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Überfall auf Flüchtlinge in Sebnitz: Polizei ermittelt ersten Tatverdächtigen

Am Samstagabend wurde ein Wohnhaus von Flüchtlingen in Sebnitz attackiert. Einen der Angreifer hat die Polizei jetzt ermittelt.

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Nach dem Angriff: Die Polizei sichert Spuren in der Umgebung des Gebäudes in Sebnitz.
Nach dem Angriff: Die Polizei sichert Spuren in der Umgebung des Gebäudes in Sebnitz. © privat

Wenige Stunden nach dem Angriff auf junge Geflüchtete aus Afghanistan in Sebnitz hat die Polizei den ersten mutmaßlichen Täter identifiziert. Es handelt sich um einen 20-jährigen Deutschen aus Sebnitz, wie die Polizei am Montag mitteilte.

Mit einer Sturmhaube maskiert soll er mit gemeinsam mit einem zweiten, ebenfalls maskierten Mann in das Haus an der Lange Straße eingedrungen sein. Dort habe der 20-Jährige zwei afghanische Hausbewohner im Alter von 16 und 18 Jahren mit einer Stange attackiert. Dabei soll er fremdenfeindliche Parolen gerufen haben.

Der Vorfall ereignete sich am Samstagabend gegen halb elf. Insgesamt waren laut ersten Angaben vier Angreifer daran beteiligt. Die Haustür des Mehrfamilienhauses wurde gewaltsam aufgetreten, zwei der Männer drangen in den Hausflur ein, zwei weitere blieben draußen im Hof. Ein 18-jähriger afghanischer Hausbewohner wurde laut Polizeiangaben geschlagen und gegen die Wand gestoßen, er und ein 16-jähriger Mitbewohner außerdem mit Gegenständen beworfen.

Zwei Männer drangen durch die Haustür in das Gebäude ein, zwei weitere blieben laut aktuellem Ermittlungstand im Hof.
Zwei Männer drangen durch die Haustür in das Gebäude ein, zwei weitere blieben laut aktuellem Ermittlungstand im Hof. © Karl-Ludwig Oberthür

Erst als weitere Bewohner hinzukamen, flohen die Angreifer. Der 18-jährige Betroffene musste danach ambulant medizinisch versorgt werden. Der 16-Jährige blieb unverletzt.

Handyvideo zeigt Angriff im Hausflur

Die herbeigerufene Polizei konnte die Tatverdächtigen zunächst nicht ausfindig machen. Es existiert allerdings ein Handyvideo des Angriffs aus dem Hausflur. In dem Video sind zwei vermummte Männer zu sehen, einer hat eine Stange in der Hand und trägt ein T-Shirt mit schwarz-weiß-roter Reichsflagge und dem Bild eines Wehrmachtssoldaten.

Mit Hilfe des Videos und einer markanten Personenbeschreibung kamen die Ermittler trotz der Vermummung schnell auf die Spur des 20-Jährigen. Gegen ihn wird nun unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung sowie Hausfriedensbruch ermittelt.

Die Identität des zweiten maskierten Angreifers, der ebenfalls in das Haus eindrang, ist bislang noch nicht bekannt. Nach dem Komplizen werde noch gefahndet, erklärte die Polizei am Montag. Zudem prüft die Kriminalpolizei, in welchem Umfang die beiden weiteren Männer, die sich vor dem Haus aufhielten, an der Tat beteiligt waren.

Angegriffene zuvor rassistische beleidigt

Im Rahmen der Ermittlungen ist zudem eine weitere Straftat bekannt geworden. Demnach sind die beiden betroffenen 16- und 18-jährigen Hausbewohner drei Stunden vor dem Übergriff von zwei Unbekannten rassistisch beleidigt worden. Die Tat ereignete sich auf der Bahnhofstraße in Sebnitz. Hierzu wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung eingeleitet. Ob die zwei Straftaten im Zusammenhang stehen, ist derzeit Gegenstand der Ermittlungen.

Das Mehrfamilienhaus an der Langen Straße in Sebnitz gehört der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Wobau. In den fünf einzelnen Wohnung sind Flüchtlinge untergebracht, aufgrund der Wohnungsgröße vorrangig Familien, wobei die Belegung häufig wechselt. Als 2015/2016 verstärkt Unterkünfte für Flüchtlinge gesucht wurden, wurde das zuvor leerstehende Haus wieder bewohnbar gemacht. Dabei wurde im Außenbereich auch eine Videoüberwachung installiert. Inwieweit die Aufnahmen dieser Kamera den Vorfall aufgezeichnet haben, ist noch nicht bekannt. Die Ermittlungen dauern an. (SZ/dis)

Die Polizei fragt: Wer hat Wahrnehmungen im Zusammenhang mit der Straftat gemacht? Wer hat verdächtige Personen im Umfeld des Tatortes gesehen? Hinweise nimmt die Polizeidirektion Dresden unter der Rufnummer 0351 483 2233 entgegen.