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Im neuen Theaterclub Kleinwachau spielen Menschen mit und ohne Einschränkungen

Beim neuen inklusiven Theaterclub im Epilepsiezentrum Kleinwachau spielen Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam Theater. Ein Proben-Besuch.

Von Rainer Könen
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Jana Noltenius (l.) und Annett Paschke vom neuen Theaterclub Kleinwachau proben das Theaterstück "Der rote Faden" im Epilepsiezentrum.
Jana Noltenius (l.) und Annett Paschke vom neuen Theaterclub Kleinwachau proben das Theaterstück "Der rote Faden" im Epilepsiezentrum. © Sven Ellger

Kleinwachau. "Wie geht es euch?", will Frank Hohl von Jana, Annett, Jürgen und den anderen wissen. Eine Frage, auf die es keine oder tausend Antworten gibt. Der Theaterpädagoge schaut in ihre Gesichter, einige nicken ihm zu, andere lachen ihn an. Jaja, ihm gehe es ganz gut, meint Jürgen. Annett muss da kichern und Silke findet, dass "alles in Ordnung" sei.

Jana schaut ebenfalls recht entspannt. "Wenn ich hierherkomme, geht es mir eigentlich immer gut", meint die 52-Jährige. An diesem Donnerstag ist ja Theaterzeit. Es ist wieder die Zeit, sich selbst und seine Mitspieler etwas näher kennenzulernen.

Vor dem Brunnenhaus des Epilepsiezentrum Kleinwachau sitzen an diesem sonnigen Aprilnachmittag zehn Frauen und Männer auf Stühlen und Bänken, warten darauf, dass es losgeht, mit den Proben für "Der rote Faden", einem Stück aus der griechischen Mythologie. Annett und Silke freuen sich nicht nur auf ihre Kostüme, sondern vor allem auf die Musik, die Theaterpädagoge Frank Hohl heute bei den szenischen Proben vorspielen wird. Folkloristisches aus dem Land der Hellenen wird zu hören sein und ein wenig Filmmusik.

"Diese Begegnungen bringen mich persönlich weiter"

Im Kirchsaal wird geprobt. Hier treffen sich allwöchentlich Männer und Frauen im Alter von 27 bis 63 Jahren, um gemeinsam Theater zu spielen. Hier stehen Menschen ohne und mit körperlich-geistiger Behinderung auf der Bühne.

Jana Noltenius gehört zu denen, die von Beginn an dabei sind. Die in Liegau-Augustusbad lebende Frau, die in der Öffentlichkeitsarbeit eines regionalen Unternehmens tätig ist, wollte schon immer Theater spielen. Das habe nur nie geklappt. Vor einem Jahr erfuhr sie vom inklusiven Theaterclub. Gemeinsam mit behinderten Menschen Theater zu spielen, deren Lebenswelt kennenzulernen, empfindet sie als "Herausforderung und Bereicherung" zugleich, und dass "diese Begegnungen mich auch persönlich weiterbringen".

Die trifft Menschen wie Annett oder Silke, die sie ohne das Theater vermutlich nie kennengelernt hätte. Die 53-jährige Annett Paschke gehört in dem derzeit 13-köpfigen Ensemble zu denjenigen, die ihr körperliches Handicap schnell vergessen, wenn geprobt wird. Im neuen Stück spielt sie einen Wächter. Gefällt ihr die Rolle? Heftiges Kopfnicken; "ist toll, ja".

Bei den Proben des Laientheaters muss oft improvisiert werden

Seit April 2022 gibt es im Epilepsiezentrum Kleinwachau diesen generationenübergreifenden inklusiven Theaterklub. Leiter des wohl derzeit einzigen Laientheater-Ensembles im Rödertal ist der Theaterpädagoge Frank Hohl, welcher an diesem Tag eine Durchlaufprobe angesetzt hat. An diesem Tagen sollen alle Szenen des neuen Stücks gespielt werden.

Denn die nächste Aufführung steht vor der Tür: Sie findet am Sonntag, 23. April, im Seifersdorfer Schloss statt. Da will die Laienspielschar das Publikum erneut begeistern, wie schon bei der Premiere vor einigen Wochen. Hohl erzählt, dass bei den Proben oft improvisiert werden muss. Aber, das gehöre halt auch zum Theater, wie das Reagieren auf ungewohnte Situationen, etwa wenn Annett, Silke oder Jürgen vor Aufregung ihren Text, den sie eigentlich draufhaben müssten, vergessen. "Da muss man sich schnell was einfallen lassen, damit es weitergeht", so Jana Noltenius, die sich im inklusiven Theaterclub pudelwohl fühlt.

Entstanden ist der im April 2022 aus einer Kooperation des Epilepsiezentrums Kleinwachau und dem Staatsschauspiel Dresden, das im Rahmen des Projektes "X-Dörfer" Kulturpartner in Gemeinden außerhalb Dresdens sucht, um Impulse für eine Kultur des Miteinanders umzusetzen.

Laien leben den Traum vom Theater in Kleinwachau

Das gelingt in einem inklusiven Theaterclub wie dem in Kleinwachau recht gut. Hier haben sich Menschen aus Radeberg, Kleinwachau oder Ottendorf-Okrilla gefunden, leben ihren Traum vom Theater. Wie etwa der 27-jährige Jürgen, der im Rollstuhl sitzt und stolz auf seine kleine Rolle ist, die er im neuen Stück hat. Oder die Amerikanerin Cynthia Hewlebower, die in einem Fotostudio arbeitet und davon erzählt, dass sie sich in der Gruppe gut aufgehoben fühlt.

Aber das Ensemble will ja nicht nur proben, sondern dem Publikum zeigen, was alles an Kreativität möglich ist, wenn Menschen mit und ohne Behinderung auf der Bühne stehen. Frank Hohl erzählt von der ersten Aufführung des Theaterclubs. Das war im vergangenen Sommer. Da wurde in der Kleinwachauer Kirche eine modernisierte Version von Dornröschen und Schneewittchen aufgeführt. Das sei bei den Besuchern prima angekommen, schwärmen die Darsteller.

Nun kommt also das zweite Stück des inklusiven Theaterclubs. Bei dem werden, so viel darf man verraten, die Zuschauer eine nicht unwesentliche Rolle haben werden. Was Annett "mächtig cool" findet.

Mitspieler sind beim inklusiven Theaterclub willkommen. Mitmachen kann jeder mit oder ohne Theatererfahrung. Bei den Proben kann man jederzeit vorbeischauen. Geprobt wird jeden Donnerstag ab 17.30 Uhr im Kirchsaal/Brunnenhaus des Epilepsiezentrums Kleinwachau. Weitere Informationen gibt es vom Theaterpädagogen Frank Hohl, Tel: 0177/ 4433870.