merken
PLUS Riesa

"2G" ist in Riesa und Großenhain kein Thema

Zutritt ohne Maske, aber nur für Geimpfte oder Genesene – das ist ab Donnerstag möglich. Nicht nur die Gastwirte sehen die neue Regel aber skeptisch.

Kein Zutritt für Ungeimpfte? Ranjit Singh hält nicht viel von der Option auf 2G-Regel, die ab Donnerstag gilt.
Kein Zutritt für Ungeimpfte? Ranjit Singh hält nicht viel von der Option auf 2G-Regel, die ab Donnerstag gilt. © Sebastian Schultz

Riesa/Großenhain. Auf die neuen Coronaregeln für seine Branche angesprochen, schüttelt Ranjit Singh erst einmal erschrocken mit dem Kopf. "Bei uns gilt ganz normal die Maskenpflicht, die meisten Stammgäste sind aber sowieso geimpft." Es käme ihm aber gar nicht in den Sinn, ungeimpfte Gäste vom Besuch im New Terrazzino auszuschließen, sagt Singh. Der Riesaer Gastwirt ist froh, wieder öffnen zu können: Seit Monaten hatte er sein Restaurant auf den Lieferservice beschränkt, erst Anfang September war auch ein Besuch wieder möglich.

Theoretisch wäre es ab Donnerstag möglich, in der Gastronomie und bei anderen Veranstaltungen im Innenbereich auf Masken und Abstände zu verzichten - wenn alle Gäste genesen oder geimpft sind. Ein negativer Test würde dann für den Zutritt also nicht reichen. Ob 2G oder 3G, das dürfen Wirte, Fitnessstudiobetreiber und andere selbst entscheiden. Und das Votum fällt ziemlich eindeutig aus - nicht nur bei Ranjit Singh.

Anzeige
Tipps für die Herbstferien in Sachsen, Thüringen und darüber hinaus
Tipps für die Herbstferien in Sachsen, Thüringen und darüber hinaus

Fast sechs Wochen ist das neue Schuljahr schon wieder alt – und damit möchten Kinder und Eltern ihre Herbstferien in ganz Sachsen und Umgebung genießen.

Viele Großenhainer Wirte hatten schon in der vergangenen Woche erklärt, warum sie bei 3G bleiben wollten. Tenor: Man wolle niemanden ausschließen, der gesund und ungeimpft ist. So äußert sich auch Reiner Striegler, Chef der Magnet Riesa. Das städtische Unternehmen betreibt neben dem Mercure-Hotel auch die Gastronomie im Riesenhügel sowie die Schwimmhalle. "Wir werden weiterhin die 3G-Regel anwenden, um auch ungeimpften, gesunden Gästen unsere Leistungen anzubieten - so lange wir es gesetzlich dürfen", sagt Striegler kurz und knapp. Er verweist am Mittwochnachmittag darauf, dass die Verordnung im Wortlaut noch nicht online zu finden sei. Eine detaillierte Beurteilung sei da schwierig.

Fitnessstudio bietet Tests vor Ort an

Die Gastronomen sind freilich nicht die einzigen, die vor der Frage stehen: 2G oder 3G? "Gesund bleiben ist wichtig", sagt der Vorsitzende des Großenhainer Fitnessclubs "Kraft - Ausdauer - Bewegung" (KAB) Hubertus Marx. Das wollten schließlich alle, die ins KAB in Großenhain kommen. Daher hat sich der Fitnessclub ganz eindeutig für die 3G-Regelung entschieden. Denn es dürfe niemand ausgeschlossen werden, so Hubertus Marx. Schon im Frühjahr zur Wiedereröffnung war er froh, dass der übergroße Teil der Mitglieder dem Verein die Treue gehalten hat. Außerdem, so seine Schätzung, "sind die Älteren fast alle geimpft". Wer jetzt ins KAB komme und die ersten beiden "G", also geimpft oder genesen, nicht erfülle, könne sich auch vor Ort testen lassen. "Wir haben die Möglichkeit und das Zertifikat dafür", so der Vereinschef.

Hubertus Marx, Chef des Großenhainer Fitnessclubs, spricht für viele: Gesund bleiben ist wichtig“, sagt er. Und da dürfe niemand ausgeschlossen werden.
Hubertus Marx, Chef des Großenhainer Fitnessclubs, spricht für viele: Gesund bleiben ist wichtig“, sagt er. Und da dürfe niemand ausgeschlossen werden. © Kristin Richter

Ähnlich wie Marx argumentiert einer seiner Riesaer Kollegen. "Wir wollen keinen ausgrenzen", sagt Harald Czudaj vom Sportzentrum Olympia. Sowohl im Fitnessbereich, als auch im Indoorspielplatz werde man von der 2G-Option keinen Gebrauch machen.

"Wir wollen und müssen unsere Gäste schützen, dürfen sie deshalb aber nicht ausschließen", begründet Thomas Krause die Entscheidung, in sämtlichen von der Großenhainer Schützenhaus-Eventgroup betriebenen Einrichtungen, die 3G-Regelung anzuwenden. Denn: "Unsere Gäste sind uns alle wichtig", fügt der Geschäftsführer hinzu. Man müsse aus seiner Sicht akzeptieren, dass es Gründe gibt, warum dieser oder jener nicht geimpft ist bzw. die Impfung für sich persönlich ablehnt. Überdies hat Thomas Krause bei einer Veranstaltung in der Remontehalle eine für ihn überraschende Feststellung gemacht. "Da war wirklich ein sehr junges Publikum. Und darunter mehr Geimpfte als Ungeimpfte", erzählt er.

In den von der FVG Riesa betriebenen Kultur- und Freizeiteinrichtungen ändert sich durch die neue Verordnung wahrscheinlich nicht viel, sagt Geschäftsführer John Jaeschke. Über die Frage 2G oder 3G entscheide in Sachsenarena und Stern jeweils der Veranstalter, für den Tierpark und das Haus am Poppitzer Platz werde weiter 3G gelten. Die Ungeimpften auszuschließen, das könne man den Leuten nicht zumuten. Auch aus wirtschaftlichen Gründen. Klar, die Maskenpflicht entfalle dann. "Aber da muss ich provokant fragen: zu welchem Preis?" Es sei ein Ansatz, dass die neue Verordnung wohl die Hospitalisierung als weitere Kennzahl aufnimmt. "Aber für uns als FVG ist das noch nicht der ganz große Wurf."

Höherer Aufwand durch 2G-Regel befürchtet

Über 2G ist auch schon im Vorstand des Sportclubs Riesa diskutiert worden, sagt Präsidentin Annekathrin Aurich. Mit klarem Ergebnis: "Wir werden definitiv keinen Gebrauch davon machen." Das gelte sowohl für Training und Kurse, wie auch für Wettkämpfe. Die Option hätte für den Verein auch erhöhten Aufwand zur Folge gehabt: Wer 2G bei sich umsetzen will, muss das ans Gesundheitsamt melden. Dazu wäre noch die Auseinandersetzung mit den Mitgliedern gekommen. Mit den jetzt gültigen Regeln sei schon seit längerer Zeit ein weitestgehend normaler Sportbetrieb möglich, sagt Aurich. Die meisten hätten sich darauf eingestellt. Und so heiß wie die Testpflicht öffentlich auch diskutiert wurde: Beim SC habe es so gut wie keine Diskussion um die Rahmenbedingungen gegeben, erklärt Aurich.

Im Großenhainer Rathaus wartet man noch auf die endgültige Veröffentlichung der neuen Corona-Schutzverordnung. Man werde "den Text genau lesen und für die Veranstaltungen und Orte entscheiden, welche G-Regel sinnvoll erscheint", so Sprecherin Diana Schulze. Immerhin muss die Stadt darüber entscheiden, ob sie als Hausherr – zum Beispiel von Sporthallen – eine Regelung vorschreibt oder aber dies den Nutzern überlässt.

Für die Begegnungsstätte gelte beispielsweise schon jetzt die 3G-Regel, so Diana Schulze. Dort habe nur Zutritt, wer geimpft (vorzeigen des Impfpasses), genesen oder nachweislich getestet ist. Der Test könne vor Ort unter Aufsicht gemacht werden bzw. ein bestätigtes Testzertifikat werde vorgelegt, so die Maßgabe.

Weiterführende Artikel

Mehr Freiheiten für Geimpfte und Genesene in Sachsen

Mehr Freiheiten für Geimpfte und Genesene in Sachsen

Sachsen macht ab Donnerstag 2G-Regeln möglich - mit Ausnahmen für Kinder. Unzufrieden ist man im Freistaat nach wie vor mit der Impfquote.

Bei manchem Gastronomen sorgt derweil der Blick in die Wintermonate für Sorgen. Während Ranjit Singh noch hofft, dass die Inzidenz niedrig bleibt, verweisen andere darauf, dass der Herbst gerade erst begonnen habe. Sollte der Inzidenzwert weiter steigen, wäre 2G nämlich nicht mehr optional, sondern verpflichtend. Ob es sich dann noch lohnt, zu öffnen, während im Landkreis nur jeder Zweite vollständig gegen Covid-19 geimpft ist? In Riesa hat der Betreiber des Schnitzelhauses schon Mitte September radikale Konsequenzen gezogen: Er werde vorerst nicht mehr für den Hausbesuch öffnen, schreibt Leonhard Fuß auf Facebook. Weder sei er Vollstrecker der Regeln, noch wolle er irgendjemanden ausgrenzen.

Mehr zum Thema Riesa