka hatte logischerweise den Auftrag, wirtschaftlich zu agieren.

Die SWH investieren in das Gebäude, um laufende Kosten zu senken, Auflagen zu erfüllen. Es kamen die Bewirtschaftung völlig anderer Räume/Säle, wie des Bowlingcenter-Saals und des Sparkassen-Saals dazu. Aber auch die Durchführung des Weihnachtsmarktes und des Stadtfestes wurden bei der GmbH angedockt. Eigenproduktionen sind auf ein absolutes Minimum zurückgefahren worden. Veranstalter können die Lausitzhalle mieten. Läuft der Vorverkauf schlecht, werden die Veranstaltungen abgesagt. Kritiker meinen, dass die Halle kein Profil mehr hat, es kein sichtbares Interesse an Kultur gibt. Da die Halle mit ihrer Rechtsform zwar ein wirtschaftliches Unternehmen, aber dennoch eine hundertprozentige städtische Tochter ist, sollte die Lausitzhalle und ihre künftige Ausrichtung auch Thema für das künftige Stadtoberhaupt sein.

Die Hoyerswerdaer Oberbürgermeister-Wahl findet am 6. September statt, ein möglicher zweiter Wahlgang am 20. September. TAGEBLATT hat allen fünf Kandidaten Fragen zu insgesamt fünf Themenkomplexen gestellt. 

Dorit Baumeister, parteilos, mit Unterstützung Grüne, Linke, Aktives Hoyerswerda:

Natürlich ist die Lausitzhalle als zentraler Veranstaltungsort für die Stadt und die Region zu erhalten. Die Einbindung in den Stadtwerke-Verbund soll weitergeführt werden. Solche Beispiele wie die Kündigung der Theater- und Ballett-Anrechte oder die aktuell fehlende Suche nach alternativen Formaten unter Corona-Bedingungen zeigen, dass es eines klaren kulturpolitischen Auftrags durch die Kommune bedarf. Hierzu werde ich mit den Geschäftsführern des SWH und der Lausitzhalle sowie den Stadträten das Gespräch suchen. Ziel muss es sein, den Erfolg der Halle nicht nur an den Zahlen zu messen, sondern die kulturelle Daseinsvorsorge zu sichern. Die Gastspiele der Theater und Orchester im Kulturraum, die Auftritte unseres Sinfonischen Orchesters sowie der Vereine gehören dauerhaft ins Programm, ebenso wie Veranstaltungen für Schüler. Darüber hinaus braucht es ein inhaltlich weiterentwickeltes, natürlich auch betriebswirtschaftlich versiertes Zukunftskonzept, welches den Wert der Lausitzhalle als Maßstab in sich trägt.

Claudia Florian, CDU

Mit der Kreisfreiheit entschied sich Hoyerswerda dafür, die Lausitzhalle zu erhalten. Diese Sichtweise teile ich auch heute noch. Ziel muss es sein, die Lausitzhalle, die für viele Bürger mehr als nur ein Veranstaltungsort ist und eng mit der Geschichte unserer Stadt verwoben ist, unbedingt zu erhalten. Um dies zu erreichen, sind verschiedene Wege denkbar. Möglich wäre eine stadteigene Kultur GmbH, in der durch Synergien mit anderen Kulturgebäuden gemeinsame Vermarktung und eine strategische Ausrichtung des Angebotes an Kundengruppen erfolgen können. Eine Stadt von Hoyerswerdas Größe könnte dabei einen weiteren Schritt hin zu einer vorausdenkenden Kulturstadt machen. Letztendlich muss dieser Ansatz jedoch von den beteiligten Protagonisten mitgetragen werden. Andernfalls ist auch die Stärkung des SWH-Verbundes und damit auch der Lausitzhalle naheliegend. Hier muss die Stadt prüfen, inwieweit man neue Geschäftsfelder erschließen kann, um den Umsatz des SWH-Verbundes zu steigern. Ein Umstand, von dem die Lausitzhalle und letztendlich alle Mitglieder des Verbundes profitieren würden.

Marco Gbureck, AfD

Dass ich für unsere Kultur einstehe, erwähnte ich schon. Und so ist es nicht nur die sorbische Sprache, sondern auch dieses Kulturdenkmal, welches den Berg- und Energiearbeitern gewidmet wurde. Es sind die Berg- und Energiearbeiter, die aus Hoyerswerda eine aufstrebende Stadt gemacht haben. Und so spielt auch hier die Vermarktung des Gebäudes und dessen Angebote eine große Rolle. Der Geschäftsführer eines solchen Unternehmens soll das Geschäft führen, man darf ihm keine Steine in den Weg legen. So gibt es kulturell unterstützte Angebote, welche ungleich behandelt werden und auf die man eingehen muss. Und wieder sind wir bei der Vermarktung aller Unternehmen der Stadt, welche meines Erachtens sehr schlecht ist. So denke ich, dass man zum Beispiel mit einer entsprechenden App für Hoyerswerda, die ich ins Leben rufen möchte, einen Teil dazu beitragen könnte, um unsere Lausitzhalle wirtschaftlich nach vorn zu bringen. Angebote, gekoppelt mit anderen städtischen Unternehmen und über die Grenzen hinaus, müssen erarbeitet werden, um dem Gebäude frischen Wind zu verpassen.

Dirk Nasdala, parteilos

Langfristig kann uns dies gelingen, wenn wir es schaffen, dass der Bereich Wirtschaftsförderung unserer Stadtverwaltung und das beabsichtigte Citymanagement für unsere gesamte Stadt gemeinsam die Koordination und Unterstützung zur besseren Kooperation zwischen Lausitzhalle, ZooKultur, Kufa, Regionalverband der Domowina, Vereinen, Jugend- und hoffentlich bald auch Studentenclubs (Zuse-IT-Campus) leisten. Die Lausitzhalle hat viel Potenzial. Allerdings darf sie sich nicht als Teil der SWH-Gruppe ausruhen. Bewährtes, wie die weit über die Stadtgrenzen bekannten Musikfesttage, muss fortgeführt werden. Andererseits muss sich die Lausitzhalle neu aufstellen, um mehr Zielgruppen jeden Alters besser anzusprechen. Dabei ist mehr Wert auf Innovatives und Vielfalt zu legen. Um die dazu erforderliche Offenheit und Neutralität herzustellen, darf die Lausitzhalle nicht mehr für parteipolitische Veranstaltungen genutzt werden.

Torsten Ruban-Zeh, SPD

Ganz klare Antwort, JA und ich schlage auch deren Umbenennung in die ursprüngliche Bezeichnung vor - Haus der Berg- und Energiearbeiter (HBE). Tradition lebt in der Neustadt mit seinen verdienten Bürgern und soll gern daran erinnern. Dieser Ort hat einen hohen Wert für unsere Erinnerungskultur und die zukünftige Entwicklung Hoyerswerdas. Ohne Herkunft gibt es keine Zukunft. Zum einen ist es wichtig, die vorhandene Verbundlösung mit den Städtischen Wirtschaftsbetrieben Hoyerswerda (SWH) auch in der ZUKUNFT zu sichern. Erst diese ermöglicht uns die vorhanden sozialen und kulturellen Angebote. Hierzu gehört im Übrigen auch das Lausitzbad.Darüber hinaus müssen wir die vorhandenen Strukturen im städtischen Bereich der Kultur und deren Führung im Einzelnen kritisch hinterfragen. Es muss uns gelingen, Kräfte zu bündeln und stärker voneinander zu profitieren. Zum Beispiel durch die Einführung von Kombitickets im Bereich der Museen, aber auch Lausitzhalle und Kufa. Die Lausitzhalle ist eines unserer Alleinstellungsmerkmale, wir müssen lernen, dies herauszustellen und mit Leben zu erfüllen.

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