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Riesa: Aus dem Nichts entsteht ein Möbellager

50 Wohnungen will die WGR für ukrainische Kriegsflüchtlinge vorrichten. Viele Riesaer tragen dazu etwas bei.

Von Christoph Scharf
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WGR-Lehrling Hugo Bäde nimmt Spenden von Eva Kießler entgegen: Sie hat unter anderem Bettwäsche, ein Kinderbett, Wasserkocher und Kaffeemaschine für ukrainische Flüchtlinge dabei.
WGR-Lehrling Hugo Bäde nimmt Spenden von Eva Kießler entgegen: Sie hat unter anderem Bettwäsche, ein Kinderbett, Wasserkocher und Kaffeemaschine für ukrainische Flüchtlinge dabei. © Sebastian Schultz

Riesa. Viele Türen, ein langer Gang, Fußbodenbelag und nackte Wände: Gerade noch war das frühere Schulungsgebäude neben dem Riesaer Ölwerk ausgeräumt. Völlig leer. Nun stapeln sich hier Kartons mit Geschirr, da Windelpackungen, dort Bettgestelle. Zwischendrin eilen Mitarbeiter der Wohnungsgesellschaft Riesa (WGR) hin und her, mit Kisten, Beuteln, Möbelteilen im Arm.

Gerade mal eine Stunde ist es am Donnerstag her, dass das Haus an der Speicherstraße als Annahmestelle für Spenden für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine öffnete. Und schon füllt sich Raum um Raum an dem langen Gang mit Sachspenden. 50 leer stehende Wohnungen will der Großvermieter für die Unterbringung zur Verfügung stellen. So schnell wie möglich. Aber zunächst müssen sie mit dem Nötigsten möbliert werden.

Und deshalb hängen nun hastig aufgehängte Zettel an den früheren Büros und Schulungsräumen: "Kleinmöbel", "Schlafzimmer", "Küche" heißt es zur Orientierung der Spender. Ein Chaos sollte besser gar nicht erst aufkommen, wenn man vorhat, Einrichtungsgegenstände für Dutzende Wohnungen gleichzeitig zu sammeln. "Handtücher und Bettwäsche haben wir erst einmal genug", sagt Mitarbeiterin Teresa Milovanovic nach einer ersten Inaugenscheinnahme. "Aber Töpfe könnten wir noch gebrauchen." Oder Bettzeug wie Kissen und Zudecken. Auch funktionsfähige Technik wie Fernseher oder Wasserkocher seien weiterhin zweckmäßig.

Zwei erste Wohnungen im Riesaer Stadtgebiet waren schon zuvor quasi im Handumdrehen bezugsfertig gemacht worden und sind längst mit Ukrainern belegt. Zwei weitere kamen bald dazu. Nun sind auch schon drei der bislang leeren Wohnungen so gut wie bezugsfertig, sagt Yvonne Ledwa von der WGR. "Wir haben dafür kurzfristig drei neue Miniküchen eingekauft." Je nach Zusammensetzung der Familien statte man die Wohnungen teils mit Feld- und teils mit Kinderbetten aus.

An der Speicherstraße sollte eigentlich das Obdachlosenheim einziehen. Nun sammelt die WGR dort gespendete Einrichtungsgegenstände für Flüchtlingswohnungen.
An der Speicherstraße sollte eigentlich das Obdachlosenheim einziehen. Nun sammelt die WGR dort gespendete Einrichtungsgegenstände für Flüchtlingswohnungen. © Sebastian Schultz

Im Minutentakt kommen neue Autos in die Einfahrt gefahren, Rückbänke und Kofferräume vollgeladen. Sogar eine Kiste mit gerade erst neu gekauften Töpfen und Pfannen ist darunter. Die WGR-Mitarbeiter packen mit an. Auch Geschäftsführer Roland Ledwa hat was mitgebracht - und freut sich über die große Resonanz.

So habe das Riesaer Stempel-Gymnasium schon 25 sogenannte Starterpakete gesammelt. Die WGR hatte dazu aufgerufen, Kisten mit haltbaren Lebensmitteln zu packen - Nudeln, Reis, Milchkartons, Saft, Honig. Die will der Großvermieter in die Wohnungen stellen, damit Neuankömmlinge überhaupt etwas da haben. Auch an der Trinitatis-Schule und der 4. Grundschule werde schon gesammelt, heißt es.

Alltagsgegenstände, an die nicht jeder gleich zuerst denkt, nehme man noch gern an: Besen, Kehrschaufel, Mülleimer. Einige Kindersitze für das Auto wären ebenfalls zweckmäßig, sagt Roland Ledwa. "Wir hatten schon Helfer, die Familien mit Kindern am Bahnhof abholen wollten, aber keinen eigenen Kindersitz haben."

Nur Kleidung möge man bitte nicht an die WGR spenden: Da arbeite man mit den Kleiderkammern zusammen. Und in der Tat ruft derzeit auch schon das DRK Riesa zu Kleiderspenden zugunsten der Ukraineflüchtlinge auf.

Die Räume im Erdgeschoss sind bald gut mit Hilfsgütern gefüllt. Das Obergeschoss an der Speicherstraße möchte sich die WGR noch freihalten. Sollte es hart auf hart kommen, wäre dort noch eine behelfsmäßige, kurzfristige Unterkunft für Flüchtlinge möglich. Heizen lasse sich das Gebäude - nur eine dauerhafte Wohnnutzung komme dort nicht in Betracht: Eigentlich hatte die WGR das Gebäude als künftiges Obdachlosenheim vorgesehen, das Projekt war aber gescheitert, weil das direkt daneben liegende Ölwerk Bedenken hatte.

  • Weitere Informationen: www.wgr-riesa.de/wirhelfen, 03525 746612, [email protected]
  • Geldspenden für dringend benötigte Ausstattung sind über den Verein Riesa und die Welt e. V. möglich: Sparkasse Meißen, IBAN: DE 54 8505 5000 3033 0212 03, BIC: SOLADES1MEI, Verwendungszweck: Ukraine, Adresse und Name des Spenders