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Was kommt vom Gleis ins Grundwasser?

Mit der bundesweit ersten Messstelle in Weinböhla will die Bahn künftig gesicherte Erkenntnisse gewinnen.

Prof. Corinna Salander, die Direktorin des in Dresden ansässigen Deutschen Zentrums für Schienenverkehrsforschung, und Markus Zingelmann von der Freiberger Firma Beak Consultants beim ersten Spatenstich für eine neuartige Messstation für Regenwasser a
Prof. Corinna Salander, die Direktorin des in Dresden ansässigen Deutschen Zentrums für Schienenverkehrsforschung, und Markus Zingelmann von der Freiberger Firma Beak Consultants beim ersten Spatenstich für eine neuartige Messstation für Regenwasser a © Norbert Millauer

Am Bahndamm hinter der Nassauhalle in Weinböhla stecken zwei Spaten in der Erde. Hier soll an diesem Montag ein Stück Bahngeschichte mitgeschrieben werden. Denn hier wird bis Juni die erste von bundesweit fünf Messstellen gebaut werden, die untersucht, ob und wie sich das Regenwasser verändert, das von den Gleisen, also vom Bahndamm, herabkommt und normalerweise im Grundwasser versickert.

„Im Rahmen des langfristig angelegten Monitoringprogramms sollen empirische Daten über das Abflussverhalten von Niederschlägen aus dem Gleisbereich gesammelt und auf deren Grundlage das mögliche Schadstoffspektrum von Niederschlagsabflüssen sowie deren Eintrag ins Grundwasser analysiert, charakterisiert und überwacht werden.“ So heißt es in der Mitteilung des zuständigen Deutschen Zentrums für Schienenverkehrsforschung (DZSF) in Dresden, das beim Eisenbahn-Bundesamt angesiedelt ist.

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Habe man bislang mit Vermutungen und Schätzungen arbeiten müssen, wie Gleise Niederschläge, also Regen und Schnee, beeinflussen, so werde man mit der Weinböhlaer und den bundesweit vier anderen Messstationen bald über gesicherte Erkenntnisse verfügen, erklärte die Direktorin des DZSF, Corinna Salander, beim Spatenstich in Weinböhla.

Wie das Ganze konkret funktioniert, erklärt Markus Zingelmann, der Projektleiter der Freiberger Firma Beak Consultants GmbH, die neben der TU Dresden der dritte Projektpartner ist. Das Regenwasser vom Bahndamm werde in einer unterirdischen Kammer aufgefangen. Dort befinde sich ein Sensor, der den Füllstand melde. Beauftragte, zertifizierte Labors würden die Proben laufend abholen und die chemische Zusammensetzung analysieren und die Daten dann an das DZSF übermitteln.

Auf den Gleisen werde Glyphosat gegen das Unkraut gesprüht, es gebe Abriebe von Bremsen der Waggons und Schmierstoffe seien im Einsatz. All dies könne über Niederschläge ins Grundwasser gelangen, erklärt Markus Zingelmann, ob und welchem Umfang das tatsächlich der Fall sei, soll das neue Modellprojekt nun erweisen. Dazu gehört auch, dass eine Grundwassermessstelle am Bahndamm in Weinböhla und eine Klimamessstation gebaut würden. „Mit dem Bau der Grundwassermessstation soll noch diese Woche begonnen werden, insgesamt sind Messsungen über vier Jahre geplant“, so Markus Zingelmann. Die bundesweit geplanten fünf Messstellen sollen Daten liefern, die mithilfe von künstlicher Intelligenz Aussagen für das gesamte Streckennetz der Deutschen Bahn in der Bundesrepublik ermöglichen sollen.

Was soll das Projekt am Ende konkret befördern? Es soll wissenschaftlich fundierte Aussagen über den Anteil des versickernden bzw. des oberflächlich abfließenden Niederschlagswassers bringen, das Gefährdungspotenzial für Grund- und Oberflächengewässer ergründen und mögliche Schadstoffverteilungen modellieren. All diese Informationen sollen letztlich auch dazu dienen, Maßnahmen für einen effektiven Umweltschutz zu ergreifen.

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