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Reifenstecher bei AfD ein Auftrags-Täter?

Landtagsabgeordneter Mario Kumpf legt ein Beweis-Video vor. Der Staatsschutz ermittelt.

AfD-Abgeordneter Mario Kumpf wurde von dem Reifenstecher auch selbst geschädigt.
AfD-Abgeordneter Mario Kumpf wurde von dem Reifenstecher auch selbst geschädigt. © Matthias Weber (Archiv)

Am Rande eines Stammtischs der AfD in Neugersdorf Mitte September hatte ein Reifenstecher ganze Arbeit geleistet: Er zerstörte insgesamt zehn Reifen von Autos anwesender Parteimitglieder und von Mitarbeitern des Lokals, in dem der Stammtisch stattfand. Der AfD-Landtagsabgeordnete Mario Kumpf äußert nun den begründeten Verdacht, dass der 42-Jährige im Auftrag gehandelt haben könnte.

Kumpf legt SZ dazu ein Video vor, das kurz nach der Tat entstand. Mehrere AfD-Mitglieder hatten den Reifenstecher verfolgt und ihn vor laufender Kamera zur Rede gestellt. In dem etwa 80-sekündigen Video sagt der Mann: "Mir hat jemand Kohle dafür geboten und was weiß ich, dann mach ich's." Von wem er beauftragt worden sein will, sagt der Mann in dem Video allerdings nicht.

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Nur ein betrunkener Handlanger?

Mario Kumpf ist deshalb überzeugt: "Das ist ein Handlanger gewesen. Die Täter sitzen woanders." Er sieht in dem Vorgang einen gezielten Angriff auf die Demokratie: "Wenn man als Auftraggeber so hantiert, ist man undemokratisch." Wer diese Auftraggeber gewesen sein sollen, dazu äußert aber auch Kumpf keine Vermutung. Der Mann war bei der Tat schwer angetrunken (2,4 Promille). Daher hält es auch Mario Kumpf auf SZ-Nachfrage nicht für komplett ausgeschlossen, dass es sich um eine "Schutzbehauptung" des Mannes handelte, um sich, nachdem er erwischt wurde, selbst von der Tat "freizusprechen" - ein psychologisch nicht seltenes Phänomen. Auch ist aus dem Video nicht zweifelsfrei ersichtlich, ob der Mann durch suggestive Befragung zu dieser Aussage gedrängt wurde.

Einiges spricht auch dafür, dass der Mann nicht spontan gehandelt hat. "Er hatte ein Küchenmesser und einen Schraubendreher dabei", sagt Kumpf - beides Gegenstände, die man bei einem Spaziergang nicht einfach so mit sich führe. Auffällig sei auch: "Kurz nach der Tat sind vier Männer, die ich der Antifa-Szene zurechne, jeweils paarweise auffällig unauffällig an der Stelle vorbeigelaufen", sagt Kumpf, und: "Ich glaube ja an viel, aber nicht daran, dass die da zufällig einen Abendspaziergang machen." Er gibt allerdings zu, dass er gewaltbereite Mitglieder der Antifa auch für "mutig" genug hält, so eine Tat selbst zu begehen, statt sich eines betrunkenen Handlangers zu bedienen.

Polizei hat keine Erkenntnisse zu Auftragstat

Mario Kumpf sagt gegenüber SZ, dass die Polizei ihm auf Nachfrage bestätigt habe, dass es sich um eine politisch motivierte Tat gehandelt habe. Die Polizeidirektion Görlitz teilt SZ auf Anfrage mit, "keinerlei Erkenntnisse" darüber zu haben, ob es sich um eine Auftragstat gehandelt habe. Allerdings habe der Staatsschutz die Ermittlungen in dem Fall übernommen. Auch zur Bewaffnung des Mannes macht die Polizei keine näheren Angaben: "Da die Ermittlungen noch laufen, können wir zu der genauen Tatwaffe keine Angaben machen. Richtig ist, dass es sich dabei um einen spitzen Gegenstand handelte", so Polizeipressesprecherin Anja Leuschner.

Den von der Polizei damals auf rund 1.000 Euro geschätzten Sachschaden hält Mario Kumpf für realistisch. Auch ein Reifen seines Fahrzeugs wurde an dem Abend zerstört. "Mein Schaden beläuft sich auf etwa 100 Euro", sagt er. Die Geschädigten hätten an dem Abend aber erheblichen Aufwand gehabt, ihre Autos wieder flott zu bekommen. "Der ADAC hatte viel zu tun an dem Abend", sagt er.

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