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„Wir haben nicht Insolvenz angemeldet“

Die Betreiberin des Radebeuler Hotels Goldener Anker zu Gerüchten, die gerade durch Kötzschenbroda kreisen.

Protest an der Hauswand des Hotels Goldener Anker in Radebeul-Kötzschenbroda macht auf die Lage aufmerksam.
Protest an der Hauswand des Hotels Goldener Anker in Radebeul-Kötzschenbroda macht auf die Lage aufmerksam. © Peter Redlich

Radebeul. Es macht derzeit die Runde auf dem Anger in Altkötzschenbroda - der Goldene Anker hat Insolvenz angemeldet. Hartnäckig hält sich das Gerücht. Erst Recht, nachdem die Betreiberin des Hotels wiederholt gegen die Schließung protestiert hat, sogar auf dem Neumarkt in Dresden. Über dem Schriftzug Goldener Anker hat die Betreiberin mit ihren Mitarbeitern ein Plakat aufgehängt, mit welchem sie allen Passanten sagen will, was sie von der derzeitigen Situation hält (siehe Foto unten). „Ein Land ohne Gäste. Eine Regierung ohne Plan. Öffnet jetzt das Gastgewerbe, bevor es zu spät ist“, steht dort mit drei Ausrufezeichen. Die SZ hat mit Petra Paul darüber gesprochen, wie die Situation wirklich ist.

Frau Paul, stimmt es, dass Sie für Ihr Hotel Insolvenz anmelden mussten, Sie zahlungsunfähig sind?

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Nein, das stimmt nicht. Wer erzählt denn so etwas? Wir haben keine offenen Rechnungen zu begleichen, sind zahlungsfähig.

Wie geht das in solchen Zeiten?

Uns helfen derzeit noch die Überbrückungshilfen. Wir haben gerade Überbrückungshilfe 3 bekommen. Nur so können wir uns noch über Wasser halten. Schön ist das nicht. Wir würden lieber wieder öffnen. Haben unser sicheres Hygienekonzept mit Abständen und Trennwänden und noch mehr.

Wie ist derzeit die Hotelauslastung im Goldenen Anker?

Wir haben im Moment im Schnitt zwölf Betten von 144 in der Woche belegt. Das sind Geschäftsreisende, die ja buchen dürfen und die wir aufnehmen und bewirten dürfen. Aber davon kann man freilich nicht überleben. Eine normale durchschnittliche Hotelauslastung liegt übers ganze Jahr bei mindestens 50 Prozent.

Wie viele Mitarbeiter haben Sie üblicherweise und wie halten Sie Ihre Mannschaft derzeit bei der Stange?

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Normal haben wir 24 Mitarbeiter, die auch ordentlich zu tun haben. Ich versuche derzeit, reihum alle ein paar Stunden zu beschäftigen, damit meine Mitarbeiter zuhause bei Kurzarbeit keinen Koller kriegen. Zu Anlässen, wo es sich lohnt, bieten wir Essen zum Außer-Haus-Verkauf an. Zu Ostern gab es Angebote, die auch von Radebeulern bestellt worden sind. Ich möchte alle Mitarbeiter behalten. Etwa 20 Prozent der üblichen Beschäftigung kann ich derzeit nur möglich machen. Etwa vier Mitarbeiter sind jetzt bei dieser schwachen Belegung da. Es muss ja Frühstück zubereitet werden. Die Zimmer müssen gereinigt sein. Wir kriegen das hin - noch.

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