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Ein 23-Jähriger gibt den Takt vor

Der Männerchor Liederkranz 1844 in Radebeul hat einen neuen Chorleiter. Es soll nicht die einzige Verjüngung bleiben.

Der neue Chorleiter Hannes Rauschelbach probt mit den Männern des Liederkranzes 1844 im Festsaal des Hotels Goldener Anker. Der Raum bietet reichlich Platz, um beim Singen den derzeit geforderten Abstand zu halten.
Der neue Chorleiter Hannes Rauschelbach probt mit den Männern des Liederkranzes 1844 im Festsaal des Hotels Goldener Anker. Der Raum bietet reichlich Platz, um beim Singen den derzeit geforderten Abstand zu halten. © Norbert Millauer

Radebeul. Hannes Rauschelbach steht vor einer Gruppe Radebeuler im Festsaal des Hotels Goldener Anker. Auf sein Zeichen hin, stehen die Herren von ihren Stühlen auf, fangen an, durch Kreisbewegungen ihre Schultern zu lockern. Durch auf- und absteigende Tonfolgen, die Rauschelbach vorgibt, singen sich die Männer ein. Dann stimmen sie nach einander die Weihnachtslieder „Still senkt sich die Nacht hernieder“, „Oh du fröhliche“ und „Es ist ein Ross entsprungen“ an. Durch Händeklatschen gibt Rauschelbach den Takt vor.

Nach dem Auftritt beim Weinfest hat der Männerchor Radebeul Liederkranz 1844 den regulären Probetrieb wieder aufgenommen. Durch die Corona-Pandemie war dieser unterbrochen. Nun probt der drittälteste Männerchor im Ostsächsischen Chorverband immer montags von 19 bis 21 Uhr und bereitet sich auf Auftritte in der Weihnachtszeit vor, wie zum Beispiel das gemeinsame Adventssingen der Radebeuler Chöre. Alle Beteiligten hoffen, dass dies trotz Corona irgendwie stattfinden kann.

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Dass die Männer im Saal den Anweisungen des 23-Jährigen folgen, hat einen Grund. Rauschelbach ist der neue Leiter des Traditionschores. Der Student an der Hochschule für Musik in Dresden hat im März dieses Jahres diese Position übernommen. Nach der coronabedingten Zwangspause startet nun das Chorleben wieder durch. „Der warme Klang von Tenor, Bariton und Bass gefallen mir“, sagt der gebürtige Jenaer.

Der Singekreis peppt sein Repertoire auf.

In seiner Heimat sang er bereits seit der zweiten Klasse. „Ich bin mit Chorgesang aufgewachsen“, berichtet Rauschelbach, der in seiner Geburtsstadt selbst in einem Männerchor sang. In Gemeinschaft Musik zu schaffen, fasziniert ihn bis heute daran. Daher hat er sich auch für ein Studium der Chorleitung entschieden. 

„Mit einem Auftritt setzt man sich ein Ziel und probt dafür“, sagt Rauschelbach. Aber nicht wie im Sport, wo jeder gegen jeden antritt, - hier arbeitet man zusammen. „Gemeinsam möchte man ein Ziel erreichen und die Menschen durch unseren Gesang glücklich machen“, ist für Rauschelbach ein Motivgrund, warum er die Leitung des Radebeuler Männerchors übernommen hat.

Rund 300 Lieder hat der aus 24 Sängern bestehende Chor in seinem Repertoire, vor allem klassische Volkslieder sowie Liedgut aus der Region, speziell Weinlieder. Mit Rauschelbach planen sie nicht nur eine Verjüngung bei der musikalischen Leitung, sondern auch beim Liedgut. Hier wollen sie auch englischsprachige und poppigere Lieder in ihren Bestand aufnehmen und bei Konzerten aufführen. 

Rauschelbach denkt hierbei beispielsweise an ein spezielle Arrangements für Männerchöre von „Bridge over Troubled Water“ - einem Popklassiker des US-amerikanischen Folk-Rock-Duos Paul Simon und Art Garfunkel. Aber auch Barbershop-Gesang, eine überwiegend homophone A-cappella-Musik, die ihren Ursprung in Amerika hat, möchte Rauschelbach mit dem Chor angehen.

Der Männerchor sucht neue Sänger.

Durch eine Erweiterung des Repertoires hofft der Männerchor, neue Mitstreiter zu finden, die neben Lust am Singen auch Interesse am Chorleben mitbringen. Dazu zählen nicht nur die wöchentlichen Proben immer montags in ihrem Vereinslokal, dem Goldenen Anker - ist dieser ein Feiertag, findet die Probe am darauffolgenden Mittwoch zur gleichen Zeit statt. Sondern sie unternehmen auch Ausflüge, Probenwochenenden sowie gemeinsame Fahrten zu befreundeten Sängerkreisen, wie zum Beispiel im Erzgebirge oder der Radebeuler Partnerstadt St. Ingbert im Saarland.

Am 19. Mai 1844 haben sangesfreudige Gewerbetreibende in Kötzschenbroda den Männergesangsverein Liederkranz ins Leben gerufen. Von den jetzt 24 Sängern ist der jüngste 55 Jahre und der älteste 94 Jahre alt. „Unsere Situation ist prekär. Wir müssen schnell handeln“, meint der Zweite Vorsitzende Volkmar Kretzschmar in puncto Suche nach neuen Mitgliedern. Denn bereits jetzt ist absehbar, dass schon bald acht bis neun Sänger aus Altersgründen aus dem aktiven Gesang ausscheiden werden. „Wir brauchen unbedingt neue Mitglieder, ansonsten ist der Chor bald nicht mehr singfähig“, so Kretzschmar.

Alle Chormitglieder halten daher in ihrem Umfeld Ausschau. Zudem haben sich fünf zu einer Arbeitsgruppe zusammengetan, um gezielt neue Sänger zu werben. Diese müssen nicht aus Radebeul kommen. Zum Singekreis gehören auch Dresdner, Coswiger und Weinböhlaer. Die weiteste Anreise nimmt ein Mitglied aus dem brandenburgischen Forst regelmäßig auf sich.

Vor dem Chor und seinem neuen Chorleiter liegt ein Neuaufbau des Liederkranzes. Sie eint ein Ziel, und zwar das die Tradition des Männergesangs in Radebeul eine Zukunft hat. Denn eins wollen die Herren nicht: trotz der letzten harten Monate durch die Corona-Pandemie aufgeben. Der erste Anfang zum Neustart ist mit Chorleiter Rauschelbach erfolgt. Nun sollen weitere, die Freude am Singen haben, folgen.

Wer Interesse hat, beim Männerchor mitsingen zu wollen, kann sich per E-Mail an [email protected] oder [email protected] melden.

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