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Das Selfie sagt mehr als 1.000 Worte

Spitzen von Grünen und FDP veröffentlichen ein ungewöhnliches Bild. Es wirkt irritierend und hat dennoch eine Botschaft. Ein Kommentar

Von Thilo Alexe
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© Volker Wissing/FDP/dpa, SZ

Inszenierungen gehören zur Politik. Wie tritt jemand auf, der ein Spitzenamt bekleidet. Wie spricht er? Mit wem zeigt er sich?

Auch im Netz sind Politikerinnen und Politiker präsent. Ungewöhnlich ist das Selfie, das die Spitzen von Grünen und FDP auf Instagram veröffentlichten, dennoch. Bislang war es eher unüblich, aus internen und, wie man annehmen sollte, auch wichtigen Zusammenkünften zu posten.

Beinahe irritierend wirkt die wohl gewollte Authentizität. Volker Wissing, Annalena Baerbock, Christian Lindner und Robert Habeck sind anders als im TV ungeschminkt. Der Handy-Blitz zuckt auf den Gesichtern. Das Bild zum Gesprächs-Auftakt hat eine Botschaft. FDP und Grüne wollen sich als innovativ und an der Sache interessiert zeigen. Das heißt auch: Sie sind gemeinsam an Macht interessiert.

Lange schien ein Bündnis mit den beiden kaum vorstellbar. In Sachsen begegneten sich die Parteien, als beide im Landtag waren, spinnefeind. ​Es ist längst nicht ausgemacht, wer Deutschland regiert und ob die gelb-grüne Vorsondierung Ergebnisse für einen Dreierpakt bringt. Jamaika ist nicht tot, die Ampel bislang nicht da, andere Optionen sind denkbar.

Das viel diskutierte Selfie ist ein Fingerzeig aus dem Netz. FDP und Grüne signalisieren Ansätze für Bündniswillen. SPD und CDU dürfte das nicht nur interessieren, es setzt sie auch unter Druck. Dieses Bild sagt tatsächlich mehr als 1.000 Worte.