merken
PLUS Radebeul

Gärten verwandeln sich in Galerien

In Radebeul findet am dritten Juliwochenende zum zweiten Mal „Kunst geht in Gärten“ statt. Wieder öffnen sich kleine Paradiese für Besucher.

Gerlinde Queißer betrachtet in ihrem Garten das Bild „Summertime“ ihres Mannes Max Manfred Queißer. Am 17. und 18. Juli dieses Jahres zeigt sie in den Nachmittagsstunden weitere Arbeiten.
Gerlinde Queißer betrachtet in ihrem Garten das Bild „Summertime“ ihres Mannes Max Manfred Queißer. Am 17. und 18. Juli dieses Jahres zeigt sie in den Nachmittagsstunden weitere Arbeiten. © Norbert Millauer

Radebeul. Es ist ein wahres Kleinod, was sich hinter großem Grün wie einer afrikanischen Eiche und einer Villa südlich der Straßenbahnhaltestelle Gradsteg an der Meißner Straße verbirgt. Oleander blühen, Farne sprießen, Blauregen rangt an der Hausfassade. „Wir sind 1976 wegen des Gartens hierhergezogen. Das Haus war eigentlich kaum noch bewohnbar“, sagt Gerlinde Queißer. Das grüne Idyll hat sie mit ihrem im Mai vor fünf Jahren verstorbenen Mann, dem Maler Max Manfred Queißer, gehegt und gepflegt, die Villa wieder auf Vordermann gebracht.

Familie und Kinder
Familienzeit auf sächsische.de
Familienzeit auf sächsische.de

Sie suchen eine Freizeitplanung oder Erziehungsrat? Wir unterstützen Sie mit Neuigkeiten sowie Tipps und Tricks Ihren Familienalltag zu versüßen.

Am Sonnabend und Sonntag, 17. und 18. Juli dieses Jahres, öffnet Gerlinde Queißer ihr kleines Paradies für Besucher und stellt zwischen den Pflanzen Bilder ihres Mannes aus. Außerdem zeigt die Künstlerin Johanna Mittag eine Auswahl ihrer Arbeiten. Musik komplettiert den Kunstgenuss im kleinen Privatpark, der selbst ein Kunstwerk ist. „Den Garten hat der Lehrer und Botaniker Fritz Stopp angelegt“, berichtet Queißer. Im Wesentlichen hat sie ihn mit ihrem Mann unverändert gelassen, nur die einst lehmigen und nach Regen schlammigen Wege haben sie gepflastert, den neun Meter tiefen Brunnen von Unrat befreit.

Kunstgenuss an 23 Orten

Die grüne Oase von Gerlinde Queißer ist eine von 23 Stationen. Am dritten Juliwochenende heißt es in Radebeul wieder „Kunst geht in Gärten“. Im ersten Coronajahr 2020 war die Idee entstanden, dass Künstler ihre Gärten in Freiluftgalerien verwandeln oder Radebeuler ihre Grundstücke Kunstschaffenden wie Malern, Grafikern, Keramikern oder Plastikern als Ausstellungsort zur Verfügung stellen. „Die Veranstaltung war so erfolgreich, dass alle gesagt haben, wir machen das jetzt jedes Jahr“, sagt Stadtgalerist Alexander Lange, der den Kunstgenuss wieder mit Magdalena Piper organisiert hat.

Die Anzahl der Stationen ist von 18 auf 23 gestiegen. So sind beispielsweise die Gärten von Gerlinde Queißer, Fliesen Ehrlich, Barbara und Christian Plänitz, Ju Sobing, Heidi Göhler oder die Kunstscheune Altnaundorf zum ersten Mal mit dabei. Auch das Weiße Haus ist ein Schauplatz. Manche haben nur am Sonnabend oder am Sonntag geöffnet, andere an beiden Tagen jeweils von 13 bis 18 Uhr. Aufsteller und Plakate sowie der Orientierungsplan weisen die Gäste daraufhin, welche Grundstücke sie betreten können.

Rund 100 Künstler machen mit

Die Zahl der beteiligten Künstler hat sich von 85 auf rund 100 erhöht. Neben Vertretern der bildenden Künste sind Musiker dabei. Einige haben feste Auftrittszeiten wie im Garten von Gerlinde Queißer (Samstag, 14 und 16.30 Uhr, Sonntag, 13.30, 15 und 16.30 Uhr), im Café Grünlich (Sonntag, 16 Uhr) oder im Kunsthaus Kötzschenbroda (Samstag, 15.30 und 16.30 Uhr, Sonntag, 16 und 17 Uhr) oder Alte Molkerei (Samstag, 18 Uhr) andere ziehen von Station zu Station und ihr Konzert wird zu einer Überraschung.

Radebeul ist eine Gartenstadt und die Weinberglandschaft des Elbtals zieht immer wieder Künstler an, die hier arbeiten und leben. So war es auch bei der Designerin und Innenarchitektin Gerlinde Queißer und ihrem Mann. „Wir sind beide im Grünen aufgewachsen“, berichtet die rüstige Rentnerin, sie in einem Vorort von Halle, er in Freital. „Für einen Maler ist die Natur als Quelle der Inspiration sehr wichtig. Man sieht, wie alles aufwächst und wieder vergeht“, führt Queißer weiter aus.

Freier Eintritt zu allen Stationen

In ihrem Garten steckt viel Leidenschaft, sowohl von dem Ehepaar selbst als auch dem Vorbesitzer Fritz Stopp (1886-1975). „Dieser hat die afrikanische Eiche ganz bewusst in den Vorgarten gepflanzt. Sie übersteht Trockenzeiten“, so Queißer.

Der Eintritt ist zu allen Veranstaltungsstationen frei. Die Künstler freuen sich über eine Spende in den Hut. Überall wird etwas zur Erfrischung angeboten. Die Besucher bringen am besten ihr eigenes Glas mit, das sie an den Stationen wieder auffüllen lassen können. Wer will, packt zudem seinen eigenen Picknickkorb. Die Veranstaltung „Kunst geht in Gärten“ ist Teil der Reihe Kultursommer 2021 und wird in diesem Jahr vom Bund bezuschusst.

Weiterführende Artikel

Reichhaltige Figurenwelt und Freiluft-Atelier

Reichhaltige Figurenwelt und Freiluft-Atelier

Der Bildhauer Friedemann Dietzel ist erstmals dabei bei „Kunst geht in Gärten“. Auf Schloss Wackerbarth gibt es ein Pleinair mit 16 Künstlern.

Radebeul startet kulturell neu durch

Radebeul startet kulturell neu durch

Die Fête de la Musique bildet am kommenden Montag den Auftakt zum Kultursommer 2021. Viele Veranstaltungen folgen.

Radebeuls versteckte Künstlergärten

Radebeuls versteckte Künstlergärten

Auch private Kleinode konnten am Wochenende bei der neuen Veranstaltung „Kunst geht in Gärten“ besucht werden - zum Teil dort, wo man sie nicht erwartet.

Über das ausführliche Programm informieren Flyer. Es ist zudem auf der Internetseite der Stadt, www.radebeul.de, mit wenigen Klicks unter den Rubriken Tourismus & Kultur, Kunst & Kultur sowie Radebeuler Lebensart - Kultursommer 2021 zu finden.

Mehr zum Thema Radebeul