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Feuilleton

Reportagen-Fälscher prangert Kollegen an

Über den Fall des "Spiegel"-Mitarbeiters Relotius hat sein Kollege Moreno ein Buch geschrieben. Doch da soll auch nicht alles ganz der Wahrheit entsprechen.

Claas Relotius (33) und  Juan Moreno (47).
Claas Relotius (33) und Juan Moreno (47). © Mirco Taliercio/Rowohlt Verlag/dpa

Hamburg. Der ehemalige "Spiegel"-Reporter Claas Relotius (33) geht mit Hilfe eines Anwalts gegen das Buch "Tausend Zeilen Lüge" seines früheren Kollegen Juan Moreno (47) vor. Das bestätigte der Berliner Medienrechtler Christian Schertz, der Relotius vertritt, dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Mittwoch. Zuerst hatte die Wochenzeitung "Die Zeit" davon erfahren, die in ihrer aktuellen Ausgabe über das juristische Vorgehen von Relotius berichtet. Der Rowohlt Berlin Verlag teilte am Mittwoch mit, dass ihm eine Forderung auf Unterlassung zugestellt worden sei.

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"Spiegel"-Autor Moreno war Relotius bei dessen Fälschungen von Artikeln auf die Schliche gekommen und berichtet in seinem Buch auf 288 Seiten darüber. Ihm wirft Relotius nun vor, ebenfalls Tatsachen verdreht oder unzulässig arrangiert zu haben. Rechtsanwalt Schertz listet insgesamt 22 Textstellen mit "erheblichen Unwahrheiten und Falschdarstellungen" auf und fordert von Moreno und dessen Verlag Rowohlt Berlin, diese nicht weiter zu behaupten oder zu verbreiten.

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Der Rowohlt Berlin Verlag hat das Buch "Tausend Zeilen Lüge. Das System Relotius und der deutsche Journalismus" Mitte September herausgebracht. Wie Verlagssprecherin Wendy Kerstan am Mittwoch erklärte, haben Moreno und Rowohlt das Anwaltsschreiben tags zuvor erhalten. "Darin wird an keiner Stelle bestritten, dass Claas Relotius zahlreiche Reportagen frei erfunden oder gefälscht hat, ebensowenig werden Morenos Beweise, die zur Überführung von Claas Relotius geführt haben, angezweifelt", so Kerstan. Auch die Darstellung und die Ereignisse des im Buch geschilderten Fälschungsskandals würden nicht infrage gestellt.

Zu den behaupteten "erheblichen Unwahrheiten und Falschdarstellungen" zähle etwa der Umstand, ob die Bürotür von Relotius stets geschlossen war oder nicht. "Unserer Meinung nach handelt es sich um den Versuch, mit Randfragen und Nebenschauplätzen den Reporter Moreno zu diskreditieren", erklärte die Sprecherin. Der Verlag habe den Vorgang seiner Anwältin übergeben.

Relotius sagte indes der "Zeit": "Ich bin mir meiner eigenen großen Schuld heute sehr bewusst und will durch die Auseinandersetzung mit diesem Buch nicht davon ablenken. Ich stelle mich allem, wofür ich verantwortlich bin, aber ich muss keine unwahren Interpretationen und Falschbehauptungen von Juan Moreno hinnehmen." Ohne ihn persönlich zu kennen oder mit Menschen aus seinem näheren Umfeld gesprochen zu haben, konstruiere Moreno eine "Figur".

Im Dezember 2018 hatte der "Spiegel" den Betrugsfall im eigenen Haus aufgedeckt. Relotius gab nach internen Nachforschungen Fälschungen zu und verließ das Haus. Der mehrfach mit Preisen ausgezeichnete Journalist bestätigte anschließend über seinen Anwalt auch öffentlich, dass er "über mehrere Jahre hinweg vielfach Fakten falsch dargestellt, verfälscht und hinzuerfunden hat". (epd)