Sebnitz
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Alle Verdächtigen von Neonazi-Überfall in Sebnitz identifiziert

Mit Sturmhauben maskierte Rechtsextreme hatten ein von Flüchtlingen bewohntes Haus in Sebnitz attackiert. Jetzt hat die Polizei die mutmaßlichen Täter ermittelt.

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Maskiert und mit Eisenstange bewaffnet: Ein Handyvideo führte auf die Spur der Angreifer.
Maskiert und mit Eisenstange bewaffnet: Ein Handyvideo führte auf die Spur der Angreifer. © privat

Der Staatsschutz der Polizei hat alle vier Tatverdächtigen ermittelt, die am Überfall auf ein von Geflüchteten bewohntes Haus in Sebnitz im vergangenen Sommer beteiligt waren. Es handelt sich demnach um vier Deutsche im Alter von 20 bis 22 Jahren, die in Sebnitz und Bischofswerda leben, wie die Polizeidirektion Dresden jetzt mitteilt.

Dem Quartett wird vorgeworfen, an einem Samstagabend Ende Juli 2023 ein Mehrfamilienhaus an der Langen Straße in Sebnitz attackiert zu haben. Den polizeilichen Ermittlungen zufolge drangen zwei der Angreifer maskiert mit Sturmhauben in das Haus ein. Dort attackierten sie zwei 16- und 18-jährige afghanische Bewohner unter anderem mit einem Hammer sowie einem Metallrohr. Dabei riefen sie rassistische Parolen. Die beiden anderen Tatverdächtigen blieben vor dem Haus stehen und sicherten die Szenerie ab.

Der Fall sorgte überregional für Aufsehen, weil er an die rechtsextremen Übergriffe der 1990er-Jahre erinnerte, eine Zeit, für die inzwischen der Begriff "Baseballschlägerjahre" geprägt wurde.

Handyvideo führte auf Spur der Täter

Die Hausbewohner hatten den Angriff teilweise mit dem Handy gefilmt. Auf den Bildern sind zwei Vermummte im Hausflur zu sehen, einer davon hält eine Stange in der Hand. Er trägt ein T-Shirt mit schwarz-weiß-roter Reichsflagge und dem Bild eines Wehrmachtssoldaten.

Anhand des Videomaterials konnte die Polizei bereits am Tag nach dem Angriff den ersten Tatverdächtigen identifizieren, einen 20-Jährigen aus Sebnitz. Im Zuge umfangreicher Ermittlungen gerieten danach auch die übrigen drei in das Visier der Kriminalisten. Inzwischen wurden mit richterlichen Beschlüssen die Wohnungen der Tatverdächtigen in Sebnitz und Bischofswerda durchsucht. Dabei stellten die Ermittler verschiedene Beweismittel sicher.

Gegen die Tatverdächtigen wird unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, Volksverhetzung sowie Hausfriedensbruch ermittelt. Ein 18-jähriger afghanischer Hausbewohner war nach früheren Angaben geschlagen und gegen die Wand gestoßen worden, er musste danach ambulant medizinisch versorgt werden. Der 16-Jährige afghanische Jugendliche blieb unverletzt. (SZ)