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Weg frei für Haushebungen

Der Coswiger Stadtrat stimmt zu, dass Bund und Land Fördermittel in Höhe von 10,5 Millionen Euro für den Hochwasserschutz in Brockwitz geben.

Von Udo Lemke
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So sah es an der Niederseite in Brockwitz zuletzt beim Elbehochwasser im Juni 2013 aus. Mit der Haushebung sollen solche Bilder der Vergangenheit angehören.
So sah es an der Niederseite in Brockwitz zuletzt beim Elbehochwasser im Juni 2013 aus. Mit der Haushebung sollen solche Bilder der Vergangenheit angehören. © Olaf Lier Coswig

Coswig. Wenn es Fördergelder für die Stadt gibt, dann fast immer nur, wenn sie selbst anteilig für das zu fördernde Projekt bezahlt. Diesmal ist es jedoch anders: Der Bund und der Freistaat Sachsen teilen sich in die 10,5 Millionen Euro, die aufgewendet werden sollen, um die sogenannte Niederseite des Coswiger Ortsteils Brockwitz künftig vor den Hochwassern der Elbe zu schützen. Am Mittwoch musste - paradox genug - der Stadtrat quasi darüber abstimmen, ob er das Geld annimmt oder nicht, denn nur so kann die Stadt die entsprechenden Förderanträge stellen. Wie die Abstimmung ausgegangen ist, versteht sich von selbst.

Zur Erinnerung, wofür das Geld eigentlich ausgegeben werden soll: "Wir haben auf der Niederseite ein Hochwasser-Problem in Brockwitz, einen klassischen Deich wird es dort an der Elbe nicht geben", erklärte Ordnungsamtschef Olaf Lier, der das Projekt Haushebung seit Jahren mit großer Energie verfolgt. Er hatte vorgerechnet, dass ein drei Meter hoher Deich an der Basis 31 Meter breit sein und somit sehr viel Fläche verbrauchen würde, die der Elbe wiederum als Ausdehnungsraum fehlen würde. Außerdem würde er den Blick auf die Elbe versperren und müsste aufwendig instand gehalten werden. Deshalb wurde die Idee der Haushebung aufgegriffen. Danach sollen die 24 Häuser an der Niederseite in Brockwitz, die sowohl bei den Elbe-Hochwassern 2002 als auch 2013 überflutet worden sind, zwischen 1,60 Meter und 3,63 Meter angehoben werden, um sie künftig nachhaltig zu schützen. Durch Anhebung der einzelnen Gebäude und die anschließende Geländeanpassung würden die Häuser höher als der ermittelte Wasserstand bei einem 100-jährigen Hochwasser stehen. Die Grundstückseigentümer und die Anwohner der Brockwitzer Niederseite wurden von Anfang an in den Prozess mit einbezogen, hatte Olaf Lier im Juni in der SZ erklärt.

Die Technologie, Häuser mit und ohne Bodenplatte, ja selbst aus Bruchsteinen, anzuheben ist technisch machbar und schon anderorts erprobt worden. Das vorgesehene Verfahren habe inzwischen Beachtung im In- und Ausland gefunden, sodass die Bundesrepublik Deutschland und der Freistaat Sachsen das Projekt finanziell umfangreich unterstützen möchten, heißt es in der Beschlussvorlage für den Stadtrat. "Die Haushebung in Brockwitz ist als innovatives Modellvorhaben zur Weiterentwicklung der Städtebauförderung vorgesehen. Hier werden Projekte gefördert, die später die Förderbedingungen für andere Bauvorhaben weiterentwickeln."

Wie soll es nun weitergehen? Am 30. September fand ein Koordinierungsgespräch mit Vertretern des zuständigen Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung sowie von Bundes- und Landesministerien, von Regionalplanern, der Stadt und der Sächsischen Aufbaubank statt. Damit waren die konzeptionellen Vorarbeiten so weit abgeschlossen, dass Fördermittelanträge jetzt gestellt werden können, wozu der Stadtrat Oberbürgermeister Thomas Schubert (parteilos) ermächtigte.

Bleiben zwei Fragen offen. Erstens: Machen alle 24 Hauseigentümer bei dem Projekt mit? Schließlich geht es um ihre Häuser und Grundstücke. Derzeit sind wohl 23 dazu bereit. Olaf Lier hatte in der SZ erklärt, dass den 24 Privateigentümern der betroffenen Häuser klare Perspektiven aufgezeigt werden müssten: „Sie sagen alle, ich würde ja mitmachen, ich muss aber wissen, was ich an Geld bekomme und in welcher Höhe ich mich selbst beteiligen muss.“ Das Geld berührt die zweite Frage: Der Bund war bereit, neun Millionen Euro für das Projekt zu geben, der Freistaat Sachsen nur etwa fünf. Da hälftig gefördert werden soll, sind derzeit nur die oben genannten 10,5 Millionen Euro im Fördertopf. Es könnten weitere 7,5 Millionen sein, wenn das Land bereit wäre, anteilig entsprechend mehr zu geben.