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Seußlitzer Besenwirtschaft öffnet zum letzten Mal

Diesbar-Seußlitz verliert ein weiteres Kleinod. Bernd und Alexa Raum wollen ihre "Klarissenklause" schließen.

Alexa und Bernd Raum stoßen mit einem eigenen Weißwein auf die zurückliegenden 20 Jahre ihrer Besenwirtschaft an.
Alexa und Bernd Raum stoßen mit einem eigenen Weißwein auf die zurückliegenden 20 Jahre ihrer Besenwirtschaft an. © Sebastian Schultz

Diesbar-Seußlitz. Am Sonntag geht im hiesigen Elbweindorf eine kleine Ära zu Ende. Nach 20 Jahren geben Bernd und Alexa Raum die Rechte für ihre Besenwirtschaft zurück. Zwei Jahrzehnte haben sie in ihrer "Klarissenklause" hinterm Seußlitzer Schloss ihren Wein ausgeschenkt und - wenn gewünscht - einen Imbiss serviert. Jedes Jahr vier Monate lang. Meistens zu Himmelfahrt und im Herbst zur Weinlese, wenn besonders viele Menschen den kleinen Erholungsort an der Elbe besuchen.

Mit Gitarre, Weinliedern und kessen Sprüchen machte dabei Alexa Raum als singende Winzerin von sich reden. Die ehemalige Ortsweinkönigin brachte vor zehn Jahren sogar eine CD heraus, die sie zusammen mit einem Stauchitzer Schülerchor aufnahm. Damals bewarb sich Diesbar-Seußlitz für den Titel staatlich anerkannter Erholungsort. Die CD war Teil der Bewerbung, die schließlich auch Erfolg hatte.

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In diesem Jahr veröffentlichte die 75-Jährige zudem ihr erstes Buch "Wein - ein göttliches Geschenk". Es enthält Wissenswertes über den sächsischen Weinanbau, Diesbar-Seußlitz und Erlebnisse aus 20 Jahren "Klarissenklause". Die erste Auflage von 150 Exemplaren war innerhalb von vier Wochen vergriffen. Alexa Raum hat nachdrucken lassen.

Die erste Auflage von Alexa Raums Buch "Wein - ein göttliches Geschenk" war nach kurzer Zeit vergriffen.
Die erste Auflage von Alexa Raums Buch "Wein - ein göttliches Geschenk" war nach kurzer Zeit vergriffen. © Sebastian Schultz

Dieses Engagement für den Wein und das Weindorf soll nun vorbei sein. Am Wochenende öffnet die Besenwirtschaft zum letzten Mal. "Wir wollen wieder am kulturellen Leben teilhaben", begründet Bernd Raum diese Entscheidung. Er und seine Frau möchten in Zukunft selbst wieder die Weinfeste in Meißen und Radebeul besuchen können und auch ganz ungezwungen bei der heimischen Federweißermeile an der Elbe spazieren gehen.

"So eine Besenwirtschaft hält einen auf Trab", verrät der Hobbywinzer. Damit gehe man die Verpflichtung ein, vier Monate im Jahr jeden Sonntag Gäste zu empfangen. Bei größeren Festen im Dorf auch sonnabends. Das schlaucht. Erst recht, wenn man auf die achtzig zugeht.

Das alles war einfacher, als Bernd Raum noch jünger war und in vierter Generation den Weinberg seiner Ahnen übernahm. 1996 brachten er und seine Frau zehn Rebstöcke der Sorte Phoenix aus einem Urlaub an der Mosel mit und pflanzten sie vors Haus. Bereits im dritten Jahr hingen die Rebstöcke voller Trauben. Sie lasen 130 Kilogramm Wein. "Das konnten wir nicht alles essen", erinnert sich Bernd Raum. Deshalb fuhren sie 1998 nach Südtirol und kauften sich dort eine Ausrüstung zum Keltern.

Im Frühjahr darauf konnten sie auf dem Heiratsmarkt ihren ersten eigenen Wein ausschenken. Das war möglich, weil auf dem Grundstück der Familie Raum schon immer ein Ausschankrecht zu Himmelfahrt besteht. Darauf sind die beiden besonders stolz. 2001 meldeten Bernd und Alexa Raum deshalb ihre Besenwirtschaft an und gaben ihr in Anlehnung an das ehemalige Klarissenkloster, das hier einst stand, den Namen "Klarissenklause".

Die Klarissenklause von außen. Sie hat viele Stammgäste, die unter anderem auch aus Chemnitz und Freiberg anreisen.
Die Klarissenklause von außen. Sie hat viele Stammgäste, die unter anderem auch aus Chemnitz und Freiberg anreisen. © Sebastian Schultz

Seitdem bringen sie hier ihren Wein unters Volk und haben auch eine kleine Fangemeinde, die unter anderem auch aus Chemnitz und Freiberg regelmäßig nach Diesbar-Seußlitz kommt. "Die Freiberger sind fast jeden Sonntag hier", sagt Alexa Raum und fügt lachend hinzu: "Sie melden sich sogar ab, wenn sie in den Urlaub fahren." - Welcher Gastwirt kann das schon von seinen Gästen behaupten?

"Es ist fast wie eine kleine Familie geworden", sagt sie. Für diese besonderen Stammgäste werden die Türen der "Klarissenklause" sicherlich auch weiterhin offen stehen. Ganz aufhören möchten Bernd und Alexa Raum jedenfalls nicht. Gruppen ab zehn Leute wollen sie auch in Zukunft begrüßen. Aber eben nicht mehr jeden Sonntag. Und nicht mehr als Besenwirtschaft.

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