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Welcher Putz soll an die alte Kirche?

Von dem Gotteshaus in Riesa-Canitz waren ursprünglich nur noch Mauerreste übrig gewesen. Nun schreitet der Wiederaufbau voran.

Die Canitzer Kirche ist mittlerweile eingerüstet, demnächst sollen die Arbeiten an der Fassade beginnen.
Die Canitzer Kirche ist mittlerweile eingerüstet, demnächst sollen die Arbeiten an der Fassade beginnen. © Sebastian Schultz

Riesa. Der Kontrast könnte auffälliger kaum sein: Das Dach der Canitzer Kirche leuchtet regelrecht in der Junisonne, als sei es gerade erst gedeckt worden - und direkt darunter liegt das Mauerwerk frei. Im Mai hatte eine Firma den alten Putz von der Fassade entfernt, seitdem steht auch ein niedriges Gerüst rings um das Gotteshaus.

Am Gebäude sind ein paar Bauarbeiter beschäftigt. Die Sandsteinplatten aus dem Gebäude haben sie in den vergangenen Tagen aus dem Kirchenschiff getragen, sie liegen am Montag auf der Wiese in Richtung Friedhof. Dort haben sich Vertreter von Kirche, Denkmalschutz und vom beauftragten Architekturbüro verabredet, um die nächsten Schritte abzustimmen - und sich unter anderem in der Frage zu einigen, in welcher Weise die Fassade verputzt werden soll.

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Ralf Zscherper (l.) und Hannelore Risse (r.) setzen sich mit dem Förderverein seit 2005 für den Wiederaufbau der Kirche ein. Bianka Rudolph vertritt die Kirchgemeinde, Jens-Peter Mader ist Baupfleger bei der Sächsischen Landeskirche.
Ralf Zscherper (l.) und Hannelore Risse (r.) setzen sich mit dem Förderverein seit 2005 für den Wiederaufbau der Kirche ein. Bianka Rudolph vertritt die Kirchgemeinde, Jens-Peter Mader ist Baupfleger bei der Sächsischen Landeskirche. © Sebastian Schultz

Mit dabei sind auch Mitglieder des Fördervereins, der seit Jahren für den Wiederaufbau der Canitzer Kirche kämpft. Anfang 2017 hatten die Kirchenretter um den Vorsitzenden Ralf Zscherper den ersten Teilerfolg verzeichnet: Damals gab es grünes Licht für das Dach, das einen weiteren Verfall des Mauerwerks verhindern sollte. Noch im selben Jahr begannen die Arbeiten am neuen Dachstuhl - und der Verfall der Kirche war damit erst einmal gebremst.

Dem Canitzer Förderverein reichte das noch nicht. Ziel ist und bleibt die Wiedernutzbarmachung für die Kirchgemeinde. Dafür sammelte der Verein weiter Spenden, nahm auch an der MDR-Sendung Mach dich ran teil. Einen Entwurf für die Kirche gab es da auch schon. Im Sommer gab es schließlich außerdem die Förderzusage aus dem Leader-Programm. "Das war der letzte Baustein", sagt Ralf Zscherper. 16 Jahre nach seiner Gründung scheinen er und seine Mitstreiter fast am Ziel zu sein.

Das war anfangs nicht unbedingt absehbar gewesen. "Das Vorhaben war damals nicht unumstritten", sagt Jens-Peter Mader. Er ist Baupfleger der Sächsischen Landeskirche. Der dramatische Zustand des Gebäudes hatte offenbar auch bei Kirchenvertretern für Skepsis gesorgt: Kann ein Wiederaufbau der Dorfkirche gelingen? Die Finanzierung abzusichern, das sei ein langer Weg gewesen, sagen alle Beteiligten.

Dass sich die Landeskirche mittlerweile deutlich zu dem Vorhaben bekennt, führt der Baupfleger auch auf das Engagement des Fördervereins zurück. Der hatte in den vergangenen Jahren beträchtliche Summen zuschießen können. Diese Möglichkeit nutze man vielleicht an anderer Stelle noch zu wenig, vermutet der Baupfleger.

Die Kirche wird im Grundriss aus dem 13. Jahrhundert wieder aufgebaut. Die Ostseite, die hier zu sehen ist, wird mittels einer gläsernen Fassade vom MIttelschiff abgetrennt.
Die Kirche wird im Grundriss aus dem 13. Jahrhundert wieder aufgebaut. Die Ostseite, die hier zu sehen ist, wird mittels einer gläsernen Fassade vom MIttelschiff abgetrennt. © Sebastian Schultz

Geld für den Kirchenbau will der Förderverein auch weiter sammeln. Denn wie das so ist mit Bauvorhaben: Meist wird es eben doch ein wenig teurer. Zehn Prozent Aufschlag seien fast normal, sagt Jens-Peter Mader. Je mehr Geld die Canitzer jetzt noch einsammeln, desto weniger müsste die Landeskirche letztlich zuschießen.

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Am Ende des Treffens mit den Denkmalschützern ist auch die Frage beantwortet, welcher Putz denn nun an die Kirche kommen soll. Zwei Varianten hat die Firma schon mal aufgetragen: eine zweilagige und einen simplen Pinselputz. Es wird auf einen Mittelweg hinauslaufen, sagt Architekt Conrad Lohmann. Auch die Sandsteinplatten, die momentan vor der Kirche liegen, werden je nach Zustand wiederverwendet. Beides offenbar Lösungen, mit denen alle Beteiligten leben können. In den nächsten Wochen könnten die Arbeiten an der Fassade starten. Ralf Zscherper frohlockt: "Es ist schön, dass jetzt etwas passiert."

  • Spendenkonto des Vereins zur Förderung des Wiederaufbaus der Kirche Canitz e.V.: DE58 8505 5000 3033 0386 88; Verwendungszweck: Aufbau Kirche Canitz

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