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Wahnsdorfer beharren auf Parkplatz am Spitzhaus

Immer wieder parken Autofahrer die Spitzhausstraße zu. Die Forderung nach einer Lösung für das Problem mit den Stellplätzen reißt in Radebeul nicht ab.

Kraftfahrer missbrauchen den Gehweg an der Spitzhausstraße als Parkplatz für ihre Autos. Obwohl dies nicht erlaubt ist, zählt dies zum Alltag an Radebeuls Wahrzeichen, nicht nur zum Ärger der Anwohner.
Kraftfahrer missbrauchen den Gehweg an der Spitzhausstraße als Parkplatz für ihre Autos. Obwohl dies nicht erlaubt ist, zählt dies zum Alltag an Radebeuls Wahrzeichen, nicht nur zum Ärger der Anwohner. © Arvid Müller

Radebeul. Es ist ein wiederkehrendes Bild und ein seit Jahren bestehendes Problem auf der Spitzhausstraße im Radebeuler Ortsteil Wahnsdorf. Kraftfahrer rollen mit ihren Fahrzeugen bis zum Vorplatz des Bismarckturms, obwohl dies nicht erlaubt ist. Sie stellen ihre Fahrzeuge halb auf dem Gehweg ab, parken Einfahrten zu. Oft stehen Autos beiderseits der Straßenseiten so, dass kaum noch für andere Fahrzeuge ein Durchkommen ist.„Das Problem besteht vor allem an den Wochenenden, wenn bei uns eine Veranstaltung ist und Besucher zum Bismarckturm kommen“, sagt Spitzhauswirt Marco Stelter. Jeder wolle fast bis hinter fahren. „Das ist eine Katastrophe“, so der Gastronom weiter. Ohne ein Parkplatzkonzept gehe das gar nicht mehr.

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„Die Situation ist hanebüchen“, berichtet auch Uwe Forke, Stadtteilwehrleiter und Ortschaftsratsmitglied. Er kann nur hoffen, dass er mit seinen Kameraden nicht zu einem dringenden Einsatz auf Radebeuls Balkon gerufen wird. Denn, wenn beide Straßenseiten zugeparkt sind, ist der Weg für die Einsatzfahrzeuge versperrt. Die Halter müssten erst ausfindig gemacht werden. „Das dauert“, so Forke, wertvolle Zeit geht verloren. Das betrifft auch andere Rettungskräfte im Krankenwagen oder Polizeiauto. „Dort müssen geordnete Verhältnisse geschaffen werden“, fordert der Feuerwehrmann.

Forderung nach Lösung besteht seit neun Jahren

Der Ruf nach einem Parkplatz bei Bismarckturm und Spitzhaus besteht in Wahnsdorf schon lange. Als der Plan bekannt wurde, die dicke und über 100 Jahre hohle Steinsäule zu einem Aussichtsturm umzubauen, und der Aufruf zu Spenden für den Einbau einer Treppe und Plattform erfolgte, ertönte er vom Ortschaftsrat im Herbst 2012 das erste Mal unüberhörbar. Das ist nun fast neun Jahre her. Den Bismarckturm können Besucher seit Herbst 2019 in der warmen Jahreszeit an den Wochenenden erklimmen, doch von einem Parkplatz ist nichts in Sicht, obwohl Pläne dafür schon einmal öffentlich auslagen. „Wir waren erfreut, dass es vorangeht“, meint Spitzhauswirt Stelter. Allerdings ist dies auch schon wieder rund zwei Jahre her. Und seither ist es still um das Vorhaben geworden.

Der Transporter versperrt die Zufahrt zum Bismarckturm. Bei einem Notfall kommen Rettungskräfte nicht hindurch.
Der Transporter versperrt die Zufahrt zum Bismarckturm. Bei einem Notfall kommen Rettungskräfte nicht hindurch. © Arvid Müller

Zum Standort für Stellflächen wurde das ehemalige Gärtnereigelände gegenüber dem Spitzhaus erkoren. 2019 lag der für das Areal erstellte Bebauungsplan öffentlich aus. Der Entwurf sah wie folgt aus: Es sollten 63 reguläre Stellplätze plus fünf Behindertenparkplätze entstehen. Außerdem sind überdachte Abstellplätze für Fahrräder und eine öffentliche Toilette an der Ostseite vorgesehen. Der Verkehr wird künftig vor dem Spitzhaus auf den Parkplatz abbiegen und dann in einem Bogen als Einbahnstraße über das Gärtnereigelände führen. Die Spitzhausstraße wird so an ihrem Südende zu einer großen Wendeschleife beziehungsweise Ringstraße. Diesen Weg sollen auch Reisebusse nehmen, aus denen Besucher vor dem Restaurant an einer neuen Haltestelle aussteigen können. Zudem waren am Nordrand drei Eigenheimstandorte sowie ein weiterer an der Ostseite als Lückenbebauung zwischen den bestehenden Wohnhäusern angedacht.

Grundstück für Parkplatz nicht in städtischer Hand

Durch die eingereichten Einwände bei der Öffentlichkeitsbeteiligung musste die Verwaltung noch einmal die Pläne überarbeiten. Um Belangen der Raumordnung Rechnung zu tragen, waren folgende Änderungen erforderlich: Die Wohnbaufläche und die Fläche für den Parkplatz werden reduziert und der Standort des Toilettenhäuschens verändert. Um weniger Boden zu versiegeln, ist jetzt nur noch ein Baufeld für ein Einfamilienhaus vorgesehen. Die Anzahl der Parkplätze verkleinert sich auf rund 50, wie eine Anfrage von Sächsische.de im Frühjahr dieses Jahres ergab.

Dabei kam auch heraus, dass die Lößnitzstadt bis heute noch nicht Eigentümer des ehemaligen Gärtnereigeländes ist. Aus diesem Grund liegen die Parkplatzpläne vorerst auf Eis. „Ein Beschluss zur Außengestaltung hat keinen Sinn, bevor nicht ein anderes Problem gelöst ist“, sagte Baubürgermeister Jörg Müller (parteilos) auf der jüngsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses auf eine Anfrage von Stadträtin Eva-Maria Schindler (Freie Wähler). Der Vize-Rathauschef meinte damit die Eigentumsfrage. „Wir sind nach wie vor an dem Thema dran“, meinte Müller.

Wahnsdorfer erinnern an ein Versprechen

In Wahnsdorf dagegen wird die Frage laut, warum die Stadt hierbei bis heute keine Lösung herbeigeführt hat. Denn das Problem mit den Stellplätzen besteht nicht erst seit der Idee zum Umbau des Bismarckturms zum Aussichtsturm. Schon vorher kamen an lauen Sommernächten immer wieder Besucher auch werktags, um an dessen Fuß den atemberaubenden Ausblick auf das Elbtal bei Sonnenuntergang zu genießen. Und sie parken damals wie heute die Spitzhausstraße mit ihren Autos zu.

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Die Stadtspitze hatte den Wahnsdorfern daher versprochen, dass auch der Platz vor dem Turm hergerichtet und ein paar Schritte entfernt ein Parkplatz gebaut wird. Das Areal könne nur touristisch aufgewertet werden, wenn auch die Verkehrssituation mitgelöst wird, so der Oberbürgermeister. Dieses Versprechen ist nicht vergessen. Der Ortschaftsrat möchte auf seiner nächsten Sitzung das Thema ansprechen.

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