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Dem Storch ins Nest geschaut

Ein Glaubitzer hat unweit des Horstes auf seinem Grundstück eine Kamera installiert. Nun hofft er auf baldigen Bruterfolg.

So sieht der Blick durch die Kamera aus, die Nico Schirmer im Horst installiert hat. Klar zu erkennen sind die drei Eier.
So sieht der Blick durch die Kamera aus, die Nico Schirmer im Horst installiert hat. Klar zu erkennen sind die drei Eier. © privat/Nico schirmer

Glaubitz. Sechs Stunden. So lang muss der Weißstorch auf dem Horst ausharren, bis seine Ablösung vorbeischaut. Es ist kurz nach 10 Uhr und die Sonne scheint schon jetzt heiß auf die abgesägte Lärche in Nico Schirmers Garten. „Die beiden haben gerade getauscht“, erzählt der Glaubitzer und zückt das Smartphone. Auf dem Display ist das Bild aus der Kamera zu sehen, die Nico Schirmer am elf Meter hohen Horst installiert hat. „Dank der Kamera weiß ich, dass momentan drei Eier drin liegen.“

Den Horst hat Nico Schirmer erst im vergangenen Jahr aufgebaut. Damals besetzte ihn ein einzelner Weißstorch. In diesem Frühjahr stellte Schirmer deshalb noch einen Pfahl auf dem Grundstück auf, auf dem er ebenfalls eine alte Felge montierte. „Im April setzte sich dann einer fest, der laut Ring 2018 in Krauschütz geschlüpft war.“ Etwas später kam ein Storchenpaar an. „Meine Frau hat die beiden Arthur und Alma getauft. Die haben dann auf dem zweiten Nest gewartet.“ Der Single-Storch flog ständig Angriffe auf das Paar – aber irgendwann sei er verschwunden gewesen. Anfang Mai sei das gewesen. „Und am 31. lagen auf einmal Eier drin.“

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Den Storch stört die Kamera am Horst nicht, den Vogelschützern hilft es bei der Beobachtung. Künftig könnten die Bilder auch im Internet landen.
Den Storch stört die Kamera am Horst nicht, den Vogelschützern hilft es bei der Beobachtung. Künftig könnten die Bilder auch im Internet landen. © Foto: Lutz Weidler

Das ist ungewöhnlich spät: Während in Glaubitz noch gebrütet wird, sind anderswo die meisten Jungtiere schon geschlüpft. Riesas Storchenbetreuer Olaf Gambke ist derzeit schon mit der Beringung beschäftigt – und spricht vom „Wunder zu Glaubitz“. 30 von Paaren besetzte Horste zählt der Altkreis Riesa derzeit – mindestens. „Es herrscht eine gewisse Begeisterung beim Storchenbetreuer“, scherzt er. Im Jahr 2020 brüteten 29 Weißstorch-Paare in der Region. In den 70er-Jahren seien schon zwölf Brutpaare in der Region zufriedenstellend gewesen, über einen längeren Zeitraum gesehen ist die Zahl der Paare also halbwegs stabil.

Die Nestbeobachtung per Webcam sei keine schlechte Sache, sagt Olaf Gambke. „Das erleichtert die Beobachtung.“ Im Fall des Storchenpaars aus Gohlis konnte die Technik sogar Jungtiere retten. „Dort bekam ich am Pfingstmontag den Anruf, dass der Storchenvater tot am Nestrand liegt.“ Die Jungtiere waren gerade erst geschlüpft. In Windeseile setzte Olaf Gambke die zwei jungen Vögel nach Peritz, die Kamera wurde auch neu installiert. „Die Kamera war die Rettung für die Jungen. Sonst wären wahrscheinlich die Milane oder Krähen schneller gewesen.“

Nico Schirmer aus Glaubitz vor dem Storchennest auf seinem Grundstück.
Nico Schirmer aus Glaubitz vor dem Storchennest auf seinem Grundstück. © Foto: Lutz Weidler

Nicht nur Raubvögel vertreibt der brütende Storch auf dem Horst – sondern auch Artgenossen. Auch der Storch auf Nico Schirmers Grundstück fängt unvermittelt an zu klappern, als er einen am Himmel erblickt. „Es ist Wahnsinn, wie weit die Tiere sehen können“, schwärmt der Glaubitzer. Das Tier ist für den Menschen kaum zu erkennen, so weit entfernt schwebt es über dem Boden.

Nico Schirmers Grundstück am Rande des Landschaftsschutzgebiets ist nicht nur für die beiden Störche ein willkommenes Habitat. Mehr als ein Dutzend Brutkästen hängen auf dem Gelände. Seine Terrasse hat er abgesperrt, weil dort Grasmücken brüten. Und einen toten Ast an der Lärche nutzt der Eisvogel ab und zu als Ansitz. Um den schillernden Vogel bei der Jagd zu beobachten, hat Schirmer extra noch Fische in den Teich zugesetzt – und für den Storchenhorst eine 18-Meter-Leiter besorgt. Gerade die Weißstörche sorgen für reges Interesse auch bei den Nachbarn in Glaubitz. „Die Leute sprechen mich schon öfter darauf an. Es ist schön, wenn man so das Interesse wecken kann.“

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In der sommerlichen Hitze steht der „diensthabende“ Storch alle paar Minuten auf, um die Eier zu belüften. Das Nest verlassen Alma oder Arthur aber erst, wenn der andere Partner da ist. Ob sich der Aufwand lohnt, ist noch offen. „Es wird jetzt langsam interessant“, erklärt Nico Schirmer. Um den 1. Juli herum entscheide sich, ob die Eier auch befruchtet sind und Jungtiere schlüpfen. Dann bliebe noch die Frage, ob auch alle Jungstörche durchkommen. Denn im Hochsommer wird voraussichtlich das Futter deutlich knapper sein als jetzt.

So oder so plant Nico Schirmer schon die nächste technische Ergänzung: In der nächsten Brutsaison könnte die Storchen-Kamera auch live ins Internet senden. Dann könnte jedermann mit wenigen Klicks einen Blick ins Glaubitzer Storchennest werfen.

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