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Wohnen im Oberdorf

Das Weinböhlaer Gebiet ist geprägt von großen Gärten, geräumigen Häusern und der Nähe zum Wald - die Anwohner wollen, dass es so bleibt.

Blick von oben nach unten, von der Ruine des Wartturms aus gesehen: Dorfkern, Kirche und Grünflächen im Unterdorf von Weinböhla.
Blick von oben nach unten, von der Ruine des Wartturms aus gesehen: Dorfkern, Kirche und Grünflächen im Unterdorf von Weinböhla. © Norbert Millauer

Von Julian Wolf

Weinböhla. Recherchiert man in den sozialen Netzwerken oder befragt einige Weinböhlaer nach ihrem genauen Wohnort, fallen oft die beiden Begriffe „Oberdorf“ und „Unterdorf“. Der rund 10.000-Seelenort wird also von den Einwohnern selbst unterteilt. Diese Unterscheidung ist keineswegs eine neuartige Entwicklung. Sie existiert schon seit einigen Jahrzehnten. Doch wie wird hier eigentlich die Abgrenzung genau vorgenommen und was macht das „Oberdorf“ im Vergleich zum „Unterdorf“ aus?

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Für die meisten Befragten erstreckt sich das sogenannte Unterdorf vom Landschaftsschutzgebiet Nassau beziehungsweise dem S-Bahnhof Neusörnewitz bis hin zur Bahnstrecke entlang der Berliner Straße sowie der Martinstraße. Hier gehört auch der Dorfkern von Weinböhla dazu. Die meisten Geschäfte, Arztpraxen, Discounter, Bankfilialen, Bahnhöfe und Straßenbahnhaltestellen befinden sich im Unterdorf. Zwar gibt es auch Einfamilienhäuser in diesem Gebiet, jedoch wohnen hier Weinböhlaer auch in Mehrfamilienhäusern und Mietwohnungen.

Wochentags ist im Unterdorf viel Verkehr. Das Oberdorf hingegen erstreckt sich ab der Bahnstrecke und dem Waldacker, über die Nordstraße und Forststraße, über die Moritzburger Straße entlang bis hin zur Spitzgrundstraße an der Coswiger Grenze. Dieses Gebiet, welches auch oft mit einem Zwinkern als „Goldstaubviertel“ des Dorfes betitelt wird, bietet nur wenige Einkaufsmöglichkeiten und ein nur sehr sporadisches Angebot hinsichtlich des öffentlichen Personennahverkehrs. Hier scheint es also deutlich ruhiger und grüner zu sein.

Fährt man einmal die Straßen im oberen Teil des Dorfes ab, fallen oft lange Zäune, hohe Steinmauern und blickdichte Hecken auf. Hinter diesen stehen meist geräumige alte, aber auch einige neue Einfamilienhäuser und Villen. Vereinzelt sind Aufkleber von Sicherheitsdiensten an Klingeln und Briefkästen angebracht. „Dieses Objekt wird überwacht“ liest man dort. Die Wohnqualität ist hoch und das ruhige Grün scheinbar ein kostbares Gut.

Das bestätigt auch ein Arzt aus Weinböhla. „Unser Dorf - gerade am Waldrand - zeichnet sich durch eine hervorragende Luftqualität aus“, berichtet er. „Die Nähe zum Grün wirkt sich überaus positiv auf die menschliche Psyche aus. Zudem verleiten der Wald sowie die Teichlandschaft zur sportlichen Aktivität. Man kann sich gleichzeitig erholen und auspowern. Das alles praktisch vor der Haustür.“

Komponist und Professor im Ruhestand Jörg Herchet stimmt zu. Im Jahr 1992 ist er von Dresden nach Weinböhla umgezogen und findet im Oberdorf seine Ruhe. „Die Voraussetzung für meine Arbeit, das Komponieren, ist die äußere Stille, die mir einzig die Konzentration ermöglicht, um das, was ich innerlich in mir höre, außen auf dem Papier zu fassen und zu realisieren“, erklärt der 77-jährige Kulturpreisträger. „Der nahe gelegene Wald mit größeren Seen und kleinen Bächen lädt jederzeit zu Spaziergängen ein, die mir nicht nur Erholung schenken: die Komplexität des Waldes - die verschiedenen Bäume, Sträucher, die Gräser und Blumen mit all den Schmetterlingen und Insekten - geben mir vielfache Anregungen für meine Musik.“

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