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Wo Paare bei Problemen Rat holen können

Für Familien ist seit 30 Jahren die Evangelische Beratungsstelle in Radebeul Anlaufpunkt für alle Lebenslagen.

Im Bereich Paar- und Lebensberatung steht Anke-Maria Thiele, Leiterin der Evangelischen Beratungsstelle Radebeul, Menschen mit Rat und Tat zur Seite. Kein Beziehungsproblem ist ein Tabu.
Im Bereich Paar- und Lebensberatung steht Anke-Maria Thiele, Leiterin der Evangelischen Beratungsstelle Radebeul, Menschen mit Rat und Tat zur Seite. Kein Beziehungsproblem ist ein Tabu. © Arvid Müller

Radebeul. Wer Rat und Hilfe rund um Familie, Ehe, Schwangerschaft, in Lebens- oder Beziehungskrisen sucht, findet bei der Evangelischen Beratungsstelle Radebeul ein offenes Ohr, Beratung und Hilfe. Seit Dreijahrzehnten gibt es dieses Angebot. „Rund 1.300 Beratungsgespräche führten wir allein im vorigen Jahr“, berichtet Anke-Maria Thiele, die die Einrichtung im Ärztehaus, Sidonienstraße 1, leitet.

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Ende Juni 1991 hat sich in Radebeul der kleine Verein „Beratung und Hilfe für Schwangere und Familien e. V.“ gegründet. Eine der Gründerinnen war Kathrin Roßner, die in puncto soziales Engagement in der Lößnitzstadt bereits eine Legende ist. Gerade in der Umbruchzeit mit den vielen Ungewissheiten nach der Wende haben die Vereinsgründer gemerkt, dass Schwangere nach Rat suchten. Zudem kam eine unterschiedliche Rechtslage in der einstigen DDR und den Altbundesländern hinzu. Seit dem gefundenen Kompromiss in den 1990er Jahren ist eine Abtreibung nach einem vorherigen Pflichtgespräch in den ersten zwölf Wochen der Schwangerschaft erlaubt. „Wir sind eine staatlich anerkannte Schwangerenkonfliktberatungsstelle“, sagt Thiele.

Tipps für finanzielle Hilfen für Familien

Ob eine Frau ihr Kind austragen möchte oder nicht, macht nur einen Bruchteil des Beratungsangebots aus, das Thiele mit ihrem zweiköpfigen Team Menschen aus Radebeul, dem Landkreis Meißen und Dresden bietet. 95 Fälle an Schwangerenkonfliktberatungen waren es im vorigen Jahr. Die Zahl schwanke immer, mal sind es mit bis zu 112 mehr in einem Jahr oder mit 79 weniger. Daher lasse sich kein Trend ablesen, ob die Entscheidung pro oder gegen eine Geburt zu- oder abnimmt, so Thiele.

Annegret Maneck (l.) und Sabine Grimm sind die beiden weiteren guten Seelen des dreiköpfigen Teams der Beratungsstelle im Ärztehaus in Radebeul-Ost.
Annegret Maneck (l.) und Sabine Grimm sind die beiden weiteren guten Seelen des dreiköpfigen Teams der Beratungsstelle im Ärztehaus in Radebeul-Ost. © Arvid Müller

Deutlich mehr Fälle gab es mit 200 im sozialen Bereich. Hier stehen die Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle beispielsweise jungen Müttern und Vätern zur Seite und geben Tipps, welche finanziellen Hilfen es gibt, bei welcher Behörde sie welches Formular abgeben müssen, um etwa Elterngeld zu bekommen, oder stehen mit Rat zur Seite, wie die Elternzeit gestaltet werden kann.

Welche Bewährungsproben zu meistern sind

Die finanzielle Seite ist das eine. Mitunter drücken auch psychologische Probleme. Mütter fallen nach der Geburt in eine Depression oder das Kind schreit ständig. Auch hier können sich Paare und Alleinerziehende an die Anlaufstelle wenden, die seit 1992 unter der Trägerschaft der Diakonie Dresden steht und seither „Evangelische Beratungsstelle Radebeul“ heißt.

180 Fälle verzeichneten Thiele und ihre Mitarbeiterinnen, Sabine Grimm und Annegret Maneck, im vorigen Jahr bei psychologischen Beratungen, wobei ein Fall mehrere Gesprächsrunden bedeutet. Bei diesen wird beispielsweise geschaut, ob und wie eine Paarbeziehung gerettet werden kann oder ob eine Trennung nicht doch für beide Partner die bessere Lösung sei. Bei den Beratungsgesprächen zu Paarbeziehungen sei was im Gange, meint Thiele. Hier stellt sie einen Anstieg fest, wobei die Statistik auch täuschen kann. Wenn Paare zunehmend das Gespräch suchen, muss dies nicht zwangsläufig bedeuten, dass Probleme in Beziehungen zunehmen. Es kann auch heißen, dass einfach mehr Paare die Beratungsstelle suchen, weil sie ihre Ehe zu retten versuchen.

Paarbeziehungen können das erste Mal auf eine Bewährungsprobe gestellt werden, wenn sich Nachwuchs einstellt. „Es kommt dann darauf an, wie es ein Paar schafft, Konflikte zu meistern, der Belastung mit einem kleinen Kind standzuhalten und dabei die Liebe zu bewahren“, sagt Thiele. Auf die Probe gestellt werden Zweibeziehungen auch in den sogenannten Schwellensituationen: Kinder stecken mitten in der Pubertät oder verlassen das Haus, weil sie alt und groß genug sind. Zunehmend kommen ältere Paare in die Beratungsstelle. Beide sind mit 65 Jahren noch fit, aber statt auf Arbeit sind sie mit Beginn der Rente plötzlich den ganzen Tag zusammen. Man muss sich nicht scheuen, auch sexuelle Schwierigkeiten in den Beratungen anzusprechen.

Therapeutische Gespräche

Die Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle bieten therapeutische Gespräche an. „Nicht wir retten eine Beziehung. Das wäre der falsche Ansatz“, so Thiele. Sondern Paare müssen selbst die Beziehung retten wollen, den Problemen auf den Grund gehen und selbst analysieren, warum sie sich ständig streiten, sich nicht respektiert oder wertgeschätzt fühlen. Es folgen konkrete Aufgaben, wo sie Dinge testen, um ihre Partnerschaft positiv zu verändern. „Sie müssen bereit sein, Energie aufzuwenden und Energie in die Beziehung zu investieren“, sagt Thiele. Sie kann Paare nur ermutigen, eher eine Beratung zu suchen, nämlich dann, wenn sie eine Krise spüren, und nicht erst, wenn ein Partner ausziehen möchte und es somit zu spät ist.

Alle Beratungen sind kostenfrei, um allen Menschen unabhängig von ihrem Einkommen einen Zugang zu gewähren. Das Beratungsangebot wird nicht kostendeckend von staatlicher Seite gefördert. Das Defizit wird über Gelder der Landeskirche Sachsen, der Diakonie Dresden und über Spenden kompensiert. Daher ist die Beratungsstelle auf Spenden angewiesen, um ihre Angebote weiterhin aufrechterhalten zu können.

Coronabedingt gibt es keine große Jubiläumsfeier vor Ort. Es startet jedoch eine neue Ausstellung mit Werken der Malerin Carla Weckeßer. Die Bilder können ein Jahr lang besichtigt werden. Es wird um vorherige telefonische Anmeldung gebeten.

www.diakonie-dresden.de/beratungsstelle-radebeul;

Kontakt: Evangelische Beratungsstelle Radebeul, Sidonienstraße 1, 01445 Radebeul, Tel.: 0351 830 87 50; E-Mail: [email protected]

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