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Keine Fehler, aber Versäumnisse - Merkel blickt zurück

Nur selten zeigt sich Altkanzlerin Angela Merkel noch in der Öffentlichkeit. Aus der aktuellen Politik wolle sie sich raushalten, auf ihr politisches Leben blickte sie in Leipzig durchaus kritisch zurück.

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Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einer Veranstaltung im Rahmen der Leipziger Buchmesse auf einer Bühne im Schauspiel Leipzig.
Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einer Veranstaltung im Rahmen der Leipziger Buchmesse auf einer Bühne im Schauspiel Leipzig. © Sebastian Willnow/dpa

Leipzig. Auf 16 Jahre Kanzlerschaft, kontroverse Entscheidungen, aber auch auf ihre Kindheit will Altkanzlerin Angela Merkel in ihren Memoiren zurückblicken. "Das muss ich hier auf der Buchmesse sagen: Es handelt sich auch um ein Sachbuch. Also keine falschen Erwartungen", sagte die CDU-Politikerin bei einer Veranstaltung der Leipziger Buchmesse am Samstagabend. Das Publikum begrüßte Merkel mit einem langen Applaus. Zum Abschied gab es Standing Ovations.

An ihrem Buch arbeitet Merkel mit ihrer langjährigen Büroleiterin Beate Baumann. Es soll im Herbst 2024 erscheinen.

Der Besuch der Altkanzlerin weckte im Vorfeld großes Interesse bei den Besucherinnen und Besuchern der Leipziger Buchmesse. Nach Angaben der Veranstalter seien die Karten innerhalb von wenigen Tagen ausverkauft gewesen. Im Gespräch mit dem Chefredakteur der Wochenzeitung "Die Zeit", Giovanni di Lorenzo, blickte Merkel auch auf kontroverse Entscheidungen zurück, die sie zwischen 2005 und 2021 getroffen hat. Auf eine Frage ihres Gesprächspartners, ob ihre Politik etwas mit den Wahlergebnissen der AfD zu tun haben könnte, lehnte Merkel eine Mitverantwortung für hohe Zustimmungswerte vor allem in Ostdeutschland ab. "Ich habe politische Situationen zu bewältigen gehabt, die zu einer Spaltung der Meinungen in Deutschland geführt haben", sagte die 68-Jährige.

Gleichwohl habe sie kein Verständnis für Menschen, die demokratische Prinzipien verletzen. Sie konzentriere sich auf Menschen, die die demokratischen Werte teilten. Die anderen müsse man versuchen, zurückzuholen.

Einige wichtige Themen haben unter anderen gelitten

Dass sie 2017 - also nach ihrer Flüchtlingsentscheidung 2015 - noch einmal angetreten sei, habe auch den Grund gehabt, dass sie sich gesagt habe: "Ich haue nicht ab nach dieser Entscheidung."

Etwa mit Blick auf den Klimaschutz räumte Merkel im Gespräch Versäumnisse ein. Ereignisse wie die Finanz- oder Flüchtlingskrise hätten sie daran gehindert, anderen Themen mit mehr Kraft nachzugehen. Ihre Russland-Politik und die energiepolitischen Entscheidungen, die Deutschland in eine starke Abhängigkeit von russischem Gas getrieben hatten, verteidigte Merkel rückblickend. "Ich hätte lieber Gas importiert aus Großbritannien und Norwegen, wie wir das früher gemacht haben, und den Niederlanden. Die standen aber nicht mehr zur Verfügung. Für uns stand die Frage: Teureres LNG - ein Drittel teurer - oder billigeres russisches Gas." LNG ist Flüssiggas.

Die Altkanzlerin sträubte sich gegen die Frage di Lorenzos, warum es ihr nicht liege, im Rückblick Fehler zuzugeben. "Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob es eine befriedende Funktion hat, wenn ich jetzt etwas, was ich nicht denke, einfach sage, nur damit ich jetzt einen Fehler zugebe", sagte Merkel.

Ein Versäumnis sei es jedoch gewesen, Frauen nicht ausreichend gefördert zu haben, sagte die Altkanzlerin. "Ich habe das Ziel, das ich gerne erreicht hätte, nicht erreicht." Die Zahl der Frauen in ihrer Partei zeige, dass Frauen in der Vergangenheit nicht ausreichend gefördert worden seien. "Wir brauchen Parität - überall", forderte Merkel. Das gelte auch für den Bundestag, "auf welchem Weg auch immer".

Mit Blick auf sich selbst fällt es Merkel auch heute noch schwer, sprachlich die weibliche Form zu verwenden, wie die Altkanzlerin berichtete. "In der DDR war ich Physiker. Ich war Diplom-Physiker, so stand es in meinem Diplom." Inzwischen habe sie sich angewöhnt, von sich als Physikerin zu sprechen. Ansonsten gendere sie nicht, sagte sie. "Ich halte mich immer an den Duden." (dpa)