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Brauereien: Ist die Durststrecke zu Ende?

Corona machte den Bierherstellern im Kreis Bautzen zu schaffen. Der Absatz an Fassbier sank deutlich. Jetzt laufen die Geschäfte besser - aber ein Problem bleibt.

Hoch die Gläser: Brauereien im Landkreis Bautzen hoffen, dass nach der Corona-bedingten Flaute jetzt wieder mehr Bier getrunken wird.
Hoch die Gläser: Brauereien im Landkreis Bautzen hoffen, dass nach der Corona-bedingten Flaute jetzt wieder mehr Bier getrunken wird. © Symbolfoto: dpa

Bautzen. Da blutet jedes Brauerherz:  "Ich musste 150 Liter Bier wegkippen", erzählt Ronald Rosner. "Es hält sich nun mal nicht ewig." Das war im Frühjahr. Wegen Corona durften Gaststätten wochenlang keine Gäste bewirten. Das traf auch die kleine Hausbrauerei von Ronald Rosner in Sohland hart. Normalerweise serviert er mit seiner Frau Kerstin von Freitag bis Sonntag hier Gerichte von Bockwurst bis Steak und zapft dazu sein selbstgebrautes Bier. Dann ging von einem Tag auf den anderen nichts mehr.

Inzwischen laufen die Geschäfte und Zapfhähne wieder gut, berichtet der Mittfünfziger. "Wir hoffen, dass es so gut und noch besser weitergeht." Aber die Umsätze vom Frühjahr würden halt fehlen.

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300 Millionen Liter weniger verkauft

So wie Ronald Rosners Hausbrauerei in Sohland ging es in den vergangenen Monaten der ganzen Branche. Die Corona-Krise hat den Brauereien in Deutschland das erste Halbjahr gründlich verdorben. Die Betriebe setzten mit 4,3 Milliarden Litern noch einmal weniger Bier ab als in den Jahren zuvor. Die Menge lag gut 300 Millionen Liter unter dem Vergleichszeitraum im ohnehin schwachen Vorjahr, teilt das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit. Vor allem im April (minus 17,3 Prozent) und Mai (minus 13,0 Prozent) lag der Absatz deutlich unter den Vergleichswerten aus 2019.

Bars und Restaurants waren geschlossen, Feste und sonstige Großveranstaltungen abgesagt. Mit den schrittweisen Lockerungen hat sich der Bierabsatz wieder erholt und lag im Juni nur noch 1,9 Prozent unter dem gleichen Monat des Vorjahres, so die Statistiker.

Auch beim Böhmisch Brauhaus in Großröhrsdorf lag der Absatz bei Fassbier im April und Mai fast bei Null, berichtet Braumeister und Betriebsleiter Lothar Seltmann. Im Juni und Juli habe das Fassbiergeschäft ebenfalls noch unter den üblichen Werten gelegen. Normalerweise verlässt etwa jeder fünfte Liter Bier das Böhmisch Brauhaus in einem Fass, das Gros in Flaschen. Der Verkauf von Flaschenbier laufe normal, habe aber die Verluste beim Fass nicht ausgleichen können.

Alwin Amm ist Auszubildender im dritten Lehrjahr beim Böhmisch Brauhaus in Großröhrsdorf. Auch die kleine Brauerei im Rödertal kämpft sich aus der Corona-Krise.
Alwin Amm ist Auszubildender im dritten Lehrjahr beim Böhmisch Brauhaus in Großröhrsdorf. Auch die kleine Brauerei im Rödertal kämpft sich aus der Corona-Krise. © Steffen Unger

Für das zweite Halbjahr rechnen die Großröhrsdorfer wieder mit mehr Fassbier-Verkäufen. "Die bisher eingetretenen Ausfälle werden wir aber kaum auffangen können, so dass schon jetzt davon auszugehen ist, dass 2020 das bisher absatzschwächste Jahr unserer jüngeren Geschichte werden wird", sagt Lothar Seltmann. Aber wie alle Anbieter setzt auch er darauf, dass die Genießer in der Region wissen, was sie an heimischem Bier haben. 

Die Stadtbrauerei Wittichenau verkauft seit Corona etwa zwei Prozent mehr Flaschenbier als zuvor, berichtet Geschäftsführer Stefan Glaab. Aber der Absatz an Fassbier habe sich im ersten Halbjahr fast halbiert. "Sämtliche Feste, bei denen Fassbier ausgeschenkt wird, sind bis auf Weiteres abgesagt worden. Und die Saison ist bald vorüber." Das kleine  Exportgeschäft der Wittichenauer sei bis heute komplett weggebrochen, bedauert Stefan Glaab. Für 2021 rechnet er wieder mit steigender Nachfrage.

Von "dramatischen Absatzentwicklungen" spricht auch Geschäftsführer Karsten Herrmann vom Bautzener Brauhaus. Im ersten Quartal verkaufte die Brauerei elf Prozent weniger Bier als im gleichen Vorjahreszeitraum, von April bis Juni lag das Minus sogar bei 44 Prozent. Der Juli bescherte dem Brauhaus einen Lichtblick. "Optimistisch gerechnet, können wir vielleicht bis Ende 2020 wieder das Niveau von Ende 2019 erreichen", hofft Karsten Herrmann. Aber die massiven Verluste aus der Corona-Zeit ließen sich nicht mehr ausgleichen.

Neue Sorten sind geplant

Auch bei Frenzel-Bräu im Bautzener Süden war der Fassbier-Absatz komplett weggebrochen, berichtet Tobias Frenzel. Allerdings konnte die Brau-Manufaktur mehr Flaschenbier verkaufen, aber hier steige der Absatz ohnehin von Jahr zu Jahr. Mittlerweile habe auch der Fassbier-Verkauf wieder angezogen. "Trotz der unsicheren Lage planen wir ein paar neue Biersorten, und investieren wollen wir auch wieder", blickt Tobias Frenzel in die Zukunft.

Die Krise machte auch um Branchenprimus Radeberger keinen Bogen. "Wir leiden mit unseren Partnern in der Gastronomie und im Veranstaltungsbereich", berichtet Pressesprecherin Jana Kreuziger. "Und das macht sich natürlich auch beim Bierabsatz bemerkbar." Allerdings sei der Absatz von Flaschenbier leicht gestiegen. Radeberger ist zudem eine Export-Marke - und da kommen sonst besonders viele Bestellungen aus den USA und Italien. Doch diese Länder waren von Corona stark betroffen. " Monatelang geschlossene Gastronomien und Hotels, der Wegfall von Touristenströmen und Veranstaltungen trifft uns auch hier", erklärt die Unternehmenssprecherin. "Es wird Zeit benötigen, bis auch diese Absatzmärkte zu alter Stärke zurückfinden."

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