merken
PLUS Dresden

Wolf reißt weitere Schafe in Dresden

Erneut war ein Wolf im Schönfelder Hochland unterwegs, diesmal in Helfenberg. Was das Landesamt rät - und die betroffenen Tierhalter fordern.

Silke Fuhrmann und Jürgen Werner, der bereits einen Tag zuvor Tiere an einen Wolf verloren hat, vor den in Helfenberg getöteten Schafen.
Silke Fuhrmann und Jürgen Werner, der bereits einen Tag zuvor Tiere an einen Wolf verloren hat, vor den in Helfenberg getöteten Schafen. © Tino Plunert

Dresden. Schon wieder gibt es einen Fall gerissener Schafe im Schönfelder Hochland. In Helfenberg wurden am Mittwochmorgen zwei tote Schafe gefunden, ein Muttertier und ein Lamm, sagt Karin Bernhardt, die Sprecherin des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG). Zudem fehle aus der Herde, zu der acht Schafe und der Ziegenbock "Svenni" gehören, ein Schaf. Ein weiteres wurde so schwer verletzt, dass es vom Tierarzt eingeschläfert werden musste. 

Silke Fuhrmann war morgens etwa 50 Meter von der Koppel der Familie entfernt, als sie ein Blöken auf der Weide hörte. Sie wunderte sich, weil die die Tiere sonst eher ruhig sind. Als sie bei den Schafen ankam, sah sie die aufgerissenen Tiere am Boden. 

Anzeige
Carmina Burana Konzerte am See
Carmina Burana Konzerte am See

Der Chor der Europa Akademie Görlitz feiert unter der Leitung von Joshard Daus mit der „Carmina Burana“ einen leidenschaftlichen Ausblick für die kommende Saison.

Um zu klären, ob die Tiere tatsächlich vom Wolf getötet wurden, fuhr sofort ein Rissgutachter der Fachstelle Wolf nach Helfenberg. "Alle Fakten vor Ort lassen darauf schließen, dass der Wolf als Verursacher infrage kommt", sagt Bernhardt allerdings. Leider sei auch in diesem Fall der Mindestschutz der Herde nicht gegeben gewesen. 

Erst in der Nacht zum Dienstag sind sieben Schafe auf einer Weide in Weißig von einem oder zwei Wölfen gerissen worden. Das hat die Fachstelle bestätigt. Die Tiere standen in einer Herde von 16 Schafen auf der Forststraße. Für Halter Jürgen Werner war es ein Schock. "So etwas habe ich noch nicht erlebt", sagt der 72-Jährige. Er hätte es nicht für möglich gehalten, dass Wölfe so dicht an ein Wohngebiet herankommen. Das nächste Haus zur Wiese, auf der die Schafe standen, ist nur wenige Meter entfernt. 

Eine Entschädigung für seine toten Schafe wird er nicht erhalten, denn auch sein Zaun erfüllt die Mindestanforderungen an die Wolfssicherung nicht. Auch im Fall vom Montag, wo ein Schaf in Ullersdorf vom Wolf getötet wurde, fehlte ein sicherer Zaun. 

Die Geschädigten allerdings sehen den Handlungsbedarf zunächst bei der Politik: Es müsse auf jeden Fall mehr zum Schutz der Schafe getan werden. Der Wolf dürfe gar nicht so dicht an Wohngebiete herangelassen werden, sagen sie. Peter Fuhrmann hat durch den Wolfsangriff nun Kosten zu tragen. Die toten Tiere müssen vom Abdecker geholt werden. Das verletzte Tier ist in der Klinik behandelt worden. Auch dafür wird die Rechnung an ihn kommen. "Der Wolf wird damit ja nicht aufhören. Die Politiker müssen überlegen, wie sie auch Tierhalter besser schützen", sagt der Helfenberger Landwirt.

Karin Bernhardt appelliert dagegen an die Besitzer von Schafen, ihre Herden besser zu schützen. "Wölfe, die immer wieder auf ungeschützte oder nicht ausreichend geschützte Nutztiere treffen, lernen sehr schnell, dass diese deutlich einfacher zu erbeuten sind als wildlebende Beutetiere. Das kann dazu führen, dass Wölfe gezielt versuchen, Nutztiere zu reißen und dabei auch empfohlene Schutzmaßnahmen überwinden", sagt die Sprecherin. 

Aus diesem Grund rät die Fachstelle Wolf insbesondere Haltern von Schafen, Ziegen und Gatterwild, auf einen wirksamen Herdenschutz zu achten. Dazu gehört auch, die Schutzmaßnahmen regelmäßig auf Schwachstellen zu überprüfen. Jeder Schaf- und Ziegenhalter sowie Betreiber von Wildgattern, der seine präventiven Herdenschutzmaßnahmen zum Schutz vor Wolfsübergriffen verbessern möchte, kann einen Förderantrag stellen. In Sachsen werden eine Anzahl von Schutzmaßnahmen zu 100 Prozent gefördert. Mehr Information dazu finden sie hier.

Den drei Angriffen von Montag bis Mittwoch im nahen Umfeld der Dresdner Heide fielen damit insgesamt 11 Tiere zum Opfer, ein weiteres wurde verletzt und musste eingeschläfert werden. Der oder die Wölfe stammen aus dem in der Heide ansässigen Rudel, dessen Territorium sich über die Dresdner Heide und die angrenzenden Felder und Wiesen erstreckt, sagt die Fachstelle Wolf. 

Obwohl die Risse nahe der Wohnbebauung stattfanden, bestand für die Bevölkerung keine Gefahr, so Bernhardt. "Wölfe bewegen sich auf ihren Streifzügen durch unsere Kulturlandschaft auch siedlungsnah oder gelegentlich innerhalb der Wohnbebauung. Es handelt sich dabei um kein auffälliges oder gar als dem Menschen gegenüber gefährlich einzustufendes Verhalten. Der Wolf scheut, wie andere Wildtiere auch, den direkten Kontakt zu Menschen."

Bei Fragen zu Herdenschutzmaßnahmen oder zur Präventionsförderung können sich Tierhalter an den Herdenschutzbeauftragten Ulrich Klausnitzer wenden. Die Beratung ist kostenfrei: 0151 50551465, [email protected].

Die Fachstelle Wolf beobachtet die Situation rund um die Dresdner Heide weiter. Hinweise aus der Bevölkerung sind dabei eine wertvolle Unterstützung. Wer einen Wolf oder ein wolfsähnliches Tier in der Region sichtet, soll das bei der Fachstelle Wolf melden unter [email protected] oder 035242 6318201.

Für die Meldung von Nutztierrissen sowie toten, verletzten oder auffälligen Wölfen in Sachsen gibt es eine kostenlose 24h-Hotline: 0800 555 0 666

Weiterführende Artikel

"Der Wolf ist gut für die Dresdner Heide"

"Der Wolf ist gut für die Dresdner Heide"

Das sagt die Tierärztin Tanja Schewe. Ein Interview über den Umgang mit dem Wolf, über Schutz für Schafe und Ansteckungsgefahren für den Menschen.

Bereits am 22. März waren der Fachstelle Wolf zwei tote und ein vermisstes Schaf in Schönfeld-Weißig gemeldet worden. Sie führte noch am selben Tag eine Begutachtung durch. Die Herde bestand damals ursprünglich aus vier Tieren, drei weiblichen Schafen und einem Bock. "Alle vorgefundenen Merkmale sprachen dafür, dass ein Wolf als Verursacher infrage kommt", so Sprecherin Karin Bernhardt im Mai. 

www.wolf.sachsen.de

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden