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Riesaer trauern um ihre "Blechbrücke"

In den sozialen Medien wird der Abriss der einst bekanntesten Fußgängerbrücke Riesas bedauert. Es gibt auch Kommentare zur zweiwöchigen ICE-Umleitung.

Von Jörg Richter
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So sah die Fußgängerbrücke, die 1967 errichtet wurde und über den Riesaer Bahnhof ins Stahlwerk führte, in den 1970er Jahren aus.
So sah die Fußgängerbrücke, die 1967 errichtet wurde und über den Riesaer Bahnhof ins Stahlwerk führte, in den 1970er Jahren aus. © Archivfoto: Horst Siegert

Riesa. Bald wird von der Blechbrücke nicht mehr viel zu sehen sein. Die Abrissarbeiten sind fortgeschritten. Manche Riesaer, vor allem ältere, sind in dieser Woche noch mal an das Bahnhofsgelände gegangen, um den Abriss mit dem riesigen Kran zu verfolgen, aber auch um von ihrer Brücke Abschied zu nehmen.

Auch in den sozialen Medien werden Erinnerungen an die Zeit ausgetauscht, als die bekannteste Riesaer Fußgängerbrücke noch passierbar war. So erzählen mehrere Riesaer, wie sie früher darüber gelaufen sind – sei es auf den Weg zur Arbeit oder um Vater oder Mutter von der Arbeit abzuholen oder sie dort zu besuchen.

Die Meinung geht ganz klar in eine Richtung. "Schade, dass diese Brücke abgerissen werden muss", heißt einer von mehreren Kommentaren auf Facebook. Offenbar bedauern viele Riesaer, dass in ihrer Stadt wieder ein Bauwerk verschwindet, das über Jahrzehnte das Stadtbild und das Leben der hiesigen Menschen prägte.

Ein riesiger Kran hebt die einzelne Brückenteile ab. Seit Mitte Januar steht er dafür im Riesaer Bahnhofsgelände.
Ein riesiger Kran hebt die einzelne Brückenteile ab. Seit Mitte Januar steht er dafür im Riesaer Bahnhofsgelände. © Sebastian Schultz

Die Gefühlslage vieler Riesaer ist ähnlich wie beim Abriss der Stahlwerk-Schornsteine Anfang der der 1990er Jahre. Auch wenn nicht ganz so dramatisch. Immerhin wurde damals mit dem Stahl- und Walzwerk Riesa das "Herz der Stadt" abgewickelt und verloren tausende Menschen ihre Arbeit.

Etwas Nostalgie schwebe dennoch beim Anblick der Brückenreste mit, so ein Kommentar. "Außerdem war es eine kurze Verbindung nach Gröba. Warum nur wird so vieles in Riesa plattgemacht?" Und ein anderer schreibt: "Wieder stirbt ein Stück Geschichte."

Manch einer sieht in dem Abriss auch eine vertane Chance – gerade im Hinblick auf den Umweltschutz. Es wäre schöner gewesen, wenn man die "Blechbrücke", die eigentlich eine Stahlbetonbrücke war, saniert hätte, "um etwas mehr Mobilität ohne Auto zu fördern."

So bleibt für Radfahrer und Fußgänger nur der Umweg unter der Eisenbahnbrücke, entlang der Lauchhammerstraße (B 182) oder auf dem Elbradweg. Die nächstgelegene Chance, mit dem Fahrrad nach Gröba oder Merzdorf zu kommen, ist die Rostocker Straße in Weida. Und das sind gut zwei Kilometer Umweg. Wenn nicht sogar mehr.

Nicht nur die Riesaer äußern sich kritisch zu dem Abriss, sondern auch Menschen, die hier normalerweise mit dem Zug nur durchfahren. Wegen der Bauarbeiten auf dem Riesaer Bahnhof werden zwei Wochen lang viele Personenzüge umgeleitet. So auch der ICE zwischen Dresden und Leipzig.

Das führt zu sarkastischen Kommentaren. Auf Twitter schreibt jemand: "Ich muss bald Schlafwagen bestellen. So lange dauern die Fahrten manchmal." Und ein anderer wundert sich, "dass an der Strecke Dresden-Leipzig so hübsche Orte wie Falkenberg und Wittenberg liegen."