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Weshalb Dresdner nach Radeberg ziehen

Die Röderstadt wird offenbar immer interessanter für junge Familien. Eine von ihnen erzählt warum.

Familie Mellenthin ist im April von Dresden nach Radeberg gezogen. Yona (6), Danny (39), Lydia (37), Wylma (2) und Henry (9) leben jetzt in einer 100-Quadratmeter-Wohnung an der Waldstraße. Hier fehlt ihnen nichts, sagen sie.
Familie Mellenthin ist im April von Dresden nach Radeberg gezogen. Yona (6), Danny (39), Lydia (37), Wylma (2) und Henry (9) leben jetzt in einer 100-Quadratmeter-Wohnung an der Waldstraße. Hier fehlt ihnen nichts, sagen sie. © Sven Ellger

Radeberg.  Als Lydia und Danny Mellenthin ihren Freunden von den Plänen erzählten, ernteten die beiden erstmal Erstaunen und Unverständnis: „Ausgerechnet Radeberg? Was wollt ihr denn dort? Da ist doch nichts los. Überlegt euch das besser noch mal“, waren die häufigsten Reaktionen aus ihrem Bekanntenkreis. Doch der Entschluss der Familie stand fest. Anfang April packten sie ihre Koffer und zogen von der Dresdner Neustadt nach Radeberg in das neu errichtete Mehrfamilienhaus der Wohnungsbaugenossenschaft (WBG) an der Waldstraße. Das war das Beste, was ihnen passieren konnte, sagen die beiden heute.

Den Gedanken, aus der Neustadt wegzuziehen, hatten Lydia und Danny schon einige Zeit. „Das Flair hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Fast jede Lücke ist zugebaut worden. Es fehlt das Grün“, sagt Danny. Dazu der viele Autoverkehr, der Lärm und die Hektik. Auch der Zusammenhalt, den es früher in dem Viertel einmal gegeben hat, sei zunehmend verschwunden. Vor allem aber haben die beiden wegen der Kinder über einen Umzug nachgedacht. „Klar, es gibt auch in der Neustadt Spielplätze. Aber gerade unsere Kleinen, die jetzt zwei und sechs Jahre alt sind, können nur in Begleitung dorthin“, sagt Lydia. Der Hof hinter ihrem damaligen Wohnhaus gab zum Spielen auch nicht viel her. „Außerdem mussten sich sie in Dresden immer mit ihren Freunden verabreden. Die Treffen mussten gut geplant werden. Jetzt ist es so, dass die Kinder wegen der kurzen Wege einfach bei uns zur Terrassentür reinschauen.“

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Wunsch-Wohnung mit großer Terrasse bekommen

Zudem wurde den Mellenthins die Wohnung zu klein. „Für eine größere hätten wir in Dresden deutlich mehr bezahlen müssen. Rund 1500 Euro werden für eine Vier-Zimmer-Wohnung in der Landeshauptstadt schon fällig“, sagen sie. Dass die Familie nach Radeberg gezogen ist, ist einem Zufall zu verdanken. Schon vor Jahren hatten sie sich in der Sparte in Radeberg einen Kleingarten zugelegt, um an den Wochenenden aus der Stadt rauszukommen. Ein Bekannter dort machte sie auf das Mehrgenerationenhaus der WBG an der Waldstraße aufmerksam. „Er ließ nicht locker, bis wir uns das damals noch im Bau befindliche Haus angesehen hatten“, erzählt Lydia.Die Anlage gefiel den jungen Leuten. „Als wir das erste mal mit den Kindern hier waren, stand nur der Rohbau. Aber auch damals schon waren Yona, Wylma und Henry begeistert.“ 

Auch das Konzept, hier verschiedene Generationen unter einem Dach zusammenzubringen und den Nachbarschaftsgedanken großzuschreiben, überzeugte sie. Die Entfernung zu Dresden war für sie auch kein Thema: Lydia ist als Gebietsleiterin einer Vertriebsfirma für Dentalprodukte ohnehin viel unterwegs. Danny hat ein Studio für Filmbearbeitung in Dresden. „Diese Entfernung ist für mich machbar. Mit dem Auto brauche ich 20 Minuten. Genauso schnell geht es mit der Bahn.“ Sie bewarben sich als eine der ersten für eine Wohnung. Füllten den Fragebogen aus, trafen sich mit WBG-Mitarbeitern zum „Bewerbungsgespräch“. „Als Familie waren wir vielleicht Zielgruppe. Jedenfalls bekamen wir den Zuschlag.“ Als es dann noch die Wunschwohnung war, waren sie überglücklich. Jetzt leben sie auf rund einhundert Quadratmetern, verteilt über zwei Etagen, mit einer Terrasse, davor Wiese und ein unverstellbarer Blick auf die Dresdner Heide. Sie sind froh, diesen Schritt gemacht zu haben.

Viele Dresdner kaufen in Radeberg Grundstücke

Inzwischen haben Lydia und Danny viel Besuch bekommen. Die Dresdner Freunde wollten schließlich wissen, wie es sich so wohnt in Radeberg. „Mittlerweile ärgern sich einige, dass sie nicht selbst hierher gezogen sind.“ Auch die Mellenthins vermissen nichts. „Wenn wir mal ausgehen wollen, liegt Dresden ja gleich um die Ecke.“ Freilich, das Haus an der Waldstraße ist etwas Besonderes. Für 8,7 Millionen Euro hat die Wohnungsgenossenschaft die Anlage mit insgesamt 38 Wohnungen plus einem großen Gemeinschaftsraum errichtet. Der Großteil sind Wohnungen mit drei und mehr Zimmern. „Der Notstand bei großen Wohnungen gerade auch in Dresden ist ja bekannt. Das ist in die Planungen der WBG mit eingeflossen“, sagt Anne Pietag, die für die WBG arbeitet. Die Nachfrage gab der WBG recht. Alle Wohnungen waren binnen kurzer Zeit vermietet ohne, dass groß Werbung dafür gemacht werden musste.

Auch bei Sven Lauter, Geschäftsführer von der Städtischen Wohnbau Radeberg, haben in den vergangenen Monaten viele Dresdner angeklopft. Sie machen einen Großteil der Interessenten und Käufer der Grundstücke des neuen Bauabschnittes am Standort Am Sandberg aus. „Nach meiner Schätzung kommen 35 Prozent der Interessenten aus Radeberg, fünf Prozent aus dem Umland und der Rest, also deutlich mehr als die Hälfte aus Dresden“, sagt er. Die Gründe: „Sie finden dort kein geeignetes Grundstück. Wenn doch noch etwas frei ist, dann ist es teuer. Wir hatten jetzt offenbar das richtige Angebot.“Nur noch zwei der 55 Wohnbauflächen sind zu haben. Auch die Wohnbau plant den Bau eines Mehrfamilienhauses an der Richard Wagner-Straße. 2022 sollen die Arbeiten beginnen. Hier sind viele große Wohnungen geplant.

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