merken
PLUS Radebeul

Aller guten Dinge sind fünf!

Auf dem Bahnhof Coswig wird derzeit das letzte Gleis für den Personenverkehr erneuert. Dabei gibt es eine besondere Schwierigkeit.

Hier entsteht das neue Gleis 5 im Bahnhof Coswig. Es wird über eine lange, flache Rampe erreichbar sein und soll im kommenden Februar wieder in Betrieb gehen.
Hier entsteht das neue Gleis 5 im Bahnhof Coswig. Es wird über eine lange, flache Rampe erreichbar sein und soll im kommenden Februar wieder in Betrieb gehen. © Arvid Müller

Coswig. Sechs Meter sind die Spundwände lang, die bis zur guten Hälfte in die Erde gerammt worden sind. Das, was rausguckt, ist dazu da, rechts und links vom zukünftigen neuen Gleis 5 auf dem Coswiger Bahnhof zu verhindern, dass die Erde in die Baugrube rutscht (siehe Foto). Mit mächtigen Trägern und Rohren werden die Spundwände gespreizt, bis dann irgendwann der Beton für das neue Gleis gegossen ist. Das Gleis 5 ist das letzte, wenn es fertig ist, dann sind alle Gleise für den Personenverkehr im Bahnhof erneuert. Ziel des Ganzen: den Fahrgästen einen stufenlosen Zugein- bzw. -ausstieg zu ermöglichen.

Um das zu erreichen, wird eine 70 Meter lange Rampe gebaut, die mit einer Steigung von nur sechs Prozent den Reisenden, auch Rollstuhlfahrern, künftig einen barrierefreien Zugang ermöglichen soll, weil auch der Bahnsteig selbst angehoben wird. Die Rampe wird vollständig überdacht, und das Dach überspannt auch einen Teil des Bahnsteiges und bietet den Reisenden so einen umfassenden Wetterschutz. „Außerdem werden Blindenleitsystem, Wegweiser und die Beleuchtung ergänzt bzw. erneuert“, so Jörg Bönisch, der DB-Sprecher für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

LandMAXX - Baumärkte und Baustoffzentren
Mitten in Sachsen, ganz nah am Menschen
Mitten in Sachsen, ganz nah am Menschen

LandMAXX ist der freundliche, kreative und innovative Nahversorger für alle, die in Haus, Hof und Garten gern selbst anpacken.

Begonnen haben die Arbeiten am 22. April, „und am 4. Februar kommenden Jahres soll das Gleis 5 im Coswiger Bahnhof wieder in Betrieb gehen“, sagt der zuständige Projektleiter der Deutschen Bahn, Mathias Domschke. Er erklärt, dass der neue Bahnsteig rund 140 Meter lang sein wird und dass er für den bequemen Ein- und Ausstieg erhöht wird. Am Ende werde die Rampe als Gehweg den Personentunnel mit Bahnsteig 5 verbinden.

Seit Ende April sind nicht nur die Züge von Gleis 5 auf die anderen Gleise umgeleitet, sodass es keine Zugausfälle gibt, sondern auch die von Gleis 4. Denn darin besteht die besondere Schwierigkeit der laufenden Bauarbeiten: Die beiden Gleise liegen sehr nah beieinander, sodass mit jedem Zentimeter Platz gespart werden muss. Und das schon fertige Gleis 4 muss auf der Länge des neuen Gleises 5 noch einmal herausgerissen und neu verlegt werden, damit es am Ende wieder allen Sicherheitsvorschriften genügt.

Mathias Domschke erklärt, dass die Bahnsteige 1 bis 4 schon zwischen 2013 und 2015 modernisiert und stufenfrei ausgebaut worden sind. Was das Ganze kostet, lautet die Frage: Insgesamt investieren Bund und Deutsche Bahn rund 4,5 Millionen Euro in die letzte wichtige Maßnahme für den barrierefreien Ausbau des Bahnhofs Coswig, lautet die Antwort. An den Planungskosten habe sich auch der Verkehrsverbund Oberelbe beteiligt, sodass die Strecke für den Personennahverkehr bald mit 100 Stundenkilometern befahren werden kann, so Mathias Domschke.

Gleis 5 im Coswiger Bahnhof wieder in Betrieb gehen - sagt DB-Projektleiter Mathias Domschke.
Gleis 5 im Coswiger Bahnhof wieder in Betrieb gehen - sagt DB-Projektleiter Mathias Domschke. © Arvid Müller

Das Bauvorhaben ist Bestandteil des DB-Programms „Neues Netz für Deutschland“ für Mobilität und Klimawende. „Rund 650 Millionen Euro stehen 2021 für die Infrastruktur in Sachsen zur Verfügung. 100 Kilometer Gleise, 80 Weichen und zehn Eisenbahnbrücken packt die DB in diesem Jahr mit der Rekordsumme an“, erklärt der zuständige DB-Sprecher Jörg Bönisch.

Außerdem modernisiert die Deutsche Bahn 35 Haltepunkte und Bahnhöfe – darunter den Dresdner Hauptbahnhof. Auch mittlere und kleinere Stationen wie Borna, Flöha, Görlitz, Dresden-Plauen und eben auch Coswig profitieren von den Investitionen.

Während es an den Gleisen vorangeht, dämmert das schöne Bahnhofsgebäude vor sich hin, innen sind schon Decken eingebrochen (SZ berichtete). Ob die Stadt, auch wenn sie nicht Eigentümer des Bahnhofsgebäudes ist, nicht etwas tun könnte, lautet die Frage an Oberbürgermeister Thomas Schubert (parteilos): „Ich habe mir die Schäden angesehen und wir haben einen Interessenten gefunden, der in dem denkmalgeschützten Gebäude ein Büro- und Geschäftshaus einrichten könnte. Die Entscheidung dazu steht aber noch aus.“

Mehr zum Thema Radebeul