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Riesa: Mit PCR-Test zu Roland Kaiser

Nach der Coronapause startet der Schlagersänger seine Tour in der Sachsenarena. Hartgesottene Fans zahlen dafür das doppelte des Kartenpreises.

Von Stefan Lehmann & Eric Weser
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Katja Kümmig (l.) und Maika Kieselstein aus Großenhain zeigen ihre Karten fürs Roland-Kaiser-Konzert in Riesa. Beide brauchten einen PCR-Test für den Einlass.
Katja Kümmig (l.) und Maika Kieselstein aus Großenhain zeigen ihre Karten fürs Roland-Kaiser-Konzert in Riesa. Beide brauchten einen PCR-Test für den Einlass. © Lutz Weidler

Riesa. Der Einlass hat gerade erst begonnen, doch der Besucherparkplatz an der Sachsenarena ist schon gut gefüllt. Vor der Halle: Stimmengewirr, Menschenschlangen, Gewusel. Ein Steward weist schon am Parkplatz die Besucher darauf hin, wo sie sich anstellen können – je nachdem, ob sie sich bereits digital für das Arenakonzert registriert haben, oder noch einen Zettel ausfüllen müssen. Etwas abseits schallen unverwechselbare Schlagermelodien aus einem Lautsprecher. Dieselbe Musik wird es später wohl auch in der Halle zu hören geben – wenn Roland Kaiser seinen Tournee-Auftakt in Riesa beginnt.

Vor einem der aufgebauten Pavillons erkundigen sich Maika Kieselstein und Katja Kümmig gerade über den Ablauf des Konzerts. "Die Karten habe ich vor zwei Jahren zum 40. Geburtstag bekommen", erzählt Maika Kieselstein. Die beiden Freundinnen aus Großenhain sind große Roland-Kaiser-Fans. Mindestens zehnmal seien sie schon auf Konzerten gewesen, meist am Elbufer in Dresden. Das war dieses Jahr ausgefallen, wie schon 2020. "Er ist sympathisch, macht Stimmung und gute Musik", sagt Maika Kieselstein über Roland Kaiser. Mehr als 130 Euro haben die Karten jeweils gekostet. "Dafür sind wir ganz vorn, wir wollen diesmal den Schweiß riechen", sagt Katja Kümmig scherzhaft und lacht.

Die Schlangen vor der Sachsenarena hielten sich am Freitag kurz nach Einlass in Grenzen. Besucherzahlen konnte Veranstalter Semmel noch nicht vermelden.
Die Schlangen vor der Sachsenarena hielten sich am Freitag kurz nach Einlass in Grenzen. Besucherzahlen konnte Veranstalter Semmel noch nicht vermelden. © Lutz Weidler

In der Riesa-Information auf der Hauptstraße ist der Kaiser schon seit Wochen Thema. "Es gab Leute, die haben schon Anfang August im Stundentakt angerufen", sagt Chefin Heike Kandel am Freitag, einen halben Tag vor Konzertbeginn. Damals sei die wichtigste Frage gewesen, ob das Konzert stattfinden kann. In den Tagen vor dem Konzert liefen die Telefone wegen anderer Fragen heiß: Welche Bedingungen gelten nun? Woher bekomme ich den PCR-Test?

Der ist recht kurzfristig Bedingung für alle Nichtgeimpften oder -genesenen geworden. Was vor allem im Netz für eine gewisse Entrüstung gesorgt hatte. Auf der Internetplattform Ebay-Kleinanzeigen wurden nach Bekanntwerden der 2-G- oder PCR-Test-Regel Anfang der Woche zigfach Karten zum Verkauf angeboten – teils mehrere von ein und demselben Anbieter. Auch am Konzerttag gab es dort noch 20 Angebote mit teils bis zu fünf Karten – allein aus einem 50-Kilometer-Umkreis von Riesa.

Gefühlt war das Kaiser-Konzertkarten-Angebot auf dem Kleinanzeigenportal in den Tagen zuvor aber noch höher gewesen. Womöglich hatten einige Verkaufswillige von dem Gutschein-Angebot des Konzertveranstalters Semmel Gebrauch gemacht und ihre Angebote von dem Kleinanzeigendienst wieder zurückgezogen.

An den Riesaer Vorverkaufsstellen, etwa im DDV-Lokal oder eben an der Riesa-Information, hielt sich die Zahl der Umtauschwilligen aber in Grenzen. Selbst Ende der Woche habe man noch Karten verkauft, sagt Heike Kandel. Leute, die ihre Karten eintauschen wollen, gebe es zwar auch – aber das sei nicht die Mehrheit, so Kandel. "Wir freuen uns, dass das Konzert überhaupt stattfinden kann." Das sei auch ein Statement für den weiteren Spielplan in Riesa. Die Pferdeshow Cavalluna steht noch auf dem Programm, Sascha Grammel, Let's Dance. Wäre der Kaiser-Auftritt noch einmal verschoben worden, hätte das noch mehr Vertrauen gekostet, vermutet die Chefin der Riesa-Information.

Zuletzt trat Roland Kaiser in Kamenz auf. Das größte Konzert am Elbufer musste aber entfallen. In Riesa startet die Tournee, danach geht es weiter nach Magdeburg.
Zuletzt trat Roland Kaiser in Kamenz auf. Das größte Konzert am Elbufer musste aber entfallen. In Riesa startet die Tournee, danach geht es weiter nach Magdeburg. © SAE Sächsische Zeitung

Als Hoffnungsschimmer hatte auch FVG-Chef John Jaeschke das Konzert im Vorfeld bezeichnet. Umso mehr ärgert ihn, wie die aktuell gültigen Coronaregeln sich auswirken. Die Inzidenzen gingen momentan wieder zurück, es seien nur eine Handvoll Leute mit Corona im Krankenhaus. Dass unter solchen Umständen ein Antigentest nicht als Zugangsberechtigung genügt, "ist völlig unverständlich für uns". Der Frust ist groß beim Chef der städtischen Gesellschaft, die die Sachsenarena betreibt. "Der Veranstalter hatte nur die Wahl zwischen Pest und Cholera", sagt Jaeschke. "Wir sind ziemlich genervt von der Thematik." Ähnlich kritisch hatte sich zuvor schon Semmel-Concerts-Geschäftsführer Dieter Semmelmann über die 2G-Regel geäußert.

Die beiden Großenhainer Fans waren auch nicht begeistert von der Regel, erzählen sie kurz vor Konzertbeginn. "Wir haben am Donnerstag vor der Arbeit noch einen PCR-Test machen lassen", sagt Katja Kümmig. Das machte dann noch einmal 140 Euro mehr pro Person. Unverschämt sei das schon, sagen beide. "Ich kann mir auch nicht vorstellen, warum ein PCR-Test von gestern besser sein soll, als ein Schnelltest von heute." Mit der Organisation vor Ort seien sie aber zufrieden, sagen beide. "Ich hatte es mir schlimmer vorgestellt mit den Wartezeiten, aber es sieht noch gut aus", so Maika Kieselstein. Die Karten zurückgeben, das sei ihnen aber nicht in den Sinn gekommen. "Hoffen wir, dass jetzt mit dem Test am Einlass auch alles klappt."