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„Impfen sollte gesetzlich geregelt werden“

Frank Stritzke, Geschäftsführer Volkssolidarität Elbtalkreis-Meißen, - wie es bei Senioren und Mitarbeitern funktioniert.

Sie sind geimpft und haben den Eintrag im Impfpass - Mitarbeiter der Volkssolidarität im Coswiger Stützpunkt. Diese Woche waren sie mit weiteren Kollegen im Impfzentrum vom Landkreis Meißen, der Sachsenarena in Riesa.
Sie sind geimpft und haben den Eintrag im Impfpass - Mitarbeiter der Volkssolidarität im Coswiger Stützpunkt. Diese Woche waren sie mit weiteren Kollegen im Impfzentrum vom Landkreis Meißen, der Sachsenarena in Riesa. © Sebastian Schultz

Landkreis Meißen. Die Menschen, die zuerst gegen Coronaviren geimpft werden sollen, weil sie am meisten gefährdet sind, sind die Bewohner von Seniorenheimen und die Mitarbeiter der Heime und Wohnanlagen. Im Landkreis Meißen ist die Volkssolidarität Elbtalkreis-Meißen mit acht Wohnanlagen einer der größten Betreiber solcher Unterkünfte für ältere Bürger. Wie das dort jetzt mit dem Impfen organisiert wird, wie die Impfbereitschaft ist - sächsische.de hat mit dem Geschäftsführer Frank Stritzke gesprochen.

Frank Stritzke ist einer der zwei Geschäftsführer der Volkssolidarität Elbtalkreis-Meißen.
Frank Stritzke ist einer der zwei Geschäftsführer der Volkssolidarität Elbtalkreis-Meißen. © Arvid Müller

Herr Stritzke, sind bei der Volkssolidarität Elbtalkreis-Meißen schon Bewohner von Heimen und Wohnanlagen geimpft worden?

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Am Dienstag wurden die ersten Pflegekräfte in Riesa geimpft. Täglich gibt es dazu weitere Termine. Um das mit dem Dienstplan in Übereinstimmung zu bringen, wechseln sich die Mitarbeiter ab und fahren dorthin.

Wie viele Bewohner und wie viel Pflegepersonal hat die Volkssolidarität Elbtalkreis-Meißen?

Wir betreuen etwa 350 Bewohner in Seniorenwohnanlagen und etwa 400 Patienten im ambulanten Pflegedienst in ihren Wohnungen. Mitarbeiter im Pflegedienst sind bei uns 80.

Wie wird das Impfen innerhalb der Volkssolidarität organisiert – gibt es Listen mit den Namen derer, die die Bereitschaft zum Impfen erklärt haben?

Impfabfragen haben wir in den Wohnanlagen durchgeführt. Das Ergebnis dazu: Die Impfbereitschaft der Senioren, der Bewohner, liegt bei etwa 80 Prozent. Unter dem Beschäftigten ist sie geringer. Es sind weniger als die Hälfte.

Können die Bewohner die Entscheidung zum Impfen weitestgehend selbst bestimmen oder müssen dazu auch Zustimmungen von Vormunden etwa eingeholt werden?

In der Regel entscheiden die Bewohner in den Wohnanlagen selber, ob sie geimpft werden möchten.

Was halten Sie vom gerade geäußerten Vorschlag des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, in Heimen und fürs Pflegepersonal eine generelle Impfpflicht einzuführen, um mehr Schutz der am meisten gefährdeten Menschen zu erreichen?

Da die Impfbereitschaft nicht bei allen vorhanden ist, sollte das gesetzlich geregelt werden. Impfungen gegen andere Infektionskrankheiten sind ja bereits Pflicht, wie etwa zu Masern und Hepatitis. Ängste bestehen besonders bei jüngeren Beschäftigten wegen möglicher noch nicht erforschter Langzeitfolgen. Das Vertrauen in das Prüfverfahren zur Zulassung des Impfstoffs ist offenbar sehr unterschiedlich ausgeprägt. Während vor allem die älteren Mitarbeiter, die auch schon zu vorherigen Grippeschutzimpfungen waren, mehr Zutrauen haben und sich impfen lassen wollen, ist die Skepsis bei jüngeren Kollegen größer. Am Donnerstag fährt beispielsweise das Pflegepersonal von der Wohnanlage „Lößnitzblick“ in Radebeul komplett zum Impfen.

www.vs-gliederungen.de/elbtalkreis-meissen-ev

Wie erfährt die Volkssolidarität, dass ein mobiles Impfteam kommt und mit wie vielen Impfdosen dieses anrückt?

Entweder über das DRK direkt oder das Gesundheitsamt. Übrigens: Die Kommunikation mit den Mitarbeitern des Gesundheitsamtes und uns funktioniert, anders als in anderen Landkreisen, sehr gut. Wir stimmen uns täglich ab.

Gibt es für das Impfen bereitgestellte Zimmer, oder wird jeder Impfwillige in seiner Wohnung oder seinem Zimmer geimpft?

Beides ist bei uns möglich. Wenn die mobilen Impfteams kommen werden, so wird das für jede Wohnanlage jeweils im Einzelnen von den Leitern geklärt.

Kann die VS Einfluss nehmen auf die Zahl der Impfdosen, die sie bekommt?

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Bis Ende Juni soll die große Veranstaltungshalle in Riesa vom DRK genutzt werden. Für den städtischen Betreiber kommt das nicht ungelegen.

Nein. Auch wir bekommen nur eine Zuteilung. Allerdings haben wir schon Hinweise bekommen, wenn es nicht genutzte Restimpfdosen gibt, sodass wir da mit Impfbereiten schnell reagieren können.

Würden Sie sich selbst impfen lassen?

Selbstverständlich. Ich lasse mich jedes Jahr impfen und habe großes Vertrauen in den Impfstoff und das Zulassungsverfahren.

Das Interview führte Peter Redlich.

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