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Radebeuls Millionen-Baustelle

In den 1990er-Jahren waren die Gleise der Straßenbahnlinie 4 so marode, dass die Einstellung des Fahrbetriebs drohte. Seither wurde kräftig investiert.

In Höhe der Hauptstraße in Radebeul-Ost dürfen die Straßenbahnen der Linie 4 nur mit Schritttempo von zehn Kilometer je Stunde fahren. Im Jahr 2022 soll die Sanierung des Abschnitts beginnen.
In Höhe der Hauptstraße in Radebeul-Ost dürfen die Straßenbahnen der Linie 4 nur mit Schritttempo von zehn Kilometer je Stunde fahren. Im Jahr 2022 soll die Sanierung des Abschnitts beginnen. © Arvid Müller

Radebeul. Für die einen ist sie ein beliebtes Verkehrsmittel, um durch die Stadt Radebeul sowie bis ins Zentrum der Landeshauptstadt Dresden zu kommen, für andere ein Hindernis, um zügig die Meißner Straße zu passieren. Die Rede ist von der Straßenbahnlinie 4. Als neulich wegen des Streiks bei den Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB) die Trams im Depot blieben, haben sich einige Kraftfahrer gefreut.

„Kann so bleiben. Der Verkehr läuft wesentlich flüssiger ohne die DVB“, schrieb beispielsweise Daniel Pohle im sozialen Netzwerk Facebook. Ihm pflichtete Alfred Müller bei: „Ganz Deiner Meinung, weniger Staus, weniger Rotschaltungen und alles entspannter auf den Straßen ohne die Bahnen!“ Diese Auffassung teilt auch Henrik Teichert: „Ja, endlich keine doppelten Rotphasen abwarten.“

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Auf schlechten Gleisabschnitten ist nur Tempo 10 erlaubt.

Die Ampelschaltungen sind das eine. Zum anderen gibt es auf der Meißner Straße immer noch Stellen, wo aufgrund maroder Gleise und Fahrbahn die Trams nur im Schritttempo rollen dürfen. Aktuell sind beispielsweise maximal zehn Stundenkilometer in Höhe Hauptstraße in Radebeul-Ost erlaubt. An anderen Abschnitten zwischen Gleisschleife und Eduard-Bilz-Straße fahren die Bahnen nicht viel schneller - höchstens 20 Kilometer je Stunde.

Ziel ist allerdings Tempo 50. Realisiert wurde diese Geschwindigkeit bereits in den grundhaft sanierten Bereichen, wie jüngst in Radebeul-Mitte zwischen Rennerberg- und Dr.-Külz-Straße. Vor Baubeginn im Februar 2019 und der Fertigstellung Ende Juni dieses Jahrs war dieser Abschnitt wohl der marodeste auf der gesamten Strecke durchs Stadtgebiet.

Im frisch sanierten Abschnitt in Radebeul-Mitte rollen Straßenbahnen und Autos deutlich besser.
Im frisch sanierten Abschnitt in Radebeul-Mitte rollen Straßenbahnen und Autos deutlich besser. © Arvid Müller

Damit die Räder der Trams unter anderem in Radebeul-Ost nicht aus den sanierungsbedürftigen Gleisen springen, mussten in diesem und vorigen Jahr rund 243.000 Euro für Reparaturen in die Hand genommen werden. Die Verwaltung des Landkreises Meißen spricht von „verlorenen Investitionen“, da sie den baulichen Zustand nur befristet und in geringem Umfang bis zum Komplettausbau erhalten, jedoch nicht verbessern. Zudem gibt es dafür keine Fördermittel.

Anfang der 2000er-Jahre machten sich der Landkreis, die Stadt Radebeul, der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) und die DVB auf den Weg, die Straßenbahnlinie auf dem Gebiet der Lößnitzstadt, durch Coswig bis zur Endstation in Weinböhla zu erhalten. Dafür schlossen sie mehrere Verträge sowohl zum Takt als auch zu Investitionen in Gleise, Stromleitungen sowie -masten und Haltestellen. Die Kreisverwaltung zog nun eine Bilanz für die Zeit ab dem Beginn des Vollzugs im Jahr 2004 bis heute.

Seit Sommer 1899 rollen Straßenbahnen nach Radebeul.

In dem Bericht gibt es zunächst einen Blick zur Historie des Straßenbahnverkehrs. So fuhr der Vorläufer der Linie 4 bereits im Sommer 1899 als sogenannte Lößnitzbahn vom Straßenbahnhof Mickten über Trachau und Radebeul bis Serkowitz (Gaststätte Weißes Roß). Bereits im Oktober 1899 wurde die Verlängerung bis Kötzschenbroda und Zitzschewig in Betrieb genommen. Der Verkehr bis Coswig begann im Juli 1929, Weinböhla wurde im November 1931 an das Straßenbahnnetz angeschlossen.

Heute fahren die Straßenbahnen der Linie 4 zwischen den beiden Endhaltestellen Weinböhla und Laubegast. 28,6 Kilometer misst die Strecke. Sie ist die längste Linie im Netz der DVB. An ihr liegen insgesamt 57 Haltestellen in Richtung Laubegast und 56 Haltestellen bis Weinböhla. 25 Haltepunkte befinden sich auf Landkreisgebiet von der Forststraße nahe der Stadtgrenze Dresden und Radebeul und der Endhaltestelle Rathausstraße Weinböhla. 81 Minuten dauert derzeit eine Fahrt zwischen beiden Endhaltestellen.

Bislang wurden 35 Millionen Euro investiert.

Wie die Kreisverwaltung informiert, ist die Bahninfrastruktur seit den 1970er-Jahren nicht mehr grundlegend erneuert und modernisiert worden. Das erklärt ihren schlechten Zustand zum Zeitpunkt des Untergangs der DDR. In den 1990er-Jahren überlegten die DVB daher, den Straßenbahnbetrieb außerhalb der Dresdner Stadtgrenze einzustellen. Mit einem Grundsatzbeschluss bekannte sich der Meißner Kreistag am 1. August 2002 zu einem Erhalt der Linie 4. Daraufhin starteten die Verhandlungen zu den Investitionsverträgen. Seither sind rund 35 Millionen Euro in die Modernisierung der Straßenbahninfrastruktur im Kreisgebiet geflossen. Durch Fördermittel von Freistaat und dem VVO mussten die Vertragspartner Landkreis, Stadt Radebeul und DVB rund 10,8 Millionen Euro aufbringen. Von der Summe war wiederum rund die Hälfte Eigenmittel aus dem Kreishaushalt.

Der jetzige Investitionsvertrag gilt noch bis Ende 2021. Danach ist sicher noch nicht Schluss. Denn im Jahr 2022 steht der Beginn des grundhaften Ausbaus des Abschnitts in Radebeul-Ost zwischen Gleisschleife und Eduard-Bilz-Straße an. Es wird mit einer Bauzeit von etwa anderthalb Jahren gerechnet. Für das Vorhaben gab die Landesdirektion Sachsen im vorigen Juli grünes Licht. Vor dem Baustart möchte die Lößnitzstadt im Jahr 2021 erst noch zwei Nebenstraßen sanieren, und zwar die notwendigen Umleitungsstrecken über Weintraubenstraße und Waldstraße.

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