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Görlitz

Wo der Görlitzer Klärschlamm brennt

Die Stadtwerke haben kein Entsorgungsproblem für Abwasserreste. Trotzdem stehen sie vor einer Herausforderung.

Maschinist Frank Göllnitz transportiert auf der Kläranlage in Görlitz Klärschlamm.
Maschinist Frank Göllnitz transportiert auf der Kläranlage in Görlitz Klärschlamm. ©  Nikolai Schmidt

Es ist wohl eine oft gestellte Kinderfrage, wohin denn beim Toilettengang „das Würstchen“ gespült wird. Letztlich landet alles aus der Toilettenspülung im Klärwerk der Stadtwerke Görlitz (SWG) an der Rothenburger Straße. Was aber dort passiert, dürfte auch den meisten Erwachsenen ein Rätsel sein.

Im Klärwerk wird das Abwasser gereinigt, übrig bleibt der Klärschlamm. Zwischen 5 500 und 6 000 Tonnen pro Jahr sind das in Görlitz. Zwar steigt das Aufkommen tendenziell, unterliegt aber Schwankungen. Die Menge ist abhängig davon, wie gut der Schlamm entwässert werden kann. Statistisch gesehen verzeichnete das Klärwerk Görlitz im Jahr 2011 genau 45 Gramm Klärschlamm täglich von jedem Görlitzer. Im gleichen Jahr entfielen in Sachsen sechs Prozent des gesamten Klärschlamms auf den Landkreis Görlitz. Spitzenreiter ist hier die Stadt Dresden mit 22 Prozent.

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In Deutschland haben immer mehr Klärwerke Mühe, ihren Klärschlamm zu entsorgen, weil immer weniger Schlamm auf Feldern ausgebracht werden darf und Verbrennungskapazitäten fehlen. „Wir haben hiermit keine Probleme“, sagt Belinda Brüchner, Sprecherin der Stadtwerke. „Unser Partner für die Entsorgung hat vertraglich zugesicherte Lagerkapazitäten.“ Partner der SWG ist in diesem Fall das Kraftwerk Boxberg. Dorthin wird der Klärschlamm zur Verbrennung gebracht. Möglich ist das, weil der Schlamm bis auf 20 Prozent Trockensubstanz entwässert wird. „Das geschieht mit unterschiedlichen Maschinen wie Pressen und Zentrifugen“, erklärt die Sprecherin. Dann habe man schon eine relativ trockene Masse, die man ein wenig mit der Konsistenz von Blumenerde vergleichen könne. Die landwirtschaftliche Nutzung des Klärschlamms spielt in Görlitz keine Rolle.

Eigene Trocknung nicht ökonomisch

Die Trocknung des Klärschlamms ist für die SWG ein wichtiges Thema, ebenso wie für weitere Partner, die sich mit Abwasser beschäftigen. Deswegen haben sich Zweckverbände und Stadtwerke aus Ostsachsen Gedanken gemacht und eine Konzeption entworfen. Deren Bestandteil waren auch umfangreiche Untersuchungen zum Bau einer eigenen Trocknungs- und Verbrennungsanlage. Das würde die Transport- und Entsorgungskosten deutlich senken. Nach gründlicher Prüfung hat sich jedoch ergeben, dass der Bau einer solchen Anlage aktuell nicht wirtschaftlich ist, trotz der gestiegenen Entsorgungspreise.

Für die ordnungsgemäße Reinigung des Wassers und letztlich die Rückführung in den natürlichen Kreislauf investieren die Stadtwerke jedes Jahr in ihre Kläranlage, die 1997 in ihrer jetzigen Ausbaustufe in Betrieb genommen wurde. Viele Investitionen betreffen die Instandhaltung oder Erneuerung kleinerer Einzelaggregate wie Pumpen, Rührwerke oder die entsprechende Messtechnik. Größere Maßnahmen waren bisher die Erneuerung der gesamten Steuerung und die Erneuerung der Blockheizkraftwerk-Module, welche aus dem erzeugten Klärgas Strom und Wärme produzieren und damit das Klärwerk bereits zu rund 98 Prozent selbst versorgen. Die Maschinen, die den überschüssigen Schlamm eindicken, wurden bereits durch effizientere Maschinen ersetzt. Derzeit werden mehrere Aggregate der Klärgasaufbereitung und -speicherung erneuert.

Das Einzugsgebiet für das Klärwerk Görlitz erstreckt sich neben der Neißestadt auch auf umliegende Städte und Gemeinden von Reichenbach, Ostritz bis zum Zweckverband Abwasser Rothenburg, der auch Horka, Uhsmannsdorf, Rothenburg, Lodenau und weitere Orte einschließt. Auch Steinigtwolmsdorf im Landkreis Bautzen gehört dazu, wo die Stadtwerke Görlitz die Kläranlage Ringenhain betreiben. Auf die Kläranlage Görlitz werden aber auch Schlämme aus weiteren Gebieten angeliefert – von Kläranlagen, bei denen die SWG nicht die Betriebsführung übernommen haben, zum Beispiel von den Anlagen Kodersdorf und Kubritz. Insgesamt werden damit Abwässer und damit auch die anfallenden Schlämme von rund 82 000 Einwohnern behandelt. „Die Kapazitäten sind noch nicht vollständig ausgelastet, werden aber durch einige Faktoren begrenzt, die wir nicht beeinflussen können“, so Belinda Brüchner. Ein solcher Faktor ist die Verbrennungskapazität im Kraftwerk Boxberg.

Phosphor wird zurückgewonnen

Eine echte Herausforderung steht vor den SWG wie vor allen Klärwerken im Land: Ab dem Jahr 2029 müssen größere Klärwerke und ab 2032 kleinere den Rohstoff Phosphor aus dem Klärschlamm zurückgewinnen. Deshalb arbeiten die Stadtwerke innerhalb der Veolia-Gruppe und regional in diversen Netzwerken an der Thematik und schauen, wie sich die technischen Voraussetzungen dafür entwickeln. „Es gibt derzeit noch nicht sehr viele erprobte Verfahren zur Phosphorrückgewinnung, die auch wirtschaftlich sind“, erklärt Belinda Brüchner. Veolia hat ein eigenes Verfahren entwickelt, das zurzeit auf der Kläranlage in Schönebeck in Sachsen-Anhalt getestet wird. „Wenn die Testphase erfolgreich verläuft, werden wir versuchen, das Verfahren zu adaptieren.“ Phosphor kann nach der Verbrennung auch aus der Asche zurückgewonnen werden. Dies ist jedoch nur bei einer Klärschlamm- Monoverbrennung möglich. In Boxberg werden mit dem Klärschlamm derzeit gleichzeitig auch andere Stoffe verbrannt. „Wir beobachten alle Entwicklungen und müssen uns in den nächsten Jahren für ein für die SWG am besten geeignetes Verfahren entscheiden“, so Frau Brüchner.

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