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Der Mann mit der Deutschland-Fahne

Sebastian Fischer möchte als Nachfolger von Thomas de Maizière für die CDU in den Bundestag. Das Thema Patriotismus mag er nicht den Rechten überlassen.

Mit Fahne vor dem Schloss Seußlitz: Sebastian Fischer (39) möchte für die Meißner CDU in den Bundestag. Sein Thema ist auch der Patriotismus.
Mit Fahne vor dem Schloss Seußlitz: Sebastian Fischer (39) möchte für die Meißner CDU in den Bundestag. Sein Thema ist auch der Patriotismus. © Sebastian Schultz

Meißen. Da steht er im blauen Anzug in der milden Nachmittagssonne an der Heinrichsburg in Diesbar-Seußlitz. Die Heinrichsburg ist eigentlich gar keine richtige Burg, sondern nur ein Häuschen. Am Sonntag darf man hineingehen und sich eine Ausstellung zum Wein anschauen. Sebastian Fischer - ein großer Meißner Wein-Fan - steht vor der verschlossenen Tür und hält eine kleinere Deutschland-Fahne in der Hand. Etwa so eine Fahne, wie sie viele nach dem deutschen Fußball-WM-Sieg 2014 am Auto hatten. Er selbst hat sie auch an seinem Auto. Eigentlich immer. Nur auf der Autobahn klemmt er sie manchmal ab. Denn da flattert sie bei hohen Geschwindigkeiten zu stark.

"Die Stimmung ist gut", sagt Sebastian Fischer, der Direktkandidat zum Bundestag für die Meißner CDU. "Wir alle kämpfen wie die Löwen, wir geben wirklich alles." Fischer muss gewinnen, muss erster im Landkreis werden. Einen Einzug in den Bundestag über die Liste ist für ihn nicht möglich. Wie er seine Chancen einschätzt? "Fünfzig zu fünfzig", sagt er.

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Ich möchte dem Land dienen

Weshalb er mit einer Deutschland-Fahne in der Hand in Rufweite vor dem Seußlitzer Schloss steht? Weil diese Fahne uns alle eint, sagt er. "Ich möchte unserem Land dienen, unserem Landkreis." Die Fahne möchte er nicht denen überlassen, die sie zum Brüllen verwenden. Deutschland braucht wieder mehr von Einigkeit und Recht und Freiheit. Fischer hat sich mit der Geschichte der Fahne beschäftigt. "Das Rot steht für das Blut, das für die Freiheit vergossen wurde", sagt er. "Das Gelb steht für die Sonne, das Schwarz für Einigkeit." Warum die Fahne im linken Lager so schlecht gelitten ist, versteht er nicht. In Frankreich sei das ganz anders, auch in Russland. "Unsere Fahne ist doch ein Symbol für uns alle."

Der 39-jährige Fischer hat einen Hang zu Sprachen. Deshalb studiert er jetzt Slawistik und Romanistik an der TU Dresden. "Mein Russisch hat sich schon sehr verbessert", sagt er. "Meine Lehrerin Anna Andrejewa ist zufrieden. Ich stehe so auf 1,7 oder 1,8." Er mag die Russen und Franzosen, ihre Kultur, ihre Sprachen, ihr Nationalbewusstsein, dass er hier zu Hause vermisst. "In Frankreich - ob im rechten oder linken Lager - wird am 14. Juli, dem Nationalfeiertag, gefeiert. Bei uns wird am 3. Oktober gebrüllt."

Fischer, der in Gävernitz bei Großenhain wohnt, ist von Beruf Koch und Küchenmeister. Er übt den Job aber nicht aus, sondern konzentriert sich voll und ganz auf die Politik. Er möchte unbedingt in den Bundestag, weil er - das hat er von Thomas de Maizière gelernt - dem Staat und der Region dienen möchte, wiederholt er immer wieder. 2.700 Plakate haben er und sein Team im Landkreis aufgehängt. Damit liegt er an der Spitze.

Einen kritischen Blick wirft Fischer auf die sozialen Netzwerke. Die Informationen kommen immer schneller und schneller, sind aber oft nicht seriös. Sie kommen über dubiose Telegramm-Gruppen. Die News sind nicht recherchiert, sondern Propaganda. "Wir sehen einem Sieg von Fake News entgegen", sagt er. Ganz schlimm findet er, wie deutschlandweit über Sachsen berichtet wird. "Wir brauchen Imagepflege, offene und freundliche Herzen. Wir benötigen Weltoffenheit." Das sei eine Hauptaufgabe für den künftigen Bundestagsabgeordneten, als Botschafter nach Berlin zu wirken, aber auch ein freundliches Bild von Sachsen zu zeichnen.

Unten auf der Straße tuckert ein kleiner Traktor vorbei. "Das ist ein Vollernter für die Weinlese", sagt Fischer, der viele Jahre weinpolitischer Sprecher der CDU im sächsischen Landtag war. 2018 verlor er sein Mandat gegen die AfD. "Diese Technik setzt sich langsam durch, obwohl sie teuer ist." Hauptsächlich aber liege das daran, dass Personal für die Lese fehlt. Ganz wichtig für die Region seien die Erzeuger Schloss Wackerbarth und der Prinz zur Lippe. Sie halten die Qualität hoch.

Da war sie weg. Unbekannte haben die Fahne von Sebastian Fischers Auto in Radebeul abgeschnitten.
Da war sie weg. Unbekannte haben die Fahne von Sebastian Fischers Auto in Radebeul abgeschnitten. ©  privat

Fahne abgeschnitten

Am 8. Oktober wird ein neuer CDU-Kreisvorstand in Niederau gewählt. Noch ist Sebastian Fischer der Kreisvorsitzende. Es gab um diese Personalie vor und nach der Wahl viel Zank und Streit in den eigenen Reihen. Das ist jetzt wohl vorbei. "Ob ich wieder gewählt werde, hängt sicher auch mit dem Ausgang der Bundestagswahl zusammen", sagt Fischer. Er freut sich sehr darüber, dass sich Thomas de Maizière, der doch ein ganz anderer Typ als er ist, so stark für ihn einsetzt. Fischer: "Thomas de Maizière hat unserem Landkreis sehr gutgetan. Ich möchte an seine Arbeit anschließen."

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Einen Tag später meldet sich Sebastian Fischer wieder. "Das war es mit meiner Fahne", sagt er. Sie wurde ihm vom Auto, einem alten Nissan, abgeschnitten, während er in einer Kandidatenrunde des Kreisjugendrings im Weißen Haus in Radebeul saß. Vermutlich war es ein Passant. Sein Kommentar: "Bis zu einem offenen, toleranten und solidarischen Patriotismus ist es noch ein weiter Weg."

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