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Schiffsmühlen-Brücke doppelt so teuer

Ende des Monats erfolgt die Ausschreibung zum Bau der Eisenbahnbrücke - von 6,1 sind die Kosten dafür inzwischen auf 15 Millionen Euro gestiegen.

Das alte Bahnwärterhaus an der Straße Nach der Schiffsmühle wird abgerissen, hier soll Anfang kommenden Jahres der Bau der neuen Eisenbahnbrücke beginnen, die Radebeul und Coswig verbinden soll.
Das alte Bahnwärterhaus an der Straße Nach der Schiffsmühle wird abgerissen, hier soll Anfang kommenden Jahres der Bau der neuen Eisenbahnbrücke beginnen, die Radebeul und Coswig verbinden soll. © Arvid Müller

Seit 2015 kommt man von der Straße Nach der Schiffsmühle in Radebeul, nicht mehr zur Straße Nach der Schiffsmühle in Coswig. Denn damals wurde der beschrankte Bahnübergang, an dem Auto- und Radfahrer oft sehr lange warten mussten, komplett geschlossen. Seitdem müssen Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer, die von der Meißner bzw. Dresdner Straße nach Kötitz oder Naundorf wollen, einen etwa zwei Kilometer langen Umweg bis zur nächsten Querung der Eisenbahnschienen in Kauf nehmen. Der Weg zum größten Radebeuler Gewerbegebiet in Naundorf mit Planeta, Ellerhold und Thyssen-Krupp ist so an der Grenze zu Coswig abgeschnitten.

Was das bedeutet, ist spätestens 2002 bei der großen Elbeflut drastisch deutlich geworden, als die elbnahen Strecken blockiert waren. Um eine hochwassersichere, schrankenlose Verbindung zu schaffen, beschloss der Radebeuler Stadtrat 2007, den Bau einer Eisenbahnbrücke voranzutreiben. Der Coswiger Stadtrat schloss sich dem an. Nun, 14 Jahre später, soll es endlich losgehen. „Ende April 2021 soll die Ausschreibung veröffentlicht werden“, erklärte eine nicht genannt werden wollende Sprecherin der für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zuständigen DB-Pressestelle in Leipzig auf SZ-Nachfrage. Und weiter: „Die Vergabe der Bauleistungen erfolgt dann bis spätestens Dezember 2021.“

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Dafür, dass es nun endlich so weit ist, waren allerdings mehrere Voraussetzungen zu schaffen. Am wichtigsten - nur in einem Zeitfenster, das sich beim derzeitigen Ausbau der Bahnstrecke Dresden-Leipzig öffnet, kann das Projekt überhaupt in Angriff genommen werden. In dessen Planung hat die Stadt Radebeul seit 2004 rund 150.000 Euro gesteckt. Außerdem mussten die für den Bau nötigen Grundstücke, insgesamt 55.000 Quadratmeter, erworben werden, was rund 915.000 Euro kostete.

Im Juli vergangen Jahres schließlich genehmigte die zuständige Landesdirektion Sachsen die Planungen für den Bahnübergang - damit hatte die Stadt Radebeul Baurecht. „Mit dem Planfeststellungsbeschluss kann Radebeul die unterbrochene Gemeindestraße Nach der Schiffsmühle wieder durchgängig befahrbar machen. Damit erhalten die Gewerbegebiete Radebeul-Naundorf und Coswig-Grenzstraße ihre direkte Verbindung zu den Wohngebieten im Norden und zur Meißner Straße zurück“, hatte damals Regina Kraushaar, die Präsidentin der Landesdirektion Sachsen, mitgeteilt. Der Ersatz der Bahnübergänge durch eine Brücke schaffe erstmals eine leistungsfähige und sichere Verkehrsverbindung.

Die Anbindung der künftigen Bahnbrücke an die Meißner Straße soll über einen kleinen Kreisverkehr mit einem Durchmesser von 35 Metern erfolgen (SZ berichtete). Danach soll der zweite Kreisel in Radebeul nicht nur mit Bäumen bepflanzt werden, wie der am Knoten Cossebauder/Kötitzer Straße, sondern künstlerisch gestaltet werden. Dazu wollen sich Radebeul und Coswig abstimmen.

Wie die Bahnbrücke einmal aussehen soll, erklärte die Sprecherin der DB-Pressestelle: „Bei der Brücke handelt es sich um eine Straßenbrücke der Stadt Radebeul über fünf Gleise und ein Anschlussgleis als Ersatz für den geländegleichen Bahnübergang Nach der Schiffsmühle. Die Brücke ist Bestandteil der neuen, 587 Meter langen Verbindungsstraße zwischen der S 82/ Meißner Straße und der Kreuzung Friedrich-List-Straße. Sie ist 126 Meter lang und insgesamt 11,85 Meter breit. Dabei beträgt die Fahrbahnbreite 7,5 Meter, einschließlich beidseitigem Schutzstreifen für Radfahrer.“ Die geplante Bauzeit soll sich von Januar kommenden Jahres bis Ende 2023 erstrecken. Die Bauarbeiten umfassen den Neubau der Brücke sowie die Errichtung von Straßendämmen mit nördlicher Einbindung in die Meißner Straße mit dem neuen Verkehrskreisel sowie die südliche Einbindung in die Kreuzung Friedrich-List-Straße. Dazu gehört auch, dass die Bahnanlagen angepasst werden müssen, etwa die Oberleitung und die Sicherungstechnik. Anschließend sollen noch landschaftliche Rekultivierungsmaßnahmen erfolgen. Als Kompensation für die mit dem Brückenbau verbundenen Eingriffe in die Natur sollen nicht mehr benötigte Verkehrs- und Siedlungsflächen dauerhaft entsiegelt und rekultiviert werden. Auf einer Fläche von rund 2.800 Quadratmetern sind Gehölzpflanzungen vorgesehen. Es werden rund 2.500 Quadratmeter Extensivgrünland angelegt und eine 740 Quadratmeter große Streuobstwiese geschaffen - hatte die Landesdirektion Sachsen informiert.

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Die Finanzierung des Gesamtprojektes erfolgt zu je einem Drittel aus Mitteln des Bundes, der Deutschen Bahn und der beteiligten Kommunen, wobei deren Ausgaben zu 75 Prozent gefördert werden können. In der Sächsischen Zeitung vom 17. April 2014 wurden die Baukosten für das Projekt mit 6,1 Millionen Euro angegeben. Der Eigenanteil von Radebeul sollte danach 850.000 Euro, der von Coswig bis 150.000 Euro betragen. Im Juli vergangenen Jahres vermeldete die SZ, dass die Baukosten seitens der Stadt Radebeul mit rund 10 Millionen Euro angegeben werden, und die Bahnsprecherin erklärte nun, dass mit Baukosten von circa 15 Millionen Euro gerechnet wird. Auf die Frage, ob damit auch der Eigenanteil der Stadt Radebeul entsprechend steigen werde, sagte Stadtsprecherin Ute Leder, „aus heutiger Sicht werden die im Haushalt geplanten Finanzen eingehalten“. Coswigs Oberbürgermeister Thomas Schubert erklärte dazu: „Es ist eine Finanzierungsvereinbarung mit Radebeul abzuschließen, welche noch nicht verhandelt ist und vom Stadtrat zu beschließen ist. Ob der Coswiger Anteil höher ausfällt, kann ohne Kenntnis konkreter Zahlen zum jetzigen Stand nicht gesagt werden.“

Die neue Eisenbahnbrücke wird einer der drei Knoten sein, mit denen die drei Coswiger Gewerbegebiete an die neue Elbtalstraße S 84 angebunden werden. Darüber hinaus soll die Verbindung Anwohner vom Durchgangsverkehr entlasten.

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