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Die Dresdner Hausärztin, die in den Bundestag will

Im Dresdner Norden und Teilen des Landkreises Bautzen kämpft Silke Müller (FDP) um das Direktmandat. Wie sie die Dresdner von sich überzeugen will.

Silke Müller kandidiert für die FDP um ein Dresdner Direktmandat im Bundestag.
Silke Müller kandidiert für die FDP um ein Dresdner Direktmandat im Bundestag. © Archiv: Marion Doering

Dresden. "Pegida und die AfD haben zu Grabenkämpfen in Dresden geführt", sagt die 51-jährige FDP-Direktkandidatin Silke Müller. "Corona hat das weiter vertieft. Da muss man dagegenhalten."

Müller ist Hausärztin. Sie hat eine Gemeinschaftspraxis in Dresden-Klotzsche. Als Unternehmerin hat sie sich für die FDP entschieden. "Ich mag die Herangehensweise: Was ist das Problem und wie sieht die Lösung aus?" Ähnlich verfahre sie als Ärztin schließlich auch.

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"Wir müssen aus der Mitte heraus etwas gegen die Spaltung der Gesellschaft tun, denn Demokratie funktioniert durch das Mitmachen." Sie sehe ihre Kandidatur sogar als "Bürgerpflicht".

"Wir müssen medizinische Berufe entlasten"

Im Bundestag würde sie am liebsten Gesundheitspolitik machen. "Durch meinen Beruf bin ich jemand, mit dem die Leute reden und der überzeugen kann."

Das sehe sie beispielsweise beim Thema Corona-Schutzimpfung. "Da bin ich gegen eine Impfpflicht, obwohl ich sehr fürs Impfen bin." Sie selbst hat bereits etliche Patienten geimpft. "Selbstverständlich kommen auch Menschen, die Zweifel haben." Teils höre sie auch Verschwörungstheorien. "Da muss man dagegenhalten. Ich spreche mit den Leuten, motiviere sie. Die Menschen tun es für sich selbst und aus Solidarität für die Gesellschaft."

Ihre ersten politischen Erfahrungen hat Müller bereits gesammelt. Sie ist seit zwei Jahren Mitglied im Stadtbezirksbeirat Klotzsche für die FDP. "Das ist wirklich interessant, man spürt, wie komplex und zäh Politik ist." Die bürokratischen Hürden bezeichnet sie als "zum Teil gruselig".

Und genau dagegen will sie im Bundestag auch etwas tun. "Wir müssen die medizinischen Berufe entlasten, etwa durch mehr Digitalisierung, auch in Dresden." Die Betroffenen sollen ihre Berufe wieder gerne ausüben, sagt Müller. "Ich bin als Ärztin ja auch am liebsten in der Sprechstunde, am Patienten." Sie wisse aber, wie viel "Papierkram" zu erledigen sei. Das müsse vereinfacht werden.

Dresden sei als Krankenhaus-Standort "gut aufgestellt", aber im ländlichen Teil des Wahlkreises müsse sich etwas tun, fordert Müller. Im Bundestag werde sie sich auch für die Beseitigung des Mangels an Landärzten einsetzen. Die Gründung neuer Firmen müsse vereinfacht werden. "Damit gute Ideen nicht verpuffen."

Müller rechnet sich keine großen Chancen auf Mandat aus

Zudem will sie weiter praktizieren. "Ich könnte mir nicht vorstellen, gar nicht mehr als Ärztin zu arbeiten. Der Bezug zur Praxis fehlt vielen Politikern." Deshalb sehe sie sich als Bindeglied zwischen den Menschen im Wahlkreis und der Bundespolitik. "Ich werde auf keinen Fall komplett nach Berlin ziehen.

Ob sie sich überhaupt mit einem möglichen Zweitwohnsitz in Berlin auseinandersetzen muss, bezweifelt Müller allerdings. "Die Wahrscheinlichkeit, dass ich den Direktwahlkreis gewinne, halte ich für eher geringer", gibt sie ehrlich zu.

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"Aber ich kämpfe, vor allem für die Zweitstimme, damit die FDP mit einer großen Fraktion in den Bundestag einzieht." Der Platz acht auf der FDP-Landesliste sieht derzeit auch nicht danach aus, dass Müller darüber der Einzug in den Bundestag gelingen könnte. Aber falls es doch klappen sollte, finde sich eine Lösung für die Gemeinschaftspraxis, damit Müller weiter in Dresden Patienten heilen kann. Höhere Ämter wie das der Bundesgesundheitsministerin strebe sie zunächst nicht an. "Ministerin würde ich mir nicht als Erstes zutrauen."

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