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"Es sind zu viele Politiker im Bundestag"

Andreas Harlaß will nicht als Neonazi bezeichnet werden. Warum der Dresdner AfD-Mann ziemlich sicher bald im Parlament sitzen wird.

"Ich bin kein Neonazi", sagt der Dresdner AfD-Bundestagskandidat Andreas Harlaß.
"Ich bin kein Neonazi", sagt der Dresdner AfD-Bundestagskandidat Andreas Harlaß. © Sven Ellger

Dresden. "Naturschutz ist Heimatschutz", solche und ähnliche markige Aussagen bekommt man von Andreas Harlaß zu hören. Der AfD-Mann will in den Bundestag, tritt im rechtselbischen Teil Dresdens und Teilen des Landkreises Bautzen an. Er hat gute Chancen und noch eine Rechnung offen.

Harlaß ist 15 Jahre lang Öko-Landwirt gewesen und noch länger Journalist, hat unter anderem für die Bild-Zeitung geschrieben. Seit 2014 ist er Pressesprecher der AfD-Fraktion im Landtag und der AfD Sachsen.

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Was bei der Landtagswahl 2019 noch scheiterte, soll nun klappen - der Einzug in ein Parlament, jetzt eben den Bundestag. "Es sind zu viele Politiker im Bundestag, es braucht frische Leute, die aus der Basis kommen", begründet Harlaß seine Kandidatur.

Gegen Betonklötze "wie am Dresdner Postplatz"

Tierschutz sei für ihn ein wichtiges Thema. "Transporte ins Ausland sind zu unterbinden." Naturschutz werde zu sehr auf Klimaschutz reduziert. "Da kommen Natur- und Heimatschutz zu kurz, es geht auch um Tiere, Denkmalschutz und den Waldumbau", sagt Harlaß.

Dörfliche Strukturen müssten rekonstruiert und erhalten werden. "Und historische Strukturen dürfen nicht durch Betonklötze wie am Dresdner Postplatz ausgetauscht werden." Deshalb sei eines seiner Ziele die Rekonstruktion des Neustädter Marktes, um ein "weitgehend historisches Stadtbild" wiederherzustellen. Dafür könne er sich im Bund für eine gezielte Förderung einsetzen.

Zudem würde er sich gerne dem Thema Rente widmen. "In Deutschland bekommen Rentner knapp 50 Prozent ihres früheren Einkommens, in Österreich und Holland sind es 80 beziehungsweise 100 Prozent." Das wolle er auch für deutsche Rentner.

Harlaß bestreitet Verbindung zu rechtsextremer Glaubensgemeinschaft

Auf die Frage, wie das bezahlt werden könne, kommt eine klassische AfD-Antwort. "Wir geben 87,3 Milliarden Euro für eine verfehlte Asylpolitik aus und haben alleine in Sachsen 15.000 abschiebepflichtige Personen. Das gefährdet die innere Sicherheit, es gibt Gruppenvergewaltigungen und andere Kriminalität." Dort könne gespart werden, indem Sachsen und ganz Deutschland konsequenter abschiebe. Dass laut Statistik der Dresdner Polizei die Anzahl nichtdeutscher Tatverdächtiger von 2019 zu 2020 gesunken ist, klammert Harlaß aus.

Was den AfD-Mann ärgert, ist ein Gerichtsurteil, das besagt, er darf als "lupenreiner Neonazi" bezeichnet werden. 2019 wurde getwittert "Herr Harlaß vertritt die NS-Rassenideologie. Herr Harlaß ist ein lupenreiner Neonazi." Dagegen ist Harlaß gerichtlich vorgegangen. Die Richter entschieden, das ist von der Meinungsfreiheit gedeckt. "Das ist kein inhaltliches Urteil", sagt Harlaß, damit dürfe er nicht generell so bezeichnet werden. Deshalb wolle er gegen Medien, die anderes berichten, vor dem Ethikrat vorgehen.

Auch habe er keinerlei Verbindung zur "Artgemeinschaft", eine als rechtsextrem eingestufte Glaubensgemeinschaft, die 1951 von einem ehemaligen SS-Mitglied gegründet wurde. Dabei ist Harlaß mehrfach mit einem Poloshirt mit einem Schriftzug des Versandhandels der "Artgemeinschaft" aufgetreten. "Das wurde mir geschenkt. Ich wusste nicht, was die Aufschrift bedeutet", erklärt Harlaß. "Ich bin kein Neonazi und auch kein Nazi. Sozialismus ist mir zuwider - egal ob rot oder braun."

Kopf-an-Kopf-Rennen mit CDU-Bewerber?

Jetzt werde er sich aber auf den Wahlkampf konzentrieren. "Ich bin ziemlich sicher, dass es ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Lars Rohwer wird." Der CDU-Kandidat geht als Favorit ins Rennen um das Direktmandat im Wahlkreis Dresden II-Bautzen II. Rohwer hat sich bereits 2019 gegen Harlaß durchgesetzt, als es um das Mandat für den Landtag ging.

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Anders als Rohwer kann Harlaß sich aber dieses Mal auf einen Einzug in den Bundestag ohne direkten Sieg ziemlich sicher einstellen. Sein Platz fünf auf der Landesliste gilt als sicher. Rohwer tritt ausschließlich als Direktkandidat an. Harlaß ist 59 Jahre alt, verheiratet und hat drei Kinder.

Die SZ stellt die Kandidaten der sechs im Bundestag vertretenen Parteien zur Bundestagswahl vor. Erklärung: Sächsische.de zur Wahl und zur AfD.

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