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Weißwasser

„Wir sind eine offene und lebendige Kirche“

Erstmals lud die Evangelische Gemeinde Schleife zum Kultursommer 2019 ein. Pfarrerin Jadwiga Malinkowa zieht Bilanz.

Die Schleifer Pfarrerin Jadwiga Malinkowa dankt allen Kultursommer-Organisatoren.
Die Schleifer Pfarrerin Jadwiga Malinkowa dankt allen Kultursommer-Organisatoren. © Foto: Andreas Kirschke

Schleife. Erstmals lud die Evangelische Kirchengemeinde Schleife in diesem Jahr zum Kultursommer ein. Mit zwei Ausstellungen, zwei Konzerten und vier Filmabenden sorgte sie im Mai und im Juni für vielfältige Kultur. Über die Motivation, die Inhalte und das Fazit sprach Andreas Kirschke mit Pfarrerin Jadwiga Malinkowa.

Pfarrerin Malinkowa, welche Idee führte zum Kultursommer?
Die Anregung kam vom Gemeindekirchenrat. Wir sagten uns: Wir haben große Räumlichkeiten, eine schöne Kirche – warum sollten wir sie nicht einer breiteren Öffentlichkeit zur Verfügung stellen? Die Botschaft war: Der ländliche Raum ist attraktiv, lebenswert und liebenswert. Bildung und Kultur gehören heute in eine lebendige Kirche. Sie sollten für jedermann zugänglich und erschwinglich sein. Das sollte der Kultursommer zeigen.

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Eröffnet wurde er mit jüdischer Kunst…
Das war Mitte Mai. Die Heidelberger Malerin Judith Wetzka stellte ihre Werke in der Kirche aus. Sie stehen für jüdische Gegenwartskunst. Die Bilder sind bis heute in der Kirche ausgestellt. Kurz nach Eröffnung der Ausstellung folgte das Konzert mit der sorbischen Swing- und Jazz-Band „Kula Bula“. Der Name bedeutet so viel wie „Rollender Ball“. Mit Jazz-Musik, mit Chansons und mit Schlagern – vor allem aus den 1920er und 1950er Jahren – begeisterte die Band. Es war ein deutsch-sorbisch-englisches Programm. Ein sehr beschwingter, erfreuender Abend im Pfarrhof unter Regie von Frank Kosyk und Gerald Schön. Das Programm kam gut an. Viele meinten: ein solches Konzert sollte unbedingt wiederholt werden.

Zudem sollte es auch Kunst zum Mitmachen geben. Die Malerin Judith Wetzka hatte einen Workshop angeboten …
Leider mussten wir diesen kurzfristig absagen, weil mehrere Interessenten verhindert waren. Das war sehr schade. Denn von vornherein wollten wir einen Kultursommer anbieten, wo es Kunst zum Mitwirken gibt. Wo man sich selbst einmal in verschiedenen Maltechniken ausprobieren kann.

Eine zweite Ausstellung hatte das Thema „Kommen / Gehen / Bleiben. Migrationsgeschichte(n) in Sachsen“. Worum ging es dabei?
Es ging um Schicksale von Migranten. Es ging um Menschen, die im Laufe der Geschichte nach Sachsen einwanderten und die aus Sachsen auswanderten. Gestaltet wurde die Ausstellung von Studenten des Instituts für Geschichte unter Leitung von Dr. Swen Steinberg an der TU-Dresden. Unterstützung kam vom Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz. Auch diese Ausstellung fand reges Interesse. Zwei Wochen war sie in der Kirche zu sehen.

Im Pfarrhof wiederum gab es vier Filmabende. Worum ging es?
Jeden Donnerstagabend im Juni haben wir einen Film gezeigt. Uns war wichtig, dass für jeden Geschmack und jede Altersgruppe etwas mit dabei war. So zeigten wir die Komödie „Alles koscher“, den Naturfilm „Das Wunder der Bäume“, den Lausitz-Film „Das richtige Leben“ und den Kinderfilm „Der kleine Maulwurf“. Wir haben uns gefreut, dass unser Landkino so gut angenommen wurde.

Ende Juni folgte das Konzert mit „Krawitschko“…
Diese Görlitzer Band zeigte ihr Programm „Weltmusik“. Darin kamen vor allem Balkan-Musik, jiddische Musik sowie Sinti-und-Roma-Musik vor. Eigens für diesen Abend spielte die Band sogar sorbische Lieder aus der Schleifer Region. Das freute uns natürlich ganz besonders.

Ist der Kultursommer jetzt schon vorbei?
Nein. Den Schlusspunkt setzt ein Konzert am 1. September. Um 18 Uhr musiziert das Flötenquartett „Quartetto Giocondo“ unter Leitung von Thea Hanspach.

Welches Gesamtfazit für den Kultursommer können Sie ziehen?
Der Kultursommer war eine Bereicherung für unser Kirchspiel und unsere Region. Er passt zu unserem Grundsatz „Offene Kirche“ von Ostern bis Reformationstag. Wir konnten nicht nur die eigene Kirchengemeinde damit beleben. Wir freuten uns auch über regen Besuch aus anderen Gemeinden. Wichtig war uns zu zeigen: wir sind eine offene und lebendige Kirche. Ein herzlicher Dank geht an alle, die diese Veranstaltungen mit organisiert und ermöglicht haben.

Wird es einen Kultursommer 2020 geben?
Das ist noch offen. Nach der Sommerpause werden wir die Veranstaltungen im Gemeindekirchenrat auswerten und schauen, ob wir den Kultursommer im nächsten Jahr weiterführen. Doch eines ist schon gewiss: Kirche, Kunst und Kultur gehören zusammen.

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