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Wildpflanzen für den Radeburger Markt

Im Zentrum der Zille-Stadt soll es blühen. Am Dienstag wurden die Kübel bepflanzt. Das Ergebnis wird vielleicht auch für Diskussionen sorgen.

Frauen der Regionalgruppe Radeburg des Netzwerks blühende Landschaften haben am Dienstag Gefäße für den Markt mit gefährdeten Wildpflanzen wie Großer Wiesenknopf, Färber-Hundskamille, Guter Heinrich und anderen bepflanzt.
Frauen der Regionalgruppe Radeburg des Netzwerks blühende Landschaften haben am Dienstag Gefäße für den Markt mit gefährdeten Wildpflanzen wie Großer Wiesenknopf, Färber-Hundskamille, Guter Heinrich und anderen bepflanzt. © Norbert Millauer

Radeburg. Ob reichlich bestückte mehrstufige Pyramiden, große Gefäße oder liebevoll gestaltete Rabatten: In vielen Orten wurden in den vergangenen Wochen wieder Plätze und Straßen mit Blumenpflanzen herausgeputzt. Wichtig ist dabei meist, dass diese für viel Farbe sorgen und möglichst lange blühen.

Auch in der Zille-Stadt soll der bis auf den Brunnen komplett gepflasterte Mark nach seiner zwar immer noch nicht ganz abgeschlossenen Neugestaltung erstmals mit vielen Pflanzgefäßen ausgestattet werden. Das Rathaus hatte im Vorjahr testweise zwei verschiedenfarbige Muster von aus recyceltem Kunststoff hergestellten Kübeln aufgestellt, damit die Radeburger ihre Meinung dazu sagen konnten. Am Dienstag wurden nun die daraufhin gekauften Behälter bepflanzt. Auf dem Gelände des städtischen Bauhofs in Berbisdorf, allerdings nicht von dessen Mitarbeitern.

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Hilfe für selten gewordene Pflanzen

Das Pflanzen übernahmen vielmehr Anita Bätz und vier weitere Frauen aus der Regionalgruppe Radeburg des Netzwerks blühende Landschaften. Bereitgestellt wurden die Pflanzen vom Umweltzentrum Dresden. Spätestens an dieser Stelle wird es interessant. Denn der Dresdener Verein, hat auch im Radeburger Gebiet schon Spuren hinterlassen. So pflanzten Mitglieder vor zwei Jahren über 1.100 Pflanzen des Großen Wiesenknopfs in der Seifenbachaue bei Berbisdorf. Die Pflanze ist für den geschützten Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling - einen kleinen Falter - überlebenswichtig.

Bereits seit mehreren Jahren vermehrt der Verein in seiner eigenen Gärtnerei den Großen Wiesenknopf und weitere heimische Wildpflanzen im Rahmen des Projekts „Urbanität und Vielfalt“. Anschließend werden sie an engagierte Bürgerinnen und Bürger ausgegeben und von ihnen gepflegt. Nach vier bis fünf Monaten geben sie die Pflanzen oder gesammeltes Saatgut zurück an den Verein. Mit der Aufzucht der Pflanzen und ihrer späteren Ausbringung tragen die Pflanzpaten zur Verbesserung der biologischen Vielfalt bei. Seit 2017 konnten so auf 18 Flächen in Dresden und im Landkreis Meißen fast 6.000 gefährdete Wildpflanzen in Abstimmung mit den zuständigen Behörden ausgebracht werden.

Doch wie passen Großer Wiesenknopf, Färber-Hundskamille, Flockenblume & Co. zum Begrünen des Radeburger Stadtzentrums mit Blumenkübeln? Normalerweise würde man da wohl eher Geranien oder andere bunt und üppig blühende Beet- und Balkonblumen erwarten.

Anita Bätz vermutet, dass der ungewöhnliche Blumenkübel-Inhalt bei den Zille-Städtern tatsächlich für Verwunderung und auch Diskussionen sorgen könnte. Aber das ist durchaus auch gewollt. „Und es muss ja nicht immer alles knallig bunt sein.“ Auch in Dresden wurden im Rahmen des Projekts Schaubeete und -flächen angelegt. So am Deutschen Hygiene Museum, am Alberthafen und am Pirnaischen Platz.

Ein bisschen „Wildnis“ in der Stadt

Neben dem Großen Wiesenknopf haben die fünf Frauen am Dienstag unter anderem auch Guter Heinrich - der wurde früher wie Spinat zubereitet -, Echtes Herzgespann - eine alte Heilpflanze - und die Gewöhnliche Betonie (auch Heilziest) gepflanzt. Alles gefährdete heimische Wildpflanzen, die meist für Insekten von großer Bedeutung sind. „Stiefmütterchen sind zwar schön bunt, haben aber keine Pollen und sind damit etwa für Bienen nutzlos“, sagt Anita Bätz. Die Pflanzen sollen übrigens in den Behältern überwintern und dann im nächsten Jahr erneut wachsen und blühen.

Sie lobt auch die gute Zusammenarbeit mit dem Rathaus und anderen Partnern in der Stadt. So konnte mit dem Förderverein der Grundschule 2019 eine 1.000 Quadratmeter große Blühwiese auf dem Meißner Berg angelegt werden, die sich in den nächsten Jahren immer weiter entwickeln soll. Im Frühjahr wurde in dem Wohngebiet noch eine weitere am Kreisverkehr angelegt. Und die Bürgermeisterin habe sie gefragt, ob noch weitere dazukommen könnten. „Dazu sind aber die entsprechenden Flächen erforderlich und auch die Pflege muss geklärt sein“, so die Berbisdorferin. Denn ganz ohne diese kommt auch eine Blühwiese nicht aus.

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Der Bauhof der Stadt lässt mittlerweile auch mal Blumen und Gräser auf Baumscheiben wachsen und mäht nicht mehr jede Wiese immer und komplett. Manche Radeburger mussten sich aber erst an diesen „ungepflegten“ Anblick gewöhnen. So in den nächsten Wochen wohl auch an den Inhalt der neuen Pflanzgefäße auf dem Markt.

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