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"Die Frustration ist riesengroß"

In Dresden geht ein Hotelier wegen der Corona-Regeln vor Gericht - und in Riesa?

Mit einer roten Beleuchtung per Scheinwerfer hatte sich Reiner Striegler vom Riesaer Mercure Hotel im Sommer 2020 an den Lockdown-Protesten beteiligt. Mittlerweile ist man dort krisenerprobt - und trotzdem frustriert.
Mit einer roten Beleuchtung per Scheinwerfer hatte sich Reiner Striegler vom Riesaer Mercure Hotel im Sommer 2020 an den Lockdown-Protesten beteiligt. Mittlerweile ist man dort krisenerprobt - und trotzdem frustriert. © Sebastian Schultz

Dresden/Riesa. Für Geschäftsreisende dürfen Hotels wie das Mercure in Riesa auch im Lockdown geöffnet bleiben - aber Essen im Hotelrestaurant oder in Frühstückräumen bleibt auch für sie tabu. Das hat das Verwaltungsgericht Dresden am Donnerstag entschieden - und lehnte damit den Eilantrag eines Dresdner Hotelbetreibers ab.

Der hatte argumentiert, seine täglich 70 bis 90 internationalen Übernachtungsgäste im Restaurant mit weniger Kontakten bewirten zu können, als per Zimmerservice - zumal man dort Platz habe, Luftfilter einsetze und in unterschiedlichen Zeitfenstern bediene. Darüber hinaus sei eine Bewirtung im Zimmer wegen des höheren Personalbedarfs auch wirtschaftlich nicht durchführbar. Ohnehin: Betriebskantinen dürften unter bestimmten Umständen doch auch öffnen, das sei doch vergleichbar, so der Hotelbetreiber.

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Das Sozialministerium sah das anders: Ein Hotelgast könne - anders als etwa ein Fließbandarbeiter - auch auf seinem Zimmer speisen. So sah es auch das Verwaltungsgericht, ein Hotelbetreiber könne sich nicht auf Ausnahmen in der Corona-Schutzverordnung für Betriebskantinen berufen.

Auch in Riesa werden nach wie vor Geschäftsreisende beherbergt und bewirtet - aber auf dem Zimmer. Man habe die Versorgung der Gäste im Mercure auf einen reinen Liefer- und Abholservice umgestellt, seit die Corona-Schutzverordnung gilt, sagt Reiner Striegler von der Betreibergesellschaft Magnet. Da gibt es wahlweise Frühstück aufs Zimmer oder ein Lunchpaket zum Mitnehmen. Abends ist eine Lieferung von Speisen und Getränken auf das Hotelzimmer möglich, der Gast kann sich die Speisen aber auch selbst im Riesenhügel nach telefonischer Bestellung abholen.

"Im aktuell ja schon fast vier Monate andauernden Lockdown für unsere Branche haben sich die Gäste an die Regularien gewöhnt", sagt Striegler. Manchmal gäbe es bei ausländischen Gästen etwas Unsicherheit, welche Tests vor oder bei der Anreise gerade vorzulegen seien - zumal die Verordnungen ja mehrfach geändert worden sind. "Aber das haben wir immer mit den Beteiligten klären können."

Allgemein sei die Frustration in der Branche riesengroß - es fehle eine Öffnungsstrategie und die Politik habe die ursprünglich genannten Inzidenzwerte noch einmal willkürlich nach unten angepasst. "Da kann ich die Kollegen verstehen, die ihre Situation nicht weiter verschlechtern wollen und hier die Gerichte bemühen."

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