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Wer wird Bürgermeister in Cunewalde?

Zwei Bewerber stellen sich zur Wahl. Amtsinhaber Thomas Martolock antwortet auf die Fragen von Sächsische.de. Sein Herausforderer schweigt.

Thomas Martolock ist seit 20 Jahren Bürgermeister in Cunewalde. Er bekleidete das Amt vor der Gemeindefusion bereits in Weigsdorf-Köblitz. Genug hat er noch nicht - er stellt sich am Sonntag wieder zur Wahl.
Thomas Martolock ist seit 20 Jahren Bürgermeister in Cunewalde. Er bekleidete das Amt vor der Gemeindefusion bereits in Weigsdorf-Köblitz. Genug hat er noch nicht - er stellt sich am Sonntag wieder zur Wahl. © SZ/Uwe Soeder

Cunewalde. Nachdem die ursprünglich für Juni geplante Bürgermeister-Wahl corona-bedingt ausfallen musste, wählt Cunewalde nun am 27. September. Amtsinhaber Thomas Martolock (CDU) tritt dabei gegen Gemeinderat Jürgen Holger Schulz (AfD) an. Sächsische.de wollte von beiden Kandidaten wissen, was ihre Ziele und Wünsche für die Gemeinde sind und auch, welche Herausforderungen im Falle ihrer Wahl auf sie warten.

Herr Martolock, als einer der dienstältesten Bürgermeister der Region sind Sie seit 26 Jahren im Amt. Haben Sie darüber nachgedacht, nicht mehr zu kandidieren?

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Nein, habe ich nicht. Und zwar nicht nur, weil ich erst 53 Jahre alt bin, sondern auch weil mein Kopf noch voller Pläne ist. Ich bin noch ehrgeizig wie am ersten Tag.

Haben Sie für die neue Amtszeit noch Visionen für die Gemeinde?

Natürlich! Im Regelfall sind das keine kurzfristigen Visionen, sondern Dinge, die langfristig wirken. Darunter gibt es Mammutprojekte, die man sich als Bürgermeister nicht aussuchen kann, da brauchen wir nur an unsere Waldwirtschaft zu denken. Es sind auch keine Hochwasser planbar, kein Corona und kein Waldsterben. Um diese unvorhersehbaren Aufgaben zu lösen, braucht man Weitblick und keinen Aktionismus. 

Planbar ist aber das Thema Strukturwandel. Cunewalde scheint weit weg vom Tagebau. Dennoch ereilt uns das Thema. Deshalb haben wir erste Projekte vor Augen, von denen wir denken, dass sie den Begriff Strukturwandel verdienen und die Fördermittel wert sind. Das greifbarste Beispiel ist die Sanierung der früheren Kinderkrippe in Weigsdorf-Köblitz. Dieses Projekt werden wir 2022 in die Realisierung geben. Ein zweites wichtiges Vorhaben ist, den Flächennutzungsplan der Gemeinde Cunewalde, der schon 20 Jahre alt ist, zu überarbeiten und für die nächsten 20 Jahre fitzumachen. Außerdem will ich im Rahmen des Strukturwandels Cunewalde als staatlich anerkanntem Erholungsort wieder die Bedeutung geben, die es vor 1990 hatte.

Das Pflegeheim und die Kita Wichtelland werden derzeit saniert, die Polenz-Oberschule ist fertig, der Ärztestandort wird ausgebaut – gibt es eine Aufgabe, die Ihnen im Hinblick auf die soziale Infrastruktur Kopfzerbrechen bereitet?

Im Bereich der medizinischen Versorgung nicht. Die Kinder- und Jugendarbeit wird Daueraufgabe bleiben. Aber auch das bereitet mir keine Kopfschmerzen. Wir haben seit zwei, drei Jahren den glücklichen Umstand, dass  unser Pfarrer sehr gute Jugendarbeit macht. Wir haben festangestellte Schulsozialarbeiter und eine gesicherte mobile Jugendarbeit. Durch diese Rahmenbedingungen bilden sich erste zarte Pflänzchen, die es weiter zu entwickeln gilt.

Im Bereich der Altenversorgung haben wir ein Vorhaben auf den Weg gebracht, das im Zusammenhang mit der geplanten Kinderkrippe steht. Die soll zur Hälfte Krippe, zur anderen Hälfte eine Stätte für die Altentagespflege werden. Dort sprechen wir schon mit einer potenziellen Betreiberin. Das sind natürlich keine schnellen Erfolge. Für die Vorbereitung bedarf es drei, vier Jahre.

Wie wollen Sie den Zuzug junger Familien in den kommenden Jahren weiter fördern?

Ich will den eingeschlagenen Weg genauso fortsetzen. Wenn Rückkehrer hier Grundbesitz erwerben wollen, führe ich sie auch schon mal samstags durch den Ort und zeige verfügbare Bestandsimmobilien und Bauplätze. Das ist Fleißarbeit. Dazu kommt, dass wir neue Bauplätze, vorzugsweise im Innenbereich, entwickeln müssen. Dabei müssen wir sensibel vorgehen, ohne den jungen Familien vorzuschreiben, was sie zu tun und zu lassen haben.

Wie wollen Sie Gewerbebetriebe im Ort halten und neue Ansiedlungen fördern?

Ich sehe meine Aufgabe darin, die vielen, kleinen Netzwerke wieder zusammenzuführen. Der Hauptfokus muss aber darauf zielen, das Bestandsgewerbe – also Industrie und Handwerk – zu unterstützen und zu motivieren, in kleinen Schritten zu wachsen und Krisen durchzustehen. Für Neuansiedlungen gibt es gerade im Industriebereich Städte und Gemeinden mit besseren Voraussetzungen. Da muss man über den Cunewalder Kirchturm gucken.

Seit Wochen finden an der B 96 Proteste statt. Besonders viele Teilnehmer stehen in Weigsdorf-Köblitz. Welches Angebot machen Sie diesen Menschen?

Es gibt tausend verschiedene Gründe, mit Dingen in diesem Land unzufrieden zu sein. Darüber kann man jederzeit miteinander sprechen. Ob der Straßenrand dafür der richtige Rahmen ist, bezweifle ich. Weder die Rathäuser noch der Reichstag sind Trutzburgen, und Demokratie kennt nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten. Wenn nur noch 0,5 Prozent der Cunewalder in Parteien engagiert sind, müssen sie sich auch an die eigene Nase fassen, wenn sie unzufrieden sind.

Gleichwohl halte ich das Demonstrationsrecht für ein unwahrscheinlich hohes Gut. Ich mache aber sehr wohl einen Unterschied: Wenn dort 500 Oberlausitz-Fahnen wehen, habe ich kein Problem damit. Problematisch finde ich jede einzelne Reichskriegsflagge, denn nicht alles, was nicht verboten ist, ist vertretbar.

Jürgen Schulz sitzt seit 2019 als Vorsitzender der AfD-Fraktion im Cunewalder Gemeinderat. Nun kandidiert er zur Bürgermeisterwahl.
Jürgen Schulz sitzt seit 2019 als Vorsitzender der AfD-Fraktion im Cunewalder Gemeinderat. Nun kandidiert er zur Bürgermeisterwahl. © Foto: privat

Herausforderer antwortet nicht auf Fragen von Sächsische.de

Jürgen Schulz kandidiert ebenfalls zur Bürgermeisterwahl in Cunewalde. Der 52-jährige gebürtige Cunewalder trat im Januar 2017 in die AfD ein. Seit 2019 sitzt er als deren Fraktionsvorsitzender im Cunewalder Gemeinderat. 

Sächsische.de wollte von ihm unter anderem wissen, weshalb er sich als politisch Spätberufener entschlossen hat, nun für das höchste Amt in der Gemeinde zu kandidieren, welche Schwerpunkte er im Falle seiner Wahl in seiner ersten Amtszeit setzen will, aber auch weshalb er für die AfD, die in Teilen als rechtsextrem gilt und vom Verfassungsschutz beobachtet wird, antritt und wie er sich etwa zum Thüringer Parteivorsitzenden Björn Höcke positioniert. Alle Fragen lagen Jürgen Schulz schriftlich vor. Eine Antwort darauf blieb er trotz mehrmaliger Nachfrage schuldig.

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